Neues Wasserkraftwerk wird 260 Haushalte mit Strom versorgen

OB Christian Kegel: "Ein Vorzeigeprojekt geschaffen"

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„Turbine marsch“ hieß es zwar nicht. Aber symbolisch wurde der Betrieb des Unterwerks I durch das Zerschneiden des Bandes gestartet. Von links: Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser, Oberbürgermeister Christian Kegel, Günther Hartmann vom planenden Ingenieurbüro und Stefan Will, Geschäftsführer der Stadtwerke Traunstein. Eine Million Kilowattstunden sollen hier jährlich erzeugt werden.

Traunstein - Die Stadtwerke setzen bei den regenerativen Energien weiterhin auf Wasserkraft. Mit der Inbetriebnahme des Unterwerks I sollen 260 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Die Stadtwerke Traunstein setzen weiter hin auf den Ausbau von erneuerbaren Energien. Am Samstag wurde das neue Wasserkraftwerk Unterwerk I in der Brunnwiese offiziell in Betrieb genommen. Einen dauerhaft optimalen Betrieb vorausgesetzt, ist hier mit dem Wasser aus dem Mühlbach die Erzeugung von einer Million Kilowattstunden pro Jahr vorgesehen, was in etwa dem Jahresverbrauch von 260 Haushalten entspricht. Vormittags wurde die Anlage unter Anwesenheit vieler Vertreter der betroffenen Kommunen und Behörden sowie Planer, Handwerker und Nachbarn offiziell in Betrieb genommen, nachdem die neue Turbine bereits seit Mitte März läuft.

Die Wasserkraft hat an dem historischen Ort schon eine lange Tradition, nachdem dort seit 1896 Strom produziert wird. 1970 wurde das Kraftwerk dann stillgelegt, nach einem Umbau 1982 war es bis 2015 in Betrieb und lieferte rund 500.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Die nun umgesetzte Projektidee war, die Stromerzeugung durch Erneuerung und Erweiterung des UW I um die Fallhöhe Hasselberger Mühle zu steigern.

Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks in Traunstein

Die Stadtwerke Traunstein haben die rund eine Million Euro teure Investition als Bauherr und Betreiber durchgeführt, der Landkreis Traunstein als Grundstückseigentümer ist mit beteiligt. Start des Neubaus und der Erweiterung des Projektes, das einen Planungsvorlauf von rund fünf Jahre hatte, war im Oktober vergangenen Jahres, seit Samstag läuft die neue Anlage nun offiziell und sorgt dafür, dass es in vielen Haushalten jederzeit verfügbaren „klimafreundlichen Strom“ gibt.

„Ein Bauwerk das sich sehen lassen kann“

Stefan Will, Geschäftsführer der Stadtwerke Traunstein ging in seiner Begrüßungsrede auf die Historie des Gebäudes ein, das in seinen Grundzügen aus der Zeit um 1582 stammt und eine wechselhafte Geschichte aufweist – auch was seine Besitzer angeht. 1896 habe man dort mit der Stromerzeugung begonnen. Konnte man aber damals mit dem Unterwerk und der Mittermühle den gesamten Strombedarf der Stadt decken, so leistet das Unterwerk I heute nur knapp ein Prozent für den täglichen Traunsteiner Strombedarf.

Umfangreiche Planungs- und Baumaßnahmen waren erforderlich. Auch musste eine neue Turbine eingesetzt werden. Er lobte den reibungslosen Ablauf und die weitgehende Termineinhaltung der beteiligten Firmen. Auch seinen keine Arbeitsunfälle zu verzeichnen gewesen. Er bedankte sich beim Stadtwerke-Aufsichtsrat und dem Kreisausschuss, die durch ihre Entscheidungen die Grundlagen und auch den Anstoß für die Umsetzung gegeben haben und lobte die gute Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten.

