Anspruchsvoller Übungstag der Feuerwehren

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Erschreckendes Szenario: Bei einem Forstunfall fällt ein Baum auf einen Menschen und begräbt ihn unter sich. Ist Hilfe noch möglich? Diese und andere Stresssituationen gab es für Feuerwehrler, BRK-Helfer, Bergwacht und Malteser, die am perfekt inszenierten Übungstag in Grassau teilnahmen.

Grassau - Acht Feuerwehren mit 120 Helfern, dazu 20 Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes, der Bergwacht und des Malteser Hilfsdienstes sowie die Polizei kamen zu einem Übungstag zusammen.

Auf Initiative von Kreisbrandinspektor Georg König und ausgerichtet von der Feuerwehr der Marktgemeinde trainierten die Hilfs- und Rettungsdienste aus dem Inspektionsbereich "Traunstein Land 2/2" (Achental) an perfekt inszenierten Notfallsituationen und unter sehr realitätsnahen Bedingungen. Fünf Stunden lang wurde die Erkundung durch Führungskräfte, das einsatztaktische Vorgehen bei verschiedenen Notfallsituationen und die Erstversorgung von Verletzten intensiv trainiert.

Neben den routinierten Standardmaßnahmen wie einem Löschaufbau bei einem Brand oder der Bereitstellung von Rettungsgeräten bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen war unkonventionelles Vorgehen und Improvisationsgabe gefragt, um die mitunter sehr schwierigen Notfallsituationen schnell und effektiv abzuarbeiten.

Auf neun Stationen in und um Grassau wurden die Helfer mit verschiedensten Unfällen und Bränden konfrontiert. Dichter Brandrauch aus einem Gebäude, ein Forstunfall, bei dem ein Baum auf ein Auto stürzte, ein Mann der hilflos und verletzt auf einem Kran sitzt und ein Mann, der hilflos in einem Schacht gefangen ist, waren nur einige der Notfallszenen.

Anspruchsvolle Notfallsituationen

Besondere Beachtung und viele interessierte Zuschauer hatte ein Verkehrsunfall, der an der Fußgängerunterführung am Birkenweg in Szene gesetzt wurde. Ein Kleinwagen, der von der Straße geschleudert worden war, kam in der Unterführung zum Liegen. Eine Person wurde vermeintlich schwerverletzt im Wrack eingeklemmt und musste von der Feuerwehr unter sehr beengten und schwierigen Bedingungen befreit werden. Dass beim gleichen Unfall ein Radfahrer (Dummy) von einem Lastwagen erfasst und getötet wurde, hatten nicht alle Retter sofort bemerkt. Dies zeigte, wie wichtig eine umfassende Erkundung und Lagebeurteilung ist.

Anspruchsvoll waren auch alle anderen Notfallsituationen. Auf der Straße nach Strehtrumpf mussten Personen aus einem Auto befreit werden, auf das ein Baum gefallen war. In einem Wohnhaus an der Pettendorfer Straße kam es zu einem Zimmerbrand. Menschen waren in Gefahr und mussten von Atemschutzträgern gerettet werden.

Auf einer Baustelle in Hindling wurde hoch oben auf einem Baukran ein Mann mit dem Arm eingeklemmt. Während einige Feuerwehren ihre, in Absturzsicherung speziell ausgebildeten Helfer zur Rettung einsetzten oder die Bergwacht um Unterstützung baten, forderten andere das Hubrettungsfahrzeug der Feuerwehr Grassau an, mit dem der "Verletzte" auf relativ komfortable Weise in Sicherheit gebracht werden konnte. Mittels Flaschenzug und Schaufeltrage aus der Tiefe gerettet und dem Rettungsdienst zur weiteren Behandlung zugeführt wurde eine Person, die mit akuter Erkrankung im Keller der Kanalpumpstation in Au lag.

Auch ein festsitzender Aufzug im Hefter-Anwesen, in dem zwei Personen "eingesperrt" waren und einen Schock erlitten, gehörten zu den Notfallszenarien, die von Verletztendarstellern der Gruppe für realistische Unfalldarstellung (RUD) der Malteser sehr authentisch nachgestellt waren.

Den Abschluss der Schreckensszenarien bildeten ein Großbrand im Biomassehof Achental in Gewerbegebiet Eichelreuth und ein Feuer mit Austritt gefährlicher Chemikalien im Wertstoffhof. Die Feuerwehrler und Rettungskräfte hatten dabei alle Hände voll zu tun, um die inszenierten Unfälle abzuarbeiten und die Verletzten zu retten.

Nicht immer ist dabei alles rund gelaufen und es gab auch Situationen, in denen die Beobachter versucht waren die Übungen abzubrechen, wie zum Beispiel beim Gefahrstoffunfall im Wertstoffhof. Die ersten Atemschutztrupps der Feuerwehr zögerten lange, bis die nach Hilfe rufenden Verletzten aus dem Gefahrenbereich in Sicherheit gebracht wurden. Die GAMS-Regel sei nicht konsequent genug angewendet worden, so die Wertung der Übungsbeobachter. Die Abkürzung "GAMS" steht für die wichtigsten Sofortmaßnahmen bei Einsätzen mit giftigen Stoffen: Gefahr erkennen, Absperrung errichten, Menschenrettung durchführen, Spezialkräfte anfordern.

Bürgermeister Rudi Jantke zeigte sich begeistert von der guten Teamarbeit und der hohen Motivation aller Übungsteilnehmer. Aus- und Fortbildung habe bei Feuerwehren und Rettungsdiensten Priorität. "Seine Freizeit zu opfern, Tag und Nacht bereit zu sein und ehrenamtlich für die Allgemeinheit tätig zu werden, verdiene höchste Anerkennung."

Gute Teamarbeit

Nach fünfstündigem, kräftezehrendem Üben zogen die Übungsbeobachter Bilanz. Im Notfallparcours sei nicht alles optimal gelaufen und auch wurden einige gravierende Fehler gemacht. Große technische Probleme machte der Funkverkehr.

Teilnehmer der Übung waren die Feuerwehren aus Grassau, Übersee, Staudach-Egerndach, Rottau, Marquartstein, Unterwössen, Oberwössen und Reit im Winkl, die Bergwacht-Bereitschaft Grassau sowie vier Rettungswagenbesatzungen des BRK und der Malteser, die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung und der Einatzleiter Rettungsdienst. Großzügig unterstützt wurde der Übungstag von der Gemeinde Grassau, die am Ende des Übungsmarathons eine Brotzeit für die 160 Übenden spendierte.

pv/Chiemgau-Zeitung

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