Ein ästhetisches Gesamtkunstwerk

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Die mächtige Burg mit der Burgkirche St. Veit trohnt oberhalb von Marquartstein.

Marquartstein (CH-Z) - Vor 20 Jahren kaufte Konrad Bernheimer das historisch für die ganze Region bedeutsame Bauwerk von der Vorbesitzerin, Thea Baronin von Claparde-Crola.

In Kennerkreisen gilt der Kunsthandel von Konrad Bernheimer als die Nummer eins in Deutschland und zählt zu den führenden Häusern in Europa. Entsprechend hat auch die Burg Marquartstein gewonnen. Äußerlich konnte der "Zahn der Zeit" dem imposanten Gebäude seit jeher nur wenig anhaben. Im Inneren aber waren die Räume zum großen Teil in marodem Zustand.

Da von der Originalsubstanz im Inneren nichts erhalten ist, sind die Innenräume nicht denkmalgeschützt, während außen auch nur die geringste Änderung mit dem Amt für Denkmalpflege abgestimmt werden muss. Konrad Bernheimer ließ die Innen-räume gründlich renovieren, zum Teil umbauen, vor allem den Trakt mit dem so genannten Rittersaal, nämlich den vorderen Teil der Burg, der früher als Troadkasten (Getreidekasten) diente. Mit Stilgefühl und Kunstverstand hat Bernheimer die Burg auch im Inneren zu einem wahren Schmuckstück gemacht, das auch nach strengen kunsthistorischen Kriterien ein ästhetischer Genuss für jeden Besucher mit ein wenig Gespür sein muss.

Auch schon von außen lässt sich an den Details erkennen, mit wieviel Liebe und Kunstverstand die Burg ausgestattet wurde, so der alte Ziehbrunnen vor dem Eingangsportal, der so aussieht, als sei er "schon immer" da gewesen, obwohl das noch gar nicht so lange ist - ebenso die steinernen Ritterbüsten am Aufgang zur Burgkirche St. Veit oder vor der Brücke zur Burg.

Das Familienunternehmen Bernheimer hat eine lange Geschichte. Vor über 30 Jaren übernahm Konrad Bernheimer die Firma von seinem Großvater - sein Vater kam bei einem Autounfall ums Leben, als er noch ein Kind war. 1864 wurde die Firma vom Urgroßvater des jetzigen Besitzers, von Lehmann Bernheimer, gegründet. Heute gehört es zu den größten europäischen Kunsthandlungen mit internationalen Kontakten. Neben dem großen, seit 22 Jahren bestehenden Kunsthandelshaus in London besitzt Bernheimer eine Galerie an der Briennerstraße in München, wo insbesondere die älteste Tochter bereits weithin beachtete Ausstellungen mit Fotografien zeitgenössischer Fotografen organisiert hat.

Erst bayerisch, dann deutsch gelernt

Auch Konrad Otto (nach seinem Großvater) Bernheimer selbst kann auf ein nicht alltägliches Leben zurückblicken. Geboren in Venezuela - seine Mutter ist Venezolanerin - kam er mit vier Jahren nach München und konnte kein Wort Deutsch. "Ich lernte erst bayerisch, dann deutsch", erinnert er sich. Heute spricht er nicht nur spanisch und englisch fließend, sondern auch französisch und italienisch, was natürlich beim Kontakt mit den Kunden auf der ganzen Welt von unschätzbarem Vorteil ist.

Bernheimer hat Kunstgeschichte und Betriebswirtschaft studiert, arbeitete nach dem Studium ein Jahr in London bei Christie's, bevor er die Firma übernahm. Seine Wünsche für die Zukunft? Beruflich habe er "eigentlich alles erreicht", meint Bernheimer. Wenn er noch einige Jahre auf dem jetzigen Niveau weiterarbeiten könne, sei er zufrieden. Für später wünscht er sich, "mehr Zeit auf der Burg in Marquartstein verbringen" zu können. Auf jeden Fall werde sie mal sein "Alterssitz".

Christiane Giesen (Chiemgau-Zeitung)

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