Als der erste Zug kam...

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Priener Bahnhof mit dem Personal im Jahr 1902. In der Mitte steht der Bahnhofsvorsteher mit Ordenskreuz, daneben drei Zugbegleiter mit "Fangschnüren" der Galauniform. Das Bahnhofsgebäude ist noch unverputzt (offene Ziegelbauweise), die Bahnsteige waren noch nicht überdacht.

Prien - Heute auf den Tag genau vor 150 Jahren wurde die Bahnstrecke Rosenheim-Traunstein eröffnet. Zwei Züge hielten von da an täglich in Prien. Die Bahn bescherte dem Ort einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.

Der Marktflecken Prien lag über viele Jahrhunderte abseits der wichtigen Verkehrsstrecken. Die Hauptstraße von München nach Salzburg führte nördlich am Chiemsee vorbei.

Die Poststation für Prien war der Weiler Weisham bei Eggstätt (zwei Wegstunden entfernt).

Prien als Gerichts- und Pfarrsitz hatte 1801 im Ortskern nur 33 Häuser mit rund 210 Einwohnern, war also eine relative unbedeutende, kleine Siedlung.

Im Jahr 1850 wurde durch König Max II. die Bahnstrecke München-Salzburg genehmigt. Die Bautrassierung lief bereits ab 1849. Die eigentlichen Arbeiten begannen 1856/57, wobei die Errichtung der Eisenbahnbrücke über die Prien bei Westernach, mit einer Änderung des Flusslaufes, eine besondere Herausforderung darstellte.

Die Kosten für den Bahnhof Prien betrugen über 13.000 Gulden.

Am 7. Mai 1860 erfolgte die Eröffnung der Teilstrecke Rosenheim-Traunstein. Täglich gingen zwei Züge von Rosenheim nach Traunstein und zurück. Die Fahrzeit von Prien nach Traunstein betrug rund 60 Minuten. Prien verlor seine isolierte Randlage abseits der wichtigen Verkehrswege. Gleichzeitig entstand im Priener Bahnhof eine eigene Postexpedition.

Am 12. August 1860 war dann die offizielle Eröffnung der damals "Maximiliansbahn" genannten Strecke von München nach Salzburg. Nach einem Gottesdienst am Münchner Hauptbahnhof fuhr König Max II. nach Salzburg (Halt in Prien um 10 Uhr, Ankunft in Salzburg um 12 Uhr).

Gemeinsam mit Kaiser Franz Joseph verlegte Max II. nach der Weihe der Bahn durch den Erzbischof von Salzburg den Schlussstein der Strecke. Anschließend reisten die beiden Majestäten nach München zurück, wo weitere Empfänge und die Aufführung einer Festoper folgten.

Zunächst brachte die Eisenbahn keine wesentliche Steigerung des damals beginnenden Fremdenverkehrs, auch da durch den Kauf durch Ludwig II. im Jahr 1873 die Herreninsel für die Öffentlichkeit gesperrt wurde.

Erst die Öffnung des Schlosses nach dem Tod des Märchenkönigs 1886 führte zu einem wesentlichen Anstieg des Tourismus.

Anders als viele alte Wirtschaftszentren, wie zum Beispiel Wasserburg, die nun, ohne wichtigen Verkehrsanschluss, von den Metropolen abgetrennt waren und ihre Bedeutung verloren, konnten Orte wie Prien wirtschaftlich stark profitieren.

1860 entstand die Post, ein Jahr später ein königliches Notariat, 1875 ein neues Rathaus (jetzt Galerie) 1877 wurde ein Schulhaus gebaut (heutige Realschule) und 1878 die Bahnlinie Prien-Aschau. 1897 wurde Prien durch Prinzregent Luitpold zur Marktgemeinde erhoben.

Auch an der Zahl der verkauften Bahnfahrkarten lässt sich das Wachstum ablesen. 1862 wurden in Prien 27.500 verkauft, 1905 schon 73.000.

Um den alten Ortskern entstanden zahlreiche neue Anwesen und städtische Villen. Der Eisenbahnbau und die Eröffnung des Bahnhofes 1860 waren der entscheidende Schritt zur Entwicklung Priens von einem Handwerker- und Bauerndorf hin zu einem wirtschaftlichen, kulturellen und touristischen Zentrum des Chiemgaus.

Karl J. Aß (Chiemgau-Zeitung)

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser