Almleute für Kulturlandschaft unverzichtbar

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Ehrung langjähriger Almleute aus den Almgebieten Oberbayerns: Hinterste Reihe, Siebter von links, Staatsminister Dr. Marcel Huber, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, rechts daneben Ministerialdirektor Martin Neumeyer, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten. Hinterste Reihe Dritter von rechts Bürgermeister Josef Loferer, Schleching, Georg Mair, Erster Vorsitzender Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern, davor Landwirtschaftsdirektor Michael Hinterstoißer, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Miesbach, Sachgebiet Almwirtschaft und Geschäftsführer des AVO.

Schleching - Als für die Kulturlandschaft unverzichtbar bezeichnete Staatsminister Dr. Marcel Huber jetzt beim Almbauerntag in Schleching die Almleute.

"Wir brauchen die Almleute zum Erhalt der Kulturlandschaft, die über Jahrtausende mit einer Koexistenz von Mensch und Natur entstanden ist", so Staatsminister Dr. Marcel Huber, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei als Festredner auf dem 64. Almbauerntag des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) im Gasthof „Zur Post“.

Nach 18 Jahren richtete der AVO mit dem Vorsitzenden Georg Mair und Landwirtschaftsdirektor Michael Hinterstoißer, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Miesbach, Sachgebiet Almwirtschaft und Geschäftsführer des AVO, in der Gemeinde Schleching mit Bürgermeister Josef Loferer wieder einen Almbauerntag aus.

Röckefrauen des Trachtenvereins „d’Gamsgebirgler“.

Vorausgegangen war im August die Hauptalmbegehung über Schlechinger, Priener und Marquartsteiner Almgebiet mit rund 600 Almleuten. Das festliche Wochenende begann mit einem beeindruckenden Brauchtumsabend des Trachtenvereins „d’Gamsgebirgler“ im Festsaal „Zur Post“, der bereits mehrere Hundert Gäste anzog und über den gesondert berichtet wird. Am Sonntag stand nach dem Frühkonzert mit der „Dorfmusik Schleching“ zunächst der Festgottesdienst mit der Predigt von Pfarrer Klaus Wernberger im Vordergrund. Nach dem Evangelium des Johannes „Der gute Hirte“, wolle er nicht auf einen Hirtenbrief, sondern auf einen Herdenbrief aus der Schafsperspektive eingehen. Der Mensch war dankbar für die Kulturarbeit, bis der Bär auftauchte. Heute würden sich „Raubtierromantiker“ für Wolf, Marder, Biber oder Kormoran einsetzen. Man verschwende keine Gedanken an die verletzten Schafe und deren Anblick. Wo Geldnot herrsche, seinen die Kassen voll für den Geldausgleich und einen Wolfsbeauftragten. Der Pfarrer erhielt spontanen Applaus. Den Gottesdienst gestalteten die „Schlechinger Sänger“ mit der „Deutschen Bauernmesse“ (Annette Thoma), die „Mühlberg Soatnmusi“ und die Weisenbläser der „Dorfmusik Schleching“.

Anschließend führte ein großer Festzug des Trachtenvereins und weiterer Ortsvereine mit Ehrenkutsche, Ehrengästen, Bezirksalmbauern und Almleuten, einem Almwagerl mit Senner und Sennerinnen, Glockenkuh und Geißen durch das Dorf. Zum morgendlichen Den Festzug führte die Dorfmusik Schleching an, die auch zum gemeinsamen Mittagessen aufspielte. Anschließend unterhielt die „Almkirtamusi“ die Gäste.

Auf der Vollversammlung des AVO erinnerte der Vorsitzende Mair nach der Begrüßung zahlreicher Ehrengäste an den Almbauerntag vor 18 Jahren in Schleching, den damals Kaspar Niederhauser verantwortlich ausrichtete. Er sei von dem Brauchtumsabend am Vorabend in familiärer Atmosphäre mit hochwertigen Musikgruppen, Trachtentänzen und Plattlern im wunderbar almtypisch dekorierten Saal stark beeindruckt gewesen. Er dankte Bürgermeister Josef Loferer für die gute Zusammenarbeit und die hervorragende Ausrichtung der Almbegehung und des Almbauerntages.

Bürgermeister Josef Loferer ging auf die Geschichte Schlechings ein, die auch Geburtsort des weithin anerkannten „Ökomodell Achental“ ist. Um das Jahr 1580 wurden auf den Hochalmen um den Geigelstein noch rund 1.200 Großvieh, darunter 150 Rösser, an knapp 50 Tagen beweidet. Heute werden überwiegend Jungvieh und nur noch wenige Milchkühe und Rösser aufgetrieben. Die Zahl der behirteten Almen sei konstant geblieben. Ohne Land- und Almwirtschaft sei der Tourismus nicht zu halten. „Zuerst geht die Kuh, dann der Gast, darum ist die Freihaltung unserer Almen oberstes Gebot“. Für die hervorragende Ausrichtung der Almbegehung im August, des Brauchtumsabends und des Festtages sprach Loferer allen Beteiligten ein herzlichen Vergelt’s Gott aus.