„Sie haben zu einem Bauwerk beigetragen, das sich in jeder Beziehung sehen lassen kann.“ Ausdrücklich kritisierte er das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das auf dem Einbau von hundert Jahre alten Backsteinen bestanden. „Die sieht unter dem Putz sowieso niemand“ so Will, der darauf hinwies, dass man deutlich Geld hätte sparen können. „Und trotzdem würde das Gebäude exakt so dastehen, wie jetzt.“

Gemeinsam Vorzeigeprojekt geschaffen

Oberbürgermeister Christian Kegel machte deutlich, dass sich die Stadt Traunstein dem Umwelt- und Klimaschutz verpflichtet sehe. Die Stadtwerke Traunstein seien hier ein wichtiger Partner der Stadt, wie er am Beispiel des angrenzenden Hackschnitzelwerks Brunnwiese ausführte, das die Stadtwerke seit 2012 betreiben. Man setze auf einen Mix aller Formen erneuerbarer Energien, in der Wasserkraft finde man in Traunstein „optimale Bedingungen.“

Mit dem nun fertiggestellten Projekt hätten die Stadtwerke „einen weiteren wichtigen Schritt gemacht – für die Stadt, für die Menschen die hier leben und für den Umwelt- und Klimaschutz.“ Das Unterwerk I bessere die „regenerative Energiebilanz“ der Stadt wie auch des Landkreises weiter auf. Er dankte allen Beteiligten, die bei dem unfallfrei verlaufenen Projekt mitgewirkt haben und lobte das „Vorzeigeprojekt“, das der Landkreis, die Stadtwerke und die Stadt Traunstein Hand in Hand geschaffen hätten.

Dies gelte auch für das Spannungsfeld des Eingriffs in Gewässer und dem Nutzen der Wasserkraft als umweltfreundliche Energieerzeugung. „Nutzung von Wasserkraft ist möglich, ja sinnvoll – das wird auch hier am Unterwerk I ganz deutlich“ sagte das Stadtoberhaupt. Die Entscheidung für die regenerative Energiegewinnung an dem Standort sei richtig.

Zukunftsweisende Investition

Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser lobte die „zukunftsweisende Investition der Stadtwerke“. Der Landkreis als Grundstückseigentümer habe sich selbst mit den Überlegungen des Baus eines eigenen kleinen Kraftwerks zur Nutzung der ehemaligen Hasselberger Mühle getragen. Letztlich habe man aber gemeinsam mit den Stadtwerken die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Stromerzeugung für geplante kommende 100 Jahre geschaffen. Derzeit sorgen im Landkreis Traunstein 152 Wasserkraftwerke mit dafür, dass die ehrgeizigen Landkreisziele erreicht würden.

Will man doch Haushalte und Gewerbetreibende bis zum Jahr 2020, aber in einem späteren Schritt bis zum Jahr 2025 auch die heimischen Industriebetriebe komplett mit Strom versorgen, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Kritisch ging Konhäuser auf die Wiederstände ein, auch die Salzach in die Stromerzeugung einzubeziehen. „Man kann nicht Sonntags dafür predigen und am Montag dagegen stimmen.“ Trotz der Steigerung des Anteils an erneuerbaren Energien sei es vor allem wichtig, den Energieverbrauch zu reduzieren: „Leisten sie ihren persönlichen Beitrag zum Klimaschutz.“

Dekan Peter Bertram und Stadtpfarrer Georg Lindl gaben der Anlage den kirchlichen Segen. Trage Wasser doch zum Leben in Traunstein bei. Sie verwiesen darauf, dass Wasser ein wichtiges, lebensspendendes Element sei, von dem der alttestamentliche israelitische König David im Psalm 23 schreibt, dass er von seinem Gott „zu frischem Wasser geführt werde.“ Das „Lebenselement Wasser“ dürfe und müsse nachhaltig genutzt werden, man bete dass Gott seinen Segen dazu gibt.Dass Wasser auch eine Bedrohung sein kann, machte der Stadtpfarrer anhand der Überschwemmungen in Simbach am Inn vor wenigen Wochen deutlich. Auch die umfangreichen Planungs- und Baumaßnahmen im Rahmen des Hochwasserschutzes in Traunstein seien nötig gewesen, um die Gefahren des Wassers zu beherrschen oder abzuwehren.

Bis in den späteren Nachmittag hinein hatten die Bürger dann die Möglichkeit, sich die Anlage anzusehen und sich von Mitarbeitern der Stadtwerke ihre Funktionsweise erklären zu lassen. Auch das Wasserkraftmuseum und das Biomasseheizwerk waren geöffnet, so dass es ein gelungener Tag der offenen Tür in der Brunnwiese rund um die Energieerzeugung der Stadtwerke Traunstein war. Die Verantwortlichen der Stadtwerke zeigten sich mit dem Bürgerinteresse sehr zufrieden. Das Posaunenquartett der Musikschule Traunstein sorgte für den richtigen musikalischen Ton.

awi

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