Minister eröffnet die neue Urlaubs-Saison

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Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (rechts) ließ sich gemeinsam mit Landtagsabgeordnetem Klaus Steiner (vorne links) auf dem Großrachlhof in Grassau die frische Erdbeermilch schmecken. Gastgeber war die Familie Sichler (Mitte, hinten).

Grassau - Urlaub auf bayerischen Bauernhöfen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Wachstumsmarkt entwickelt.

Wie der Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner am Donnerstag in Grassau auf dem Großrachlhof beim offiziellen Start in die Urlaubssaison 2012 mitteilte, ist die Zahl der Übernachtungen in den zurückliegenden zehn Jahren um mehr als 20 Prozent auf 12,3 Millionen gestiegen.

Davon profitieren nicht allein die Bäuerinnen und Bauern, für die "Urlaub auf dem Bauernhof" eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle geworden ist, sagte der Landwirtschaftsminister bei seinem Besuch auf dem Grassauer Großrachlhof anlässlich der bayernweiten Saisoneröffnung. Agrotourismus ist dem Minister zufolge inzwischen auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Bayern: Rund 37 Euro pro Kopf und Tag gibt laut einer Studie jeder Urlauber am Hof oder in der näheren Umgebung aus. Hochgerechnet waren das allein im vergangenen Jahr knapp 460 Millionen Euro.

Um bislang weniger interessierte Zielgruppen wie Singles, gestresste Manager oder junge Paare für Bauernhofurlaub zu begeistern, hat Brunner jetzt eine Imagekampagne mit pfiffigen Slogans wie "Gugln auf Bayerisch" und Radiospots gestartet. Sie sollen dazu beitragen, mehr Urlauber außerhalb der Ferienzeiten und für Kurztrips auf die Höfe zu locken.

Passend zum "Gugln" verwöhnte die Familie Sichler den Minister sowie Landtagsabgeordneten Klaus Steiner mit süßem Guglhupf, heißem Kaffee und frischer Erdbeermilch. Josef Sichler stellte den Besuchern seinen Hof vor, der erstmals im Jahre 1114 erwähnt und seit 1429 in Familienbesitz ist. 65 Hektar Land, darunter acht Hektar Wald und 16 Hektar Almweide gilt es zu bewirtschaften. Zwischen 90 und 100 Kühe müssen versorgt werden. Sichler berichtete, welche Kraft es kostete, 1985 auszusiedeln, aber ohne dieses Wagnis hätte es für den landwirtschaftlichen Betrieb kein Überleben gegeben. Nach und nach seien die Ferienwohnungen ausgebaut und so zusätzliches Einkommen generiert worden. Denn nur von der Landwirtschaft zu leben, sei kaum möglich, betonte Sichler. "Wir verstehen uns als Mittler zwischen Landwirtschaft, Landschaft und Gesellschaft", erklärte er.

Minister Brunner lobte den Hof als traditionell beispielhaften Betrieb, wo voller Überzeugung und Leidenschaft Urlaub auf dem Bauernhof gelebt werde. Auch die Gäste, so Brunner, spüren, ob mit Herzblut oder nur mit Gewinnstreben dieser Urlaub angeboten werde. Der Trend zum Urlaub auf dem Bauernhof sei ungebrochen und legte in den vergangenen Jahren von 7,1 Millionen auf 12,3 Millionen Übernachtungen zu. Rund 5500 Betriebe bieten Urlaub auf dem Bauernhof an und haben sich, laut Brunner, damit ein zweites Standbein erschlossen. Brunner wusste aus eigener Erfahrung als ehemaliger Landwirt, wie wichtig das Gespräch mit den Gästen ist. Brunner zur Gastfamilie: "Ihr seid die Botschaften des bayerischen Denkens und Tuns".

Brunner mahnte aber auch an, stets auf das Dienstleistungsangebot zu achten, um den Erwartungen der Gäste zu genügen. Konkurrenz im Agrotourismus gebe es nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in Italien, Österreich und Frankreich. Folglich müsse das Angebot weiterentwickelt und professionalisiert, Trends erkannt und genutzt werden. Gäste suchen nach Erlebnissen, die Gefühle ansprechen, wie die Geburt eines Kalbes, Hilfe im Stall wie auch eine Nacht im Heu. Laut Brunner gilt es die Hauptsaison zu verlängern und neue Urlauberschichten zu erschließen. Dies solle mit der neuen Imagekampagne, die sich auch an Singles ohne Kinder und an die Senioren richtet, gelingen.

Gerda Walser, Vorsitzende des Landesverbands "Urlaub auf dem Bauernhof", fügte an, dass sich die Gäste in den vergangenen 20 Jahren änderten. Galt damals der Urlaub auf dem Bauernhof als preisgünstige Möglichkeit, die Ferien zu verbringen, so stehen heute andere Erwartungen im Mittelpunkt. Ferienwohnungen mit bis zu fünf Sternen werden geboten, zudem eine unglaubliche Angebotsvielfalt. Es werde echte, ursprüngliche Lebensform vermittelt. Die Aufgabe des Landesverbandes sei es, dieses Angebot professionell zu vermarkten und damit neue Zielgruppen, Paare ohne Kinder, Senioren oder den gestressten Manager zu erschließen. Sie betonte, dass mittlerweile 80 Prozent der Anbieter bereits klassifiziert seien und im Landkreis Traunstein sogar zu 100 Prozent. Schließlich wünschte sie "in allen Betten, nette, liebenswerte Gäste, die die Arbeit schätzen und dies daheim weitererzählen und begeistert wiederkommen".

tb/ul (Chiemgau-Zeitung)

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