Vier Kraftwerke möglich

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Staudach-Egerndach - Wenn alle an einem Strang ziehen, kann das Achental einen bedeutenden Beitrag zur Energiewende leisten: Vier Kraftwerke können in der Tiroler Ache gebaut werden.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachter, der im Auftrag des Ökomodells Achental die Möglichkeiten auslotet. Von einem ersten Entwurf sprach Geschäftsführer Wolfgang Wimmer in der Jahreshauptversammlung im Gasthaus "Ott" in Staudach-Egerndach.

Als eine der wichtigsten Aufgaben des Ökomodells beschrieb der Vorsitzende, Schlechings Bürgermeister Josef Loferer, das Programm "Integrierte ländliche Entwicklung" mit dem Schwerpunkt, bis 2020 unabhänigig von der Energieeinfuhr, also energieautark, zu werden. "Dieses Ziel ist ohne massiven Eingriff in unser Leben nicht zu erreichen", sagte Loferer. Man müsse sich an Windräder im nördlichen Landkreis gewöhnen. Und Achentaler Energie müsse künftig auch aus Wasserkraft kommen.

Im Tourismus sei einiges in Bewegung. Die Bürgermeister und Leiter der Tourist-Information arbeiten laut Loferer an einer Neuauflage der Achental-Card und der Ausweitung der Achental-Buslinie bis Kössen und Traunstein.

Im europäischen Förderprogramm "Alpstar" sei das Achental die einzige deutsche Pilotregion. Grenzübergreifend angestrebt werde bis 2050 der klimaneutrale Alpenraum. Zu den Projekten im Bereich "Regionalmanagement" gehören laut dem Vorsitzenden des Ökomodells neben Alpstar die Förderung CO2-neutraler Mobilität, die Erstellung einer Energieroute und eines Waldenergielehrpfades, die Überarbeitung der Ökomodell-Richtlinien, ein regionales Rezeptbuch und ein Ökomodell-Lesekreis. Loferer verwies zudem auf die Alpstar-Alpenkonferenz vom 24. bis 27. April im Achental. Auch müsse das Themenjahr 2013 definiert und die Abschlusssequenz Alpstar-Projekt vorbereitet werden.

Ein wichtiges Thema im Bereich "Gebietsbetreuung" liegt in der Umweltbildung. Unter dem Motto "Abenteuer Natur" hält das Ökomodell unterrichtsbegleitende Angebote und Naturerlebnisse für Kindergärten, Schulen und Familien unter der Betreuung von Stefan Kattari bereit.

Stolz zeigte sich Loferer über den Preis "Kommunaler Klimaschutz 2012" und den "Energy Award", den Wolfgang Wimmer im Herbst entgegennahm. Gleichwohl bedeute es auch große Anerkennung, dass das Achental erneut "Bioenergie-Region" ist und Projekte bis 2015 weiterhin von der EU gefördert werden.

Ganz aktuell informierte Geschäftsführer Wimmer über den Stand "Fließwasserkraftwerke in der Tiroler Ache". Der erste Entwurf liege vor. Wichtig sei, den Charakter der Ache beizubehalten und die standort-spezifischen Rahmenbedingungen wie die Hochwassersituation zu berücksichtigen. Hierzu zähle auch die Schaffung von ausgeprägten Korridoren für ökologische Durchgänge. Insgesamt könnten vier Kraftwerke, die rund 1500 Haushalte versorgen, eingebaut werden. Man sei sich im Ökomodell einig, dass dieses Projekt sinnvoll sei und als großes Gemeinschaftsprojekt umgesetzt werden solle.

Die Fernwärmeanlage in Grabenstätt - Baubeginn war im September - sei jetzt in Betrieb gegangen, berichtete Wimmer. Geplant sei, im Mai dieses Ereignis mit einem großen Bioenergietag zu feiern.

Laut Wimmer konnten insgesamt elf "Gipfelprojekte" realisiert werden, die alle das Ziel der Energieautarkie und des reduzierten Ressourceneinsatzes verfolgen. Nach einer Studie seien im Achental im vergangenen Jahr 16 Prozent des Strombedarfs und 40 Prozent der Wärmemenge aus erneuerbaren Energien erzeugt worden.

Als "Gewinn für alle Gemeinden" bezeichnete Schatzmeister Hans Haslreiter das seit 13 Jahren bestehende Ökomodell. Die Auszeichnung "Kommunaler Klimaschutz" war seinen Angaben zufolge mit 20.000 Euro dotiert. Im Rahmen der Bioenergie-Region werden für die nächsten drei Jahre laut Haslreiter 400.000 Euro an Fördermitteln bereitgestellt. Einnahmen wie Ausgaben hätten sich die Waage gehalten, die GmbH habe sogar mit einem leichten Plus abschließen können.

In der Diskussion wurde nach weiteren Möglichkeiten alternativer Energie gefragt. Laut Loferer spreche für Windräder südlich der Autobahn derzeit nichts. Zwar sei die Windausbeute vorhanden, dann müsse aber an die Bergkuppen gegangen werden, was dem Landschaftsbild widerspreche. Auch seien Windräder keine Alternative zur Wasserkraft. Mit Fotovoltaikanlagen sei man im Achental gut bedient, zumal in Bayern die Sonnenausbeute höher liege als an der flachen Nordsee.

Wolf Steinert fragte, ob zur Finanzierung der Wasserkraft eine Genossenschaft angedacht sei. Dies sei noch nicht fixiert. Er persönlich, so Loferer, denke, dass mindestens 51 Prozent in öffentlicher Hand liegen müssten, um Spekulationen zu verhindern.

tb/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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