Bund Naturschutz feiert erfolgreichen Kampf 

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Professor Dr. Giselher Kaule ist mit der Entwicklung der Kendlmühlfilze zufrieden. Seinen Angaben zufolge bilden sich Teile zum Hochmoor zurück.

Grassau - Seit 20 Jahren gibt es nun das Naturschutzgebiet Kendlmühlfilze. Über viele Jahre hinweg war dort Torf gestochen worden - was schweren Schaden mit sich brachte:

Im Museum Torfbahnhof in Rottau hieß sie viele Naturschützer, Vertreter von Regierung und Politik willkommen. Im Fokus des Abends stand die Bestandsaufnahme von Professor Dr. Giselher Kaule, der sich äußerst zufrieden mit der Entwicklung des Hochmoors zeigte. Der Hintergrund: Über viele Jahre hinweg war in der Kendlmühlfilze Torf gestochen worden - was schweren Schaden nach sich gebracht habe.

 Beate Rutkowski, die Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, erinnerte daran, dass der Staat die Kendlmühlfilze am 1. Juli 1992 unter Naturschutz gestellt habe. Dafür habe man 20 Jahre lang hart gekämpft. Dokumentiert werde dieser Kampf, den auch die Bürgerinitiative "Rettet die Kendlmühlfilze" maßgeblich mitgestaltet habe, in der Ausstellung, die noch heute, Samstag, und morgen, Sonntag, jeweils von 10 bis 16 Uhr, zu sehen ist.

Bürgermeister lobt Aktivisten

Bürgermeister Rudi Jantke betonte, dass die Unterschutzstellung Grund zur Freude gegeben habe. Mit dem beherzten Eintreten und dem unbeugsamen Willen von Bund Naturschutz und der Bürgerinitiative sei es möglich gewesen, den Raubbau einem Unternehmer zu entziehen und der Natur die Möglichkeit zur Heilung zu geben. Er lobte diese Aktivisten, die sich in einer Zeit, in der das Bewusstsein für den Schutz der Natur noch nicht so groß gewesen sei, für den Erhalt dieses "Naturparadieses" eingesetzt hätten.

Jantke verwies auch auf das Buch "Die Kendlmühlfilzen im Chiemgau. Ein Hochmoor. Gebraucht. Geschunden. Geschützt", das Claus-Dieter Hotz pünktlich zum 20-jährigen Bestehen des Naturschutzgebietes veröffentlicht hat. Er, Jantke, habe einen persönlichen Bezug zur "Filzn", sei er doch in unmittelbarer Umgebung aufgewachsen. Er sei einer der im Buch beschriebenen "Filzler". Er hatte überhaupt seine Existenz dem Torfbahnhof zu verdanken, wie er erzählte, da sich seine Eltern dort kennen und lieben gelernt hatten. Wenn er, so Jantke, durch die "Filzn" wandere, atme er den Geruch seiner Kindheit ein. Sie bedeute Heimat, die erhalten werden müsse, für die Kinder und Kindeskinder. Dafür seien seinerzeit mutige Menschen vonnöten gewesen.

Ebenfalls mit der Kendlmühlfilze vertraut zeigte sich der ehemalige Landtagsabgeordnete Gustav Starzmann. Er erinnerte an Professor Dr. Schuch, der sich einst für die Trockenlegung und Umwandlung zum Kartoffelland ausgesprochen und sich dann später für den Schutz des Moores eingesetzt habe. Als Abgeordneter habe er von der Filzn viel gelernt: zum einen, dass sich eine gute Sache niemals schnell durchsetzen lasse, dass man aber nicht aufgeben dürfe, zum anderen, dass sich politische Auffassungen ändern können.

Professor Dr. Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund Naturschutz Bayern, hob die Verdienste der Kreisgruppe hervor und erklärte, wie hart der Widerstand gegen die Unterschutzstellung gewesen sei. Nicht nur Privatinteressen hätten in den Griff bekommen werden müssen, auch das Gewinninteresse des Staates hätte reduziert werden müssen. "Wo das Land selbst als Unternehmer auftritt, ist es schwer, etwas zu bewegen", so Professor Weiger. Wichtig gewesen sei deshalb das Wirken der Kreisgruppe und der Bürgerinitiative, die sich 1976 gegründet habe.

"Wir haben noch die Kurve gekratzt"

Aber allein ein Schutzgebiet zu erlangen, sei nicht ausreichend gewesen, so Weiger weiter. Notwendig sei es auch gewesen, sich um die Revitalisierung des Moores zu kümmern. Die Kreisgruppe habe in Zusammenarbeit mit jungen Menschen viele Entwässerungsgräben geschlossen. Der Professor betonte, dass die Wiederherstellung der Landschaft eine Daueraufgabe sei. "Die Kendlmühlfilze steht für einen neuen Naturschutz", so der Landesvorsitzende.

Grund zum Feiern habe die Kendlmühlfilze, erklärte Professor Dr. Giselher Kaule, denn die Kendlmühlfilze sei auf einem guten Weg. Der "Schwingrasen" sei erstaunlich stabil. 24 der 25 Hochmoorflächen hätten sich komplett mit Hochmoorweide zurückentwickelt. Er habe nicht damit gerechnet, dass so schnell eine Änderung sichtbar werde und sich der Nährstoffhaushalt ändere. Teile der Filze hätten sich sogar in Richtung Hochmoor entwickelt.

Die Pflegemaßnahmen seien sehr wichtig gewesen, betonte Kaule. Auch in das bewaldete Hochmoor seien Moose wieder eingewandert. Seine Schlussfolgerung: Viele Teile der Kendlmühlfilze seien in gutem bis sehr gutem Zustand. Es bestehe ein hohes Maß an Strukturvielfalt, was die Voraussetzung für die Entwicklung sei. "Wir haben gerade noch die Kurve gekratzt", so der Professor zusammenfassend. Die Unterschutzstellung sei gerade zu einem Zeitpunkt gekommen, zu dem die Bedingungen für eine Renaturierung noch vorhanden gewesen seien. Anschließend stärkten sich die Gäste am Buffet, bevor der Bund Naturschutz die Ausstellung "20 Jahre Naturschutzgebiet Kendlmühlfilze" eröffnete.

tb/Chiemgau-Zeitung

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