Familie in Not: Hurra, endlich ein Zuhause!

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Froh über die neue Unterkunft in Grassau: Jacqueline (8), Vater Johann (44), Robin (10), Dominik (17), Dustin (6) und Marco (14, von links). Foto Thun

Grassau - Die Welt ist nicht kalt und egoistisch. Das beweist dieser Fall aus Grassau. Dank einer Welle der Hilfsbereitschaft hat diese Familie jetzt ein ordentliches Dach über dem Kopf.

Lesen Sie hier den Bericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Welle der Hilfsbereitschaft

Es ist geschafft: Die sechsköpfige Familie Hammerschmidt mit dem alleinerziehenden Vater Hans ist von ihrer 40 Quadratmeter kleinen Wohnung in ein 125 Quadratmeter großes Haus mit Garten umgezogen. Unser Bericht "Dennoch Schulbester" vom 20. August hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst.

Grassau - Hatten mögliche Vermieter zunächst abgewunken, als der in Staudach-Egerndach wohnende Hans Hammerschmidt erzählte, er suche ohne Ehefrau für sich und seine fünf Kinder eine Unterkunft (wir berichteten), hat sich dies nach dem OVB-Artikel schlagartig geändert. "Ich konnte mich vor Angeboten kaum retten", berichtet der Familienvater.

Viele wollten dazu beitragen, dass die fünf Kinder zwischen sechs und 17 Jahren mit ihrem geschiedenen Vater so schnell wie möglich die zwei Zimmer verlassen können. Vermieter meldeten sich aus dem gesamten Verbreitungsgebiet unserer Zeitung (und darüber hinaus): von Bad Aibling über Rosenheim, Kiefersfelden und Prien bis nach Trostberg und Traunreut. Nur nicht, wie erhofft, aus dem Raum Achental. Außer Dominik (17), der nach dem besten Hauptschulabschluss mit mittlerer Reife in Grassau nun die Fachoberschule (FOS) in Traunstein besucht, gehen alle Geschwister in Grassau zur Schule. Außer Marco (14) bekommen sie im benachbarten Marquartstein in der Heimvolksschule Niedernfels ihre Mittagessen und werden bei den Schularbeiten betreut.

Der Zufall wollte es, dass der für einen Chieminger Betrieb zurzeit in Grassau arbeitende 44-Jährige über eine Zeitungsanzeige eine Doppelhaushälfte ausgerechnet in Grassau fand. 30 bis 40 Interessenten zählte Vermieterin Eva Mühlbacher dem OVB, vier seien in die engere Wahl gekommen - nicht zuletzt der Zeitungsbericht sei die "ausschlaggebende Referenz" zugunsten der Hammerschmidts gewesen. Der vormalige Staudacher Vermieter habe sich "sehr fair" verhalten und keine Kündigungsfrist geltend gemacht, so dass das Sextett ohne Hindernisse die Wohnung - nach Weißeln und Putzen - von einem Tag auf den anderen verlassen konnte.

Anfang Oktober zogen die Hammerschmidts in das 1962 gebaute Haus mit zwei großen Schlafzimmern, einem sonnigen Wohnzimmer und einer riesigen Küche. Noch fehlt so mancher Schrank, aber immerhin: Die Kinder können sich bei Bedarf zurückziehen

Damit nicht genug: Anonyme Spender haben vor allem Dominik, aber auch den Geschwistern, Geldspenden von mehreren 100 Euro zukommen lassen, die nun auf angelegten eigenen Konten Zinsen bringen. Johann Hammerschmidt nutzt das Gespräch mit der Zeitung, um den unbekannten Gönnern zu danken. Vor wenigen Tagen ist darüber hinaus bei Jutta Weber, der früheren Lehrerin von Dominik, die zusammen mit ihrem Kollegen Philipp Bernhofer im OVB die erste Wohnungsanzeige geschaltet hatte, ein Laptop für den FOS-Schüler abgegeben worden - ebenfalls mit der Maßgabe, anonym bleiben zu wollen.

Der Bericht vom August hat sogar zu einer Art "Familienzusammenführung" beigetragen. Erstmals nach sieben Jahren meldete sich die in Bernau wohnende, 85-jährige Halbschwester Käthe (ein Kind aus der ersten Ehe des Vaters) bei ihrem Halbbruder, der nach seinen Worten die vergangenen Jahre vollauf mit seiner Scheidung zu kämpfen hatte und nicht an Verwandtschaft dachte. Käthes Tochter Gisela aus dem Grassauer Ortsteil Rottau bringt inzwischen zwei, dreimal in der Woche warmes Essen. Nur eins ist für den Familienvater auch im neuen Zuhause unverändert geblieben: Weil in erster Linie die Kinder zählen, richtet Hans, wie gewohnt, sein Nachtlager im Wohnzimmer auf der Schlafcouch auf.

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