Staatsminister Huber stellte in seinen „Gedanken zum Almbauerntag“ ein Dankeschön an den AVO und die Almleute für den erfolgreich gemeisterten Almsommer 2011 an den Anfang seiner Festrede. „Die einzigartige Kulturlandschaft unserer Alpen ist Naturdenkmal, aber auch Wirtschaftsraum und Erholungsgebiet, unsere wichtigste Touristenattraktion und Visitenkarte Bayerns.“ Die Almbauern sorgen jeden Tag dafür, dass das so bleibt. Ihre Leistung für den Umweltschutz und die Biodiversität der Alpen gehe weit über die herkömmliche bäuerliche Arbeit hinaus.

Die Bayerische Staatsregierung stehe an der Seite der Almbauern. Die Gemeinwohlleistungen müssen entlohnt werden, so der Minister. Huber nannte die verschiedenen Programme zur Unterstützung, unter anderem das Bergbauernprogramm, die Ausgleichszulage für Berggebiete oder das Vertragsnaturschutzprogramm.

Die Almwirtschaft unter eine Traditionsglocke zu stellen, mache keinen Sinn. Deshalb sei die Förderung des Nachwuchses und die Bildung wichtiger den je. Die Akademien für Alm- und Alpwirtschaft in Miesbach, Traunstein und Immenstadt im Allgäu seien gut besucht und es gäbe ausreichend Nachwuchs und Bewerber. Das sei ein Riesenkompliment für die Arbeit der Almbauern, die ihre Begeisterung und ihre Traditionen an die Kinder und Enkel weitergeben. „Wir haben es geschafft, in den letzten 40 Jahre alle unserer rund 1.400 Almen in den Bayerischen Alpen bewirtschaftet zu halten.

Ministerialdirektor Martin Neumeyer, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, werde weiter für die Almwirtschaft kämpfen. Er forderte, die Leistungen der Bergbauern in den benachteiligten Gebieten auszugleichen. Die vernünftige Erschließung der Almen mit Zuwegen sei zu gewährleisten. Mit Vorsicht und Rücksichtnahme seien auch beim Einsatz von Motoren verträgliche Lösungen möglich. Neumeier ging außerdem auf die Schwierigkeiten und Modellprojekte mit einer großen Wolfspopulation im Bereich der 1.400 Almen und Alpen ein.

Den Wolf werde er nicht heilig sprechen, sagte auch Präsident Alfons Zeller, Bayerische Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen. Touristische Wertschöpfung gäbe es ohne die Almwirtschaft nicht. Produkte könne man importieren, nicht aber Landschaft. „Dort wo keine Kühe mehr grasen, kann man keine Gäste mehr melken! Kühe gehören in die Landschaft.“ Die Arbeitsgemeinschaft arbeite intensiv mit Nachbarländern zusammen und habe damit gute Voraussetzungen in Brüssel. Mair forderte anschließend wegen der dichten Besiedelung, der Wirtschaftsweise und des Tourismus eine wolfsfreie Zone im Bayerischen Alpenraum. Im Vorjahr seien 40 Schafe gerissen worden. Nicht überspringbare und nicht zu untergrabende Zäune hält er nicht für machbar.

Ausgewilderte Wölfe würden sich explosionsartig vermehren. Ferner ging Mair nach der Trennung von Wald und Weide auf das Roden der inzwischen digitalisierten Flächen und den Wegebau mit Unterstützung durch die Ministerien ein. In seinem Geschäftsbericht nannte Hinterstoißer 20.632 Rinder, die in diesem Jahr bei einem Rückgang von 1,9 Prozent aufgetrieben wurden, beim Fremdvieh waren es 5.700 Stück. Nach einem zunächst trockenen Frühjahr habe es scharfe Wetter mit mehreren Unfällen gegeben. Von 65 Unfällen seien 28 Tiere durch Blitz erschlagen worden. Über die meisten Ereignisse des Jahre sei bereits im „Almbauern“ ausführlich berichtet worden.

Zum Abschluss ehrten der Erste Vorsitzende Mair und Jakob Müller, Zweiter Vorsitzender des AVO, eine große Anzahl Almleute, die wenigsten zehn bis zu 45 Sommer auf der Alm verbracht haben. Staatsminister Huber gratulierte jedem persönlich. bre

Zurück zur Übersicht: Achental

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser