Neue Bürgerinitiative - altes Problem

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Chieming - Seit 50 Jahren ist das Problem bekannt: Im Gemeindebereich gibt es keine gesicherte Möglichkeit, die Staatsstraße zu queren. Eine neue Bürgerinitiative will jetzt Abhilfe schaffen.

Das Problem mit der Staatsstraße 2096, die durch Chieming verläuft, ist schnell erklärt: Durch die vielbefahrene Straße wird die Gemeinde in zwei Hälften geteilt. Auf der einen Seite befinden sich die Schule, die Kindergärten, die Turnhalle, der Sportplatz, die Vereinsräume, die Musikschule, der Spielplatz und der Chiemsee. Und auf der anderen Seite wohnen die Familien mit ihren Kindern. Doch wie sollen die Kinder ohne eine gesicherte Querungsmöglichkeit über die Staatsstraße kommen, auf der laut einer offiziellen Messung durchschnittlich 10.000 Fahrzeuge fahren. Die neue Bürgerinitiative (BI) "Ein Chieming" hat da eine Idee: Warum nicht einfach eine Ampel aufstellen, um den Chiemingern das Überqueren der St 2096 zu erleichtern.

Peter Maltan vom Staatlichen Bauamt in Traunstein ist da anderer Meinung. Da es keinen erkennbaren Querungsschwerpunkt im Gemeindebereich gebe, sei eine Ampel die falsche Lösung, so der Diplomingenieur. "Die Leute überqueren die Straße an verschiedenen Stellen in Chieming." Doch für eine Ampellösung seien mindestens 50 Fußgänger nötig, die in der Spitzenstunde in einem bestimmten Bereich die Staatsstraße überqueren. "Laut einer Polizeierhebung wird dieser Wert in Chieming aber nicht erreicht", erklärt Maltan. Zudem würden auch die hohen Unterhaltskosten und die Nachteile für den Verkehrsfluss gegen eine Ampellösung sprechen. Maltan: "Doch die Kosten sollen natürlich nicht der Verkehrssicherheit in Chieming im Wege stehen."

Fußgängerinsel soll Sicherheit bringen

Die Gemeinde und das Staatliche Bauamt setzen aber auf eine andere Lösung des Problems: Eine Fußgängerinsel. "Nach unserer Erfahrung ist eine solche Insel ein geeignetes Element, um die Sicherheit für die Fußgänger zu verbessern", meint der Diplomingenieur. Die Bürgerinitiative sieht das aber anders: Zu gefährlich für die Kinder und zu unklar in der zeitlichen Umsetzung sei die Fußgängerinsel. "Allen Eltern läuft bei der Vorstellung ein Schauer über den Rücken, wie ihr Kind alleine auf diesem zwei Meter breiten Streifen steht, während vor und hinter ihm der ungebremste Verkehr vorbeirauscht", heißt es in dem Antrag der BI.

Auch die optischen Veränderungen würden gegen den Bau einer Insel sprechen: "Die Platzierung liegt unmittelbar im Ortseingangsbereich, der nach aktuellen Messungen von den meisten Fahrzeugen mit rund 70 km/h passiert wird. Um die Straßenführung den Erfordernissen anzupassen, sollen eine Kapelle und ein großer Baum weichen – die einzigen optischen 'Bremser' für den in den Ort rauschenden Verkehr." Dem hält Maltan allerdings entgegen, dass auch eine Fußgängerinsel eine optische Einbaut im Straßenverkehr sei und damit auch eine gewisse Bremswirkung habe.

Auch was die zeitliche Umsetzung des Projekts "Insel" angeht, hat sich einiges getan. Bislang scheiterte der Bau der Fußgängerinsel am Kauf der Teilflächen für die notwendige Aufweitung der Staatsstraße St 2096. Doch auf Anfrage von chiemgau24.de teilte uns Bürgermeister Benno Graf jetzt mit, dass sich die Grundstückseigentümer heute per E-Mail bei ihm gemeldet haben. "Unter bestimmten Voraussetzungen wollen sie den Vertrag akzeptieren." Die Verhandlungen werden nun in den nächsten Wochen über die Bühne gehen. Graf: "Es sieht positiv aus." Auch das Denkmalamt habe bereits zugestimmt, dass die Kapelle nach hinten versetzt werden darf.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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