Chiemseeverband ist aufgelöst

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Zum letzten Mal saß die Verbandsspitze gestern im Hatzhof in Bernau-Felden in dieser Konstellation an einem Tisch: Geschäftsführer Hermann Roth, Vereinsvorsitzender Benno Graf, der stellvertretende KG-Chef Konrad Glück und Vereinsvize Augustin Voit (von links). KG-Vorsitzender Klaus Daiber war verhindert.

Chiemsee (CH-Z) - Nach 97 Jahren ist der Chiemsee-Tourismusverband (CTV) seit gestern Geschichte. Die Mehrheit der Mitglieder stimmte für die Auflösung.

Der CTV wird in den neuen Chiemsee-Alpenland-Tourismusverband (CAT) eingegliedert, der am 1. Januar seine Arbeit aufnehmen soll.

Mit 91 zu 33 (die 19 Gemeinden haben je fünf, passive Mitglieder nur je eine) Stimmen votierte die Versammlung im Hatzhof in Bernau-Felden für die Auflösung des CTV. Vor drei Wochen war der erste Versuch noch gescheitert, weil zu wenige Mitglieder anwesend waren. Diesmal reichte laut Satzung die einfache Mehrheit der Anwesenden.

Neben den sechs Gemeinden aus dem Landkreis Traunstein (Seeon-Seebruck, Chieming, Grabenstätt, Übersee, Grassau und Marquartstein) sprachen sich auch drei passive Mitglieder in geheimer Abstimmung gegen die Auflösung aus.

Vereinsvorsitzender und Chieminger Bürgermeister Benno Graf machte deutlich, dass er und seine fünf Amtskollegen es lieber gesehen hätten, wenn der CTV bis zur politisch angestrebten touristischen Fusion der beiden Landkreise Rosenheim und Traunstein 2012 weiter bestanden hätte. "Wir sind von den Ereignissen überrollt worden", pflichtete ihm sein Seebrucker Amtskollege und stellvertretender Chiemsee-KG-Chef Konrad Glück bei. Die sechs Gemeinden waren bisher sowohl im Chiemsee- als auch im Chiemgauverband organisiert, wollen dem CAT aber - zumindest vorerst - nicht beitreten.

Nach der Neustrukturierung des Chiemgau-Tourismusverbands im Landkreis Traunstein 2008 werden ab Januar nun auch im Nachbarkreis Rosenheim alle Kommunen unter einem touristischen Dach vereint - auch solche, die bisher nicht touristisch organisiert waren. Die neue Geschäftsführerin des CAT soll noch vor Weihnachten vorgestellt werden.

In Traunstein wurde derweil das Personal des Chiemgau-Verbands bereits auf neun Mitarbeiter mehr als verdoppelt und im September die neue Marke "Chiemgau - Bayerns Lächeln" vorgestellt. Über die Vermarktungsstrategie des Chiemsee-Alpenlandverbands ist noch nichts bekannt. Durch die Neuorganisation stehen den Verbänden nun deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, die vor allem ins Marketing gesteckt werden sollen.

Graf begrüßte, dass das komplette Personal des CTV zu den bisherigen Konditionen vom neuen CAT übernommen werde, der außerdem im Hatzhof in Bernau-Felden seine Zentrale haben soll. Dort sitzt der CTV seit 2002. Wie er forderte auch Glück, dass nun landkreisübergreifend schnellstmöglich eine für alle tragfähige gemeinsame touristische Lösung angestrebt werden müsse.

Unisono betonten Graf, Glück und Amerangs Gemeindeoberhaupt Augustin Voit als CTV-Vereins-Vizechef, dass der Chiemsee auch nach einer Fusion das "Filetstück", "Herz" und "der Markenname" der touristischen Arbeit bleiben müsse.

CTV-Geschäftsführer Hermann Roth, dessen Position im künftigen CAT nach eigener Aussage noch unklar ist, richtete ebenso wie die Kommunalpolitiker den Blick nach vorne. "Nun gilt es, dem Rechnung zu tragen, was vor uns steht." CTV-Beirat Rudi Jantke fügte als Appell hinzu, "dass alle zusammenhalten müssen, um das Niveau der Gäste- und Übernachtungszahlen in der gesamten Region zumindest zu halten". Grassaus Bürgermeister forderte auch, die Leistungsträger, also vor allem Vermieter und Gastronomen, in die weitere Entwicklung einzubinden.

Die Verbandschefs ließen auf Nachfrage durchblicken, dass eine Fusion der touristischen Organisationen beider Landkreise zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht zu früh gekommen wäre. "Der große Zusammenschluss wäre wohl auch für einige Gemeinden im Kreis Traunstein so schnell nicht möglich gewesen", räumte Glück ein. "Das wäre auch bei uns vielleicht noch nicht zu vermitteln gewesen", mutmaßte Voit für den Kreis Rosenheim. Er wies auf die verschiedenen Konstellationen hin. Während der Chiemgauverband von jeher am Landratsamt Traunstein angesiedelt war, galt es auf Rosenheimer Seite, neben dem CTV auch den ehemaligen Wendelsteinverband und die kreisfreie Stadt Rosenheim zu integrieren. "Das ist wider Erwarten sehr gut und sehr schnell gegangen", freute sich Voit.

Graf nahm es trotz seiner Ablehnung der CTV-Auflösung zum jetzigen Zeitpunkt am Ende mit Humor. "Wir leben in Scheidung, wissen aber schon, dass wir wieder heiraten wollen." Dass bis zur geplanten "Hochzeit" 2012 noch einige Hürden zu überwinden sind, kommentierte er mit einem Liedtitel von Xavier Naidoo: "Dieser Weg wird kein leichter sein."

db/Chiemgau-Zeitung

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