Nach Bekanntwerden der Untreue-Vorwürfe gegen drei ehemalige Mitarbeiter der Katek-Gruppe in der vergangenen Woche kehrt in das Grassauer Unternehmen langsam wieder Ruhe ein. Norbert Schindler, Finanz-Chef und Mitglied der Geschäftsführung der Kathrein-Gruppe, erklärte gestern auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass die Katek-Mitarbeiter „langsam wieder Vertrauen fassen in die neue Geschäftsleitung“ und an der Realisierung des Sanierungsplans für das Unternehmen mitarbeiten. Der Plan ist ehrgeizig: Bis 2013 soll die Katek-Gruppe den sogenannten Turnaround, also die Rückkehr in die schwarzen Zahlen, schaffen.
Neben der Arbeit an einer positiven Zukunft des Unternehmens Katek, das insgesamt 600 Mitarbeiter beschäftigt, arbeitet die Firmenleitung gemeinsam mit der Münchener Staatsanwaltschaft auch weiterhin an der Aufarbeitung der Vergangenheit. Und da werden immer neue Details bekannt.
Laut Schindler habe das „System“ des Ehepaars, bei dem er die Freundin eher als Zuarbeiterin sieht, mindestens fünf Jahre gedauert. „Die beiden waren 20 Jahre im Unternehmen, haben ein regelrechtes Regime eingerichtet.“ Dazu gehörten sowohl unabgesprochene Kündigungen als auch Drohungen gegen Mitarbeiter.
Dass das Mutterunternehmen, also die Kathrein-Werke, durch mangelnde Kontrolle ihrer Tochter die mutmaßlichen Straftaten unter Umständen begünstigt haben könnte, weist die Firmenleitung entschieden von sich: Es gebe klare Regelungen. Dass das Zocken mit Finanzinstrumenten und die Manipulation von Bilanzen nicht zulässig und deshalb in den Regelungen auch nicht explizit genannt sei, verstehe sich von selbst. Grundsätzlich setzt Anton Kathrein laut Finanzchef Schindler „ganz stark auf das Unternehmertum vor Ort. Die Kathrein-Gruppe ist mit diesem Prinzip groß geworden.“ Dehalb habe auch die Betriebsleitung in Grassau über weitgehenden Handlungsspielraum verfügt.
Die Frage, wie groß der Schaden für das Grassauer Unternehmen nun genau ist, kann auf Euro und Cent noch nicht beziffert werden. Neben den 15 Millionen Euro Schaden, den allein die Staatsanwaltschaft den drei Verhafteten zur Last legt, hat das Unternehmen auch die Kosten für zahlreiche Sonderprüfungen zu zahlen. OVB-Informationen zufolge gibt es außerdem noch die Verluste, die über Jahre eingefahren wurden und die wohl der eigentliche Grund für die Finanz-Zockereien und damit die Bilanz-Manipulationen waren: 60 Millionen Euro schlugen demnach allein im Jahr 2011 zu Buche.
Grundsätzlich, so Schindler, bekomme Unternehmer Anton Kathrein für sein Engagement zur Rettung der Katek derzeit viel positives Feedback und zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Zudem würden ihm laufend weitere belastende Hinweise gegen die Verhafteten zugetragen. „Klar“, findet Schindler, „hinterher haben‘s alle gewusst.“
Hohe Strafen für Untreue-Delikte
Die drei ehemaligen Führungskräfte der Katek-Gruppe, deren Tochterfirma die ESC GmbH ist, sitzen laut Auskunft des Münchener Oberstaatsanwalts Ken Heidenreich nach wie vor in Untersuchungshaft. Der Strafrahmen für ein Untreue-Delikt liegt laut Heidenreich zwischen einer Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Die Ermittlungen würden andauern.
Stefanie Zipfer (Oberbayerisches Volksblatt)
















