Bezahlbarer Grund für junge Familien

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Sag mir, wo die Kinder sind: Längst hat der demografische Wandel auch den Bergort Reit im Winkl erreicht, die Zahl der jährlichen Geburten ist mittlerweile nur noch einstellig. Nun hat der Gemeinderat ein "Familienansiedlungsmodell" auf den Weg gebracht, womit auch auswärtige Familien leichter zu günstigem Bauland im Feriendorf kommen können.

Reit im Winkl - Der Gemeinderat hat jetzt ein Familienansiedlungsmodell vorgelegt und dieses einstimmig beschlossen, das vor allem den Zuzug in den Bergort fördern soll.

Wohin steuert Reit im Winkl, wenn es um die rückläufige Entwicklung seiner Bevölkerungsstruktur geht? Ein Thema, das in den Alltagsaufgaben einer Gemeinde oft etwas in den Hintergrund gerät. Jetzt hat der Gemeinderat nach längerer Beratungszeit ein Familienansiedlungsmodell vorgelegt und dieses einstimmig beschlossen, das einerseits aktuellen EU-Richtlinien entsprechen soll, das vor allem aber den Zuzug in den Bergort fördern soll.

Laut dem Bayerischen Statistischen Landesamt ging die Bevölkerungszahl in Reit im Winkl seit dem Höchststand im Jahre 1992 von 2910 Einwohner auf 2336 (31.12.2009) zurück, ein Rückgang um knapp 20 Prozent. Ein Trend, der sich überdeutlich auch an den örtlichen Schülerzahlen ablesen lässt: Bis zu 30 Mädchen und Buben zählte man vor wenigen Jahren noch in der 1. Klasse (etwa im Schuljahr 2003/04), im laufenden Schuljahr sind es mit 16 Kindern nur noch gut die Hälfte.

Die Alterspyramide im Bergort zeigt weiters, dass rund ein Drittel der Einwohner älter als 65 Jahre ist, wie im Rahmen der Mitgliederversammlung einer örtlichen Genossenschaftsbank Anfang des Jahres zu erfahren war. Doch wie kann diesem Trend entgegengesteuert werden?

Im Mai 2009 führte die Gemeinde ein "Willkommensgeld" ein, 200 Euro erhält seither jede Familie für ein neugeborenes Kind. Ein Betrag, der den Gemeindehaushalt allerdings weit weniger als erhofft belastet: Gerade neun Geburten wurden im vergangenen Jahr registriert, 2011 sind es bislang nur sechs.

"Wir haben hier mit der neuen Wasserversorgung, mit unseren leistungsfähigen Handwerksbetrieben, mit Kindergarten, mit der neu sanierten und bestens ausgestatteten Grundschule eigentlich ideale Voraussetzungen für Familien", beschreibt Andreas Heigenhauser die Stärken des Bergdorfes, er ist Zweiter Bürgermeister und zugleich Vorsitzender des örtlichen Wirtschaftsvereins. Den Tourismus so zu stärken, dass die Übernachtungsbetriebe eine Perspektive erhielten, damit sie von den jüngeren weitergeführt werden können, darin sieht der Erste Bürgermeister, Josef Heigenhauser, eine mögliche Antwort auf den sukzessiven Bevölkerungsschwund.

Um aber auch faktische Anreize setzen zu können, beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung also ein "Familienansiedlungsmodell", damit gerade für junge Familien Baugrund erschwinglich wird. Je nach Wohnlage wird derzeit im freien Markt der Quadratmeter Baugrund in und um Reit im Winkl auf bis zu 370 Euro taxiert, als untere Grenze nennt der Bodenrichtwert derzeit etwa 220 Euro. Deutlich günstiger wird dieser Baugrund allerdings nach den Bestimmungen des Familienansiedlungsmodells: "Die Gemeinde hofft, den Interessenten erschlossenen Baugrund für etwa 100 Euro je Quadratmeter anbieten zu können", wie Josef Heigenhauser den Kern die Überarbeitung des früheren "Einheimischenmodells" beschreibt.

Um in den Genuss dieses Baugrundes zu kommen, wurde im Rahmen dieses Modells ein umfangreicher Punktekatalog ausgearbeitet, der "Soziale Kriterien" (Anzahl der Kinder, Einkommen, ehrenamtliches Engagement etwa) in Punkte umrechnet, der aber auch "Grundsätzliche Erwerbsvoraussetzungen" regelt (Dauer der Wohnzeit am Ort, vorhandenes Vermögen beispielsweise).

Einen großen Vorteil sieht der Bürgermeister ferner in der Öffnung auch für solche Familien, die von außerhalb in den Bergort ziehen wollen: So könne man sich für einen Bauplatz auch bewerben, wenn der Interessent mindestens drei Jahre am Ort seinen Arbeitsplatz hat. Nun also liegen mit der Verabschiedung dieses neuen "Familienansiedlungsmodell" auch die rechtlichen Grundlagen vor, damit junge Familien zu eigenem Wohnraum kommen.

ost/Chiemgau-Zeitung

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