Müll statt Märchenkulisse?

Huber: "Verunreinigung künftig selber zahlen"

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Chiemsee - Für die meisten dürfte es einer der schönsten Tage im Leben sein: Die Heirat. Für die kleine Gemeinde Chiemsee wird das aber immer mehr zur Belastung:

Eine malerische Kulisse ist die kleine Insel auf dem Chiemsee auf jeden Fall. Mit ihren alten Gemäuern, gepflegten Parkanlagen und den Alpen im Hintergrund zieht die Fraueninsel jedes Jahr unzählige Touristen an. Unter ihnen auch eine Gruppe, die ihren wohl schönsten Tag im Herzen von Bayern verbringen möchte. Die Rede ist von Paaren, die sich dort das Ja-Wort geben. Doch genau diese Besucher sorgen immer mehr für Unmut, wie der Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee, Georg Huber, berichtet.

Müll statt Märchenkulisse?

"Wir erleben hier gerade eine galoppierende Amerikanisierung. Angefangen bei Alu-Konfetti über Plastikballons bis hin zu Verunreinigen anderer Art", so der Bürgermeister der kleinen Gemeinde im Gespräch mit rosenheim24.de. Besonders die Tauben, die häufig im Rahmen der standesamtlichen Trauungen auf der Insel fliegen gelassen werden, machen dem Gemeindeoberhaupt Sorgen: "Man weiß ja, dass die nicht über Wasser fliegen. Und so bleiben sie halt bei uns", zeigt sich Huber besorgt. Ein Umstand, den der Gemeinderat künftig nicht mehr hinnehmen will.

Mit jährlich weit über 200 standesamtlichen Trauungen, Tendenz stark Steigend, spricht Bürgermeister Huber bereits von einer Art "Hochzeitstourismus": "Es kann aber nicht sein, dass die sich so daneben benehmen. (..) Gleich nebenan ist der Friedhof. Da hängt das Zeug dann in den Hecken," so Huber. Besonders die Reinigung der Rasenflächen gestalte sich jedes Mal äußerst aufwendig.

Aus diesem Grund verschärft die Gemeinde künftig die Regelungen für Brautpaare. Schon beim Aufgebot