Biogas für Hallenbad?

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Bernau (ch-z) - Die Gemeinde Bernau zieht in Erwägung, die Heizung in ihrem Hallenbad auf eine völlig neue Grundlage zu stellen. Die Firma "STM-Energy" aus Bergen bietet ihr an, ein Blockheizkraftwerk (BHKW) zu errichten und zu betreiben.

Der Gemeinderat hat sich am Donnerstagabend das Projekt von Manfred Steinbeißer (STM Energy) vorstellen lassen. Eine Entscheidung will das Gremium nach einer Bedenkzeit treffen.

Das Hallenbad ist eine Attraktion gleichermaßen für Einheimische und Urlauber. Doch der Unterhalt und der Betrieb kosten die Gemeinde Jahr für Jahr viel Geld. 2007 musste sie nach Angaben von Kämmerer Martin Angerer 280000 Euro drauflegen, 2008 sogar 350000 Euro. Heuer wird sich das Defizit, so die Schätzungen im Rathaus, wohl wieder in der Größenordnung des Jahres 2007 bewegen. Jahr für Jahr hoch sind insbesondere die Heizkosten. Auch nachdem die Gemeinde die Heizung im Rahmen einer Sanierung des Bades vor wenigen Jahren von Öl auf Gas umgestellt hat, muss sie weiter tief in die Tasche greifen. Im vergangenen Jahr haben sich die Energiekosten für Strom und Gas laut Angerer auf 150000 Euro summiert. Wenn die Gemeinde die Heizung im Hallenbad jetzt umstellt und das Angebot der Firma aus Bergen annimmt, dann spart sie sich womöglich - langfristig betrachtet - Geld. So überlegt sie nun, nicht mehr selbst für angenehme Temperaturen und warmes Wasser zu sorgen, sondern die Firma aus Bergen mit diesen Aufgaben zu betrauen. Falls die Gemeinde diesen Weg einschlägt und die Wärme dann einkauft, muss sie sich jedoch längerfristig binden und sich gegenüber dem Betreiber des Blockheizkraftwerkes verpflichten, die Energie zwölf Jahre lang - so der Zeitraum, den der Gemeinderat und der Investor in der Sitzung ins Auge nahmen - abzunehmen.

Das BHKW helfe, so Steinbeißer, "Primärenergie" einzusparen und den CO2-Ausstoß zu verringern. Die Anlage produziere nicht nur Wärme, sondern auch Strom. Als Energiequelle kommen seinen Angaben zufolge Erdgas, Pflanzenöle und Biogas in Frage. Das "Nonplusultra", das weitaus beste Konzept also, ist nach Meinung von Steinbeißer das BHKW, das mit Biogas, entstanden zum Beispiel aus Gülle, läuft. Steinbeißer machte kein Hehl daraus, dass die Heizkosten dann jedoch fürs Erste zunächst einmal steigen - und das dann letztlich die Gemeinde mehr zahlen müsse. Langfristig jedoch werde der Preis für Biogas "nach unten" gehen. Ein Biogas-BHKW mache unabhängig von den großen Erdgaslieferanten und führe zu einer besonders hohen Verringerung des CO2-Ausstoßes. Pro Jahr entweichen dann gemäß seinen Schätzungen rund 150000 Tonnen weniger vom Hallenbad in Bernau in die Atmosphäre. Zum Vergleich: Ein BHKW, das Erdgas verwendet, reduziere den Ausstoß nur um 50000 Tonnen. Die Nachbarn werden das Blockheizkraftwerk nach Angaben von Steinbeißer gar nicht oder höchstens ein wenig sehen und hören. Der Container werde ein Stück weit in die Erde versenkt. Was dann noch oberirdisch von ihm zu sehen sei, werde mit Pallisaden verdeckt. "Das BHKW ist nicht extrem laut", betonte er. Die nächsten Nachbarn seien "relativ weit weg und dürften eigentlich nichts hören".

Donat Praßberger (CSU) sagte, dass sich die Gemeinde im Falle eines Abschlusses über Jahre hinweg verpflichte, die Energie aus dem Blockheizkraftwerk abzunehmen - und damit auch, das Hallenbad ebenso lang weiter zu betreiben. Da sich Jahr für Jahr ein hohes Defizit ergebe, müsse sich die Gemeinde grundsätzlich überlegen, ob sie das Hallenbad überhaupt "noch so lange" weiterführen wolle. "Wir haben erst vor drei, vier Jahren neue Gasheizkessel im Hallenbad eingebaut", sagte Georg Bauer (Bernauer Liste). Er regte an, das BHKW an der Turnhalle zu bauen - mit der Option, vielleicht auch die Tennishalle anzuschließen. Steinbeißer entgegnete ihm, dass dieser Standort nicht geeignet sei. Denn um eine Förderung zu bekommen, müsse das BHKW "durchlaufen" und ganzjährig Wärme produzieren - was jedoch nicht der Fall wäre, wenn die Turnhalle angeschlossen würde.

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