"Dort hätte man mich nie finden können"

In Grassau untergetaucht: Asyl für Deserteur der US-Army?

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US-Deserteur André Shepherd.

Grassau/München - Es ist der erste Asylantrag eines Deserteurs der US-Army in Deutschland: André Shepherd flüchtete nach Grassau - wie wird das Verwaltungsgericht entscheiden?

Schon einmal musste André Shepherd für die USA in den Irak-Krieg ziehen, ein zweites Mal wollte er nicht. Im Frühjahr 2007 flüchtete er deshalb kurzerhand aus seiner Kaserne bei Ansbach - und versteckte sich in Rottau bei Grassau. Erst im November 2008 stellte er seinen offiziellen Asylantrag. Nach langem juristischen Hin und Her entscheidet das Verwaltungsgericht in München nun erneut über den Asylantrag des 39-jährigen US-Deserteurs. 

In einer Priener Kneipe lernte man sich kennen

Während seiner langjährigen Stationierung in Deutschland lernte Shepherd viele Freunde kennen - unter anderem in Grassau. Kennengelernt hat man sich im "Piraten-Pub" in Prien, sein Freund aus Grassau ist auf Shepherds Flucht also die erste Adresse. 19 Monate lang tauchte der Wartungstechniker für Kampfhubschrauber im Chiemgau unter: "Dort hätte man mich nie finden können", so Shepherd gegenüber dem "Tagesspiegel".

Er putzte, half im Haushalt und im Garten, arbeitete bei einem Bäcker. Heute arbeitet der ehemalige Soldat in Deutschland als Informatiker für einen Internetdienstleister. Er hat einen Vertrag und bekommt Gehalt wie jeder andere auch. Geht es nach André Shepherd würde er am liebsten langfristig in Rottau bleiben. Das Urteil des Verwaltungsgerichts in München wird darauf einigen Einfluss haben.

Juristisches Hin und Her seit vielen Jahren

Im Jahr 2011 wurde sein Asylantrag zum ersten Mal abgelehnt. Shepherd klagte dagegen, sein Fall landete vor dem Europäischen Gerichtshof. Am 25. Februar 2015 entschied der EuGH schließlich, dass ein Deserteur aus einem Drittland nur dann Asyl bekommen könne, wenn die Wahrscheinlichkeit künftiger Kriegsverbrechen hoch ist

Auch wenn er nur Mechaniker ist: Shepherd argumentierte von Anfang an, dass er einen erneuten Einsatz im Irak nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne. Der Europäische Gerichtshof entschied auch, dass ein Soldat auch dann Flüchtlingsschutz in Anspruch nehmen könne, wenn er nur indirekt an Kampfhandlungen beteiligt ist. 

In den USA droht Shepherd Haft

Jetzt ist wieder das Münchner Verwaltungsgericht am Zug. Im Kern geht es um die Frage, ob der US-Einsatz im Irak rechtswidrig war und ob sich Soldaten wie André Shepherd völkerrechtswidrigen Einsätzen entziehen können. Wann das Urteil in München fällt, ist noch offen - doch es ist ein Präzendenzfall: Zum ersten Mal sucht ein US-Soldat in Deutschland Schutz vor politischer Verfolgung in seiner Heimat. In den USA drohen ihm wegen der Fahnenflucht nach Aussagen seines Anwalts bis zu 18 Monaten Haft

xe

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