Landtagsabgeordnete sprach bei der SPD in Grassau

"Belastungen müssen gerecht verteilt werden"

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Diese ehemaligen Dienstwohnungen in Rottau der JVA Bernau sind als Asylbewerberunterkunft im Gespräch.

Grassau - Ob die Energiewende auf regionaler Ebene oder die Unterbringung von Asylbewerbern: Die SPD möchte die Belastungen innerhalb des Landes ausgewogen verteilt wissen.

Eine ausgleichende und gerechte Politik versucht, die Belastungen innerhalb des Landes ausgewogen zu verteilen. Diese Zielsetzung gelte sowohl bei den Maßnahmen zur Energiewende in Deutschland als auch bei den Bemühungen um die Unterbringung von Asylbewerbern in Oberbayern, also bei völlig unterschiedlichen Themen, betonte SPD-Landtagsabgeordnete Maria Noichl bei einer Informationsveranstaltung des SPD-Ortsvereins im Gasthof "zur Post" in Grassau.

Energiewende auf regionaler Ebene

Plane man wirklich die Energiewende, so sei es notwendig, mit einer Vielzahl von Maßnahmen Energie einzusparen und sie regional aus Sonne, Wind und nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen. Hierbei müssten die Ressourcen genutzt werden - zum Beispiel die Wasserkraft mit Hilfe von landschaftsverträglichen Fließwasserkraftwerken. Aber auch die Nutzung von Windkraft südlich der Autobahn dürfe kein Tabuthema bleiben, so die Referentin. Man könne nicht solche Anlagen nur nach Nordbayern und an die Küste Norddeutschlands verlagern, um hier im Süden Bayerns dann die Energie zu nutzen. Genauso widersprüchlich wäre es auch, mit der Sonnenenergie im Norden Afrikas Strom zu erzeugen und hier zu verbrauchen.

Man müsse auch die Lasten für die Energiegewinnung tragen, wenn man so viel Energie verbrauchen wolle. Grassau sei hierbei mit der Nutzung der eigenen Biomasse aus den heimischen Wäldern zur Fernwärmeerzeugung auf dem richtigen Weg, betonte Noichl.

Es müssten aber noch viele Anstrengungen unternommen werden, um eine wirkliche Energieautarkie für die Marktgemeinde Grassau und das ganze Achental zu erreichen, ergänzte Bürgermeister Rudi Jantke. Das Ökomodell Achental habe eine Studie zur Nutzung der Wasserkraft der Tiroler Ache mit Hilfe von Fließwasserkraftwerken in Auftrag gegeben. Erst nach Vorliegen der Studie werde man dann die nächsten Schritte zur ökonomisch und ökologisch sinnvollen Nutzung der Wasserkraft angehen.

Jantke: Gefahr einer Ghettoisierung

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Von Jantke wurde auch das Thema einer möglichen Nutzung der ehemaligen Dienstwohngebäude der Justizvollzugsanstalt Bernau an der Hackenstraße in Rottau als Asylbewerberunterkunft angesprochen. So sorge in Rottau seit einiger Zeit das Gerücht für Aufregung, dass in den beiden Gebäuden, die bis auf eine Wohnung seit Langem leer stehen, eine Unterkunft für Asylbewerber entstehen solle. Seit 1986 bestehe bereits in Grassau eine Unterkunft für Asylbewerber mit 90 Plätzen. Sie werde seit nunmehr über 25 Jahren ohne größere Probleme betrieben.

In der Marktgemeinde herrsche insgesamt eine weltoffene und tolerante Grundeinstellung vor, die durch ein weiteres Asylbewerberheim und dessen Auswirkungen nicht gefährdet werden dürfe. Die von den Bürgern gezeigte bisherige Toleranz schließe nicht aus, dass berechtigte Bedenken und Ängste geäußert werden, die im Interesse eines gedeihlichen Zusammenlebens ernst genommen werden müssten, so Jantke.

Die beiden Anwesen an der Hackenstraße liegen im absoluten Außenbereich, einen Kilometer vom Hauptort Rottau entfernt. Ein Gehweg ist nicht vorhanden. Die Strecke führt ungeschützt über freies Gelände. Angesichts dieser isolierten Lage ohne Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und ohne jede Infrastruktur wäre zwangsläufig die Gefahr einer Ghettoisierung zu befürchten, so Jantke. In Rottau gebe es zudem keinen Arzt oder gar eine Apotheke. Man könne nur hoffen, dass sich die zuständige Regierung entsprechend dem Beschluss des Marktgemeinderats nicht für diese zusätzliche Belastung der Gemeinde und insbesondere des Ortsteils Rottau aussprechen wird.

Landtagsabgeordnete Maria Noichl sagte ihre Unterstützung zu. Denn auch hier sollten die Belastungen von Orten und Regionen gerecht verteilt werden.

ogr/Chiemgau-Zeitung

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