"Im Tourismus ist es eins vor zwölf"

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Touristisches Fachgespräch in touristischer Bilderbuch-Umgebung auf der Waichenmais-Alm oberhalb von Fritz am Sand: MdB Christine Scheel, Bundestagskandidat Dr. Bernhard Zimmer, Alm-Besitzer Sepp Hohlweger, Klaus Wiesner vom "Yachthotel Prien" und Peter Stocker vom "Hotel Wassermann" in Seebruck (von links).

Ruhpolding - Touristische Themen lassen sich am besten in einem touristisch reizvollen Ambiente besprechen.

Das dachten sich wohl die Traunsteiner Grünen und nahmen ihren prominenten Gast, die Wirtschaftsexpertin der grünen Bundestagsfraktion, Christine Scheel, mit auf eine Wanderung auf die Waichenmais-Alm von Kreistags-Fraktionssprecher Sepp Hohlweger oberhalb von Fritz am Sand. Mit dabei zwei Experten aus der Tourismusbranche: Peter Stocker vom "Hotel Wassermann" in Seebruck, Vorsitzender des Kreisverbandes Traunstein des Hotel- und Gaststättenverbandes, und Klaus Wiesner vom "Yachthotel Chiemsee" in Prien.

Die Themen, die die beiden und auch Vermieter Hohlweger an Christine Scheel und auch an den grünen Bundestagskandidaten Dr. Bernhard Zimmer aus Piding herantrugen, sind bekannt. Das ist zum einen der "gravierende Wettbewerbsnachteil" gegenüber den Nachbarländern durch die hohe Mehrwertsteuer. Während Deutschland nach wie vor die 19-prozentige Mehrwertsteuer im Tourismusbereich aufrecht erhalte, betrage sie in österreich zehn Prozent, in Frankreich neuerdings nur noch 5,5 Prozent, in der Schweiz gar nur noch 3,6 Prozent. Dies müsse dringend gelöst werden, betonte Wiesner. Aufgrund der problematischen Situation bekämen Beherbergungsbetriebe nur noch schwierig Kredite von den Banken. Sie könnten ihre Mitarbeiter aufgrund der österreichischen Konkurrenz nur noch schlechter bezahlen und nur noch schwer halten, ergänzte Stocker.

MdB Scheel sagte dazu, die Problematik sei im Parlament noch nicht vertiefend diskutiert worden. Vielmehr habe das Finanzministerium dieses Thema immer so dargestellt, als ob es dabei nur "wieder mal um eine Lobby-Forderung" handle - "nicht um ein gesamtgesellschaftliches und volkswirtschaftliches Thema". Die Grünen würden alles tun, diese Thematik nach der Wahl sofort auf die Tagesordnungen der Ausschüsse setzen zu lassen.

Gleiches sagte Scheel auch zu für eine Änderung der Unternehmenssteuerreform. Wiesner hatte zuvor angeführt, dass die Inhalte dieser neuen Steuerregelungen für die Gastronomie "mindestens genau so kritisch" zu sehen seien wie die Mehrwertsteuer-Problematik. Pachten, Finanzierungs- und Leasingkosten würden dabei, so Wiesner, zum Gewinn dazu gerechnet. Dadurch ergebe sich die Situation, dass "wir Steuern zahlen müssen aus Minus-Ergebnissen, und damit sollen wir dann noch investieren oder Mitarbeiter ausbilden".

Wiesner und Stocker betonten schließlich noch die Bedeutung der Gastronomie für die Arbeitsplatz-Situation: "Der Tourismus ist eine Schlüssel-Industrie mit 1,1 Millionen Mitarbeitern, 330000 allein in Bayern." Der Tourismus, so beklagte Stocker, finde weder bei der Politik noch in der Bevölkerung die rechte Anerkennung. Dr. Zimmer ergänzte: Gerade die kleinstrukturierten Betriebe in der Region, im Tourismus ebenso wie in der Landwirtschaft, würden derzeit von Politik förmlich "an die Wand gefahren".

Im Schlusswort sagte Wiesner: "Die deutsche Tourismusbranche geht kaputt, wenn nicht bald etwas passiert und wenn nicht nach der Wahl die Wettbewerbsnachteile beseitigt werden. Es ist eine Minute vor zwölf."

edh/Chiemgau-Zeitung

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