Barfuß auf Kies und Kork

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Den ersten Test bestand der Barfußweg unmittelbar nach seiner Fertigstellung, als Bürgermeister Jürgen Seifert, Maria Wieser, Marketingleiterin der Schön-Kliniken, Karin Geiger von der Bürgerrunde, Christian Simon, Vorsitzender des Kur- und Tourismusvereins, Landschaftsarchitektin Anna Wezstein und Matthias Rother von der gleichnamigen Gärtnerei (von rechts) ausprobierten, wie sich die einzelnen Felder anfühlen.

Prien - Wer künftig im Eichental Laute des Wohlgefühls oder kurzzeitiges Wehklagen vernimmt, muss sich keine Gedanken machen, wo die Geräusche herkommen.

Wahrscheinlich geht gerade jemand über den neuen Barfußweg. Er soll Endpunkt eines Kneippwegs werden, der am Festtag zum 50. Jubiläum der Ernennung Priens zum Kneippkurort am 11. September eingeweiht wird.

Gleich neben dem ältesten Kneippbecken der Marktgemeinde, das in den 1960er-Jahren anlässlich der Ernennung Priens geschaffen wurde, baute die ortsansässige Gärtnerei Rother auf einen Grundstück, das dem örtlichen Kur- und Tourismusverein gehört, ein überdimenionales "P" (für Prien). In einer Aluminium-Umrandung finden sich neun Felder, die mit unterschiedlichen Materialien gefüllt sind. Sie können und sollen barfuß erfühlt werden.

Der sandige Einstieg am Fuß des "P" ist angenehm, der Übergang zu feinem und dann zu etwas grobkörnigerem Kies dürfte für die Hornhaut ebenso problemlos zu bewältigen sein wie der folgende Split. Die größte Herausforderung wartet im fünften Feld in der linken oberen Ecke des "P". Über diese Schottersteine, die sonst an Bahnanlagen zu finden sind, wird der ein oder andere wohl laufen wie auf rohen Eiern. Belohnt wird er im nächsten Feld mit Rindenmulch und am Ende sogar mit ausnehmend weichen Kork-Schnipseln.

In nur zwei Tagen haben Mitarbeiter der Gärtnerei Rother - dank günstiger Wetterlage - den Barfußweg angelegt. Die Materialien, mit denen die Felder gefüllt sind, hat Landschaftsarchitektin Anna Wezstein ausgewählt.

Wer den Barfußweg ausprobieren möchte, sollte ein Handtuch mitnehmen. Zwar kann man sich im (kalten) Kneippbecken nebenan die Füße säubern, aber trocken werden sie dabei nicht. Das Becken selbst soll bis zum Jubiläumstag hergerichtet werden. Das Geländer hat schon einen frischen Anstrich bekommen, aber die steinerne Umrandung ist stellenweise arg vermost.

Der Platz für den Barfußweg wurde so gewählt, dass keine Wurzeln der umliegenden Bäume beschädigt wurden, betonte Karin Geiger von der Bürgerrunde, die gemeinsam mit dem örtlichen Kneippverein den Anstoß für Jubiläum und Weg gegeben hatte (wir berichteten). Mitten im Kork-Feld findet sich zwar ein kleiner Wurzelstumpf, aber er stammt von einem längst verschwundenen Baum.

Die Entstehung des Barfußwegs hat Prien zu einem nicht unerheblichen Teil den Schön-Kliniken zu verdanken. Sie haben sich als Hauptsponsor wesentlich an der Finanzierung beteiligt und unterstützen auch den Jubiläumstag. Am 11. September sollen Barfuß- und Kneippweg offiziell eingeweiht werden. Letzterer schafft eine Verbindung vom Prienavera bis in den Naturpark Eichental. Vom Kneippbecken im Erlebnisbad über das Feßler-Wäldchen führt er Richtung Ortsmitte. Dort sind der Kräutergarten vor dem Heimatmuseum und die Kneippanlage im kleinen Kurpark hinter dem Haus des Gastes Bestandteile des Weges. Er endet am Becken und Barfußweg im Eichental. Ob und wie der Weg beschildert wird, ist derzeit noch offen. Allerdings gibt es ein druckfrisches Faltblatt mit Lageplan und Informationen über die fünf Säulen der Kneippschen Lehre.

Diese werden auch den Besuchern des Jubiläumstages von verschiedenen Referenten näher gebracht. Das Programm am Samstag, 11. September, beginnt um 14 Uhr mit einem Festakt im kleinen Kursaal, bevor Barfuß- und Kneippweg offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Abschluss ist ein ökumenischer Gottesdienst um 18 Uhr in der Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt".

Abzuwarten bleibt, inwieweit die Felder des Barfußweges "zweckentfremdet" oder verschmutzt werden. Das Eichental gilt nicht nur als beliebtes Auslaufgebiet für Hunde, sondern vor allem auch im Sommer als Treffpunkt für junge Leute, die am Ufer der Prien feiern wollen. Mitarbeiter der Gärtnerei oder des Bauhofs müssen nicht selten nach Wochenenden Scherben zerbrochener Flaschen aus dem Kneippbecken bergen.

db/Chiemgau-Zeitung

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