Vom Kreistag einstimmig beschlossen

"Danke im Namen der Humanität" - Bernau bekommt Sterbehospiz

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Rosenheim -  Der Landkreis Rosenheim will zusammen mit den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein sowie der Stadt Rosenheim ein stationäres Hospiz errichten und betreiben.

Nach einem Beschluss des Kreistages am Mittwoch ist der Landkreis Rosenheim grundsätzlich bereit, sich an einem gemeinsamen Kommunalunternehmen „Chiemseehospiz“ zu beteiligen. Die neue Einrichtung soll in Bernau verwirklicht werden.

Das einstimmige Votum der Kreisräte kommentierte Landrat Wolfgang Berthaler mit „Danke im Namen der Humanität“. Der Landrat hatte zuvor ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein Hospiz keine Pflichtaufgabe des Landkreises ist. Bereits im Mai hatte er sich für das Projekt ausgesprochen. Wenn aber Menschen keine Angehörigen mehr haben, die pflegen können, dann ist es eine menschliche Aufgabe, hier zu begleiten. Günther Pfaffeneder, der Hauptgeschäftsführer der RoMed-Kliniken sieht im Hospiz eine gute und sinnvolle Ergänzung der Palliativmedizin in den Kliniken. Für die neue Einrichtung hatte sich auch Reinhilde Spies, die Vorsitzende des Jakobus Hospizvereins für Stadt und Landkreis Rosenheim, eingesetzt. Nach der klaren Entscheidung bedankte sie sich beim Rosenheimer Kreistag: "Vor 24 Jahren habe ich den Hospizverein mitgegründet und seitdem ist ein stationäres Hospiz ein großer Wunsch gewesen."

Bisher kein einziges Hospiz im südostbayerischen Raum

Der Kreistag ermächtigte Landrat Berthaler, alles Nötige zur Gründung, Errichtung und den Be-trieb des Chiemseehospizes zu veranlassen mit dem Ziel, das Projekt zu verwirklichen. Vor der Gründung der Betriebsgesellschaft will der Kreistag über den Entwurf der Satzung der Betriebsgesellschaft abstimmen. Im Haushalt 2017 will der Kreistag die Mittel für die Anteile des Landkreises am Stammkapital der Betriebsgesellschaft in Höhe von voraussichtlich etwa 130.000 Euro bereitstellen.

Eine stationäre Hospizeinrichtung ist eine freiwillige Leistung der Daseinsvorsorge der Landkreise und der kreisfreien Stadt, die vom Rosenheimer Kreistag aber als dringend notwendig erachtet wird. Die Bayerische Staatsregierung geht in ihrer Bedarfsplanung von einem durchschnittlichen Bedarf von etwa einem Hospizbett pro 60.000 Einwohner aus. Die Landkreise Berchtesgadener Land, Rosenheim und Traunstein sowie die kreisfreie Stadt Rosenheim haben zusammen rund 600.000 Einwohner. Das ergibt einen formalen Bedarf von zehn Hospizbetten. Bisher wird im südostbayerischen Raum kein einziges Hospiz für die Bevölkerung angeboten.

Betrieb wird dauerhaft defizitär

Im Landratsamt rechnet man damit, dass der Betrieb des stationären Hospizes dauerhaft defizitär sein wird. Aufgrund der aktuellen Gesetzeslage erstatten die Krankenkassen 95 Prozent der Aufwendungen. Da sie in der Praxis aber nicht alle Aufwendungen anerkennen, summiert sich das Defizit auf zehn bis 15 Prozent der Gesamtaufwendungen. Da der jährlich zu erwartende Verlust auf 190.000 Euro bis 260.000 Euro geschätzt wird, kommt auf den Landkreis Rosenheim im ungünstigsten Fall ein Defizitausgleich von etwa 110.000 Euro zu.

Aufgrund des demografischen Wandels sowie des weiteren Zuzugs wird die Anzahl der Menschen im hohen Alter in der Region stetig zunehmen. Zudem gibt es eine klare Tendenz, im hohen Alter nicht ins Pflegeheim zu gehen, sondern bis zuletzt zu Hause wohnen zu bleiben. Über die steigende Lebenserwartung nehmen aber auch schwere bis schwerste Krankheitsverläufe zu, bei denen am Ende ärztliche Hilfe nicht mehr zur Heilung beitragen kann. 

Der Pflegebedarf ist in solchen Fällen oft derart hoch, dass er von ambulanten Diensten und dem familiären Umfeld nicht mehr getragen werden kann. Gleiches gilt für jüngere Menschen über 18 Jahren, die unheilbar erkrankt sind.Da sich nicht zuletzt am Umgang mit dem Leid und der Würde des Lebens an seinem weltlichen Ende das Selbstverständnis und das Menschenbild einer Gesellschaft zeigt, wollen die vier beteiligten Kommunen einen Ort der Aufnahme und Begleitung im Sterben schaffen.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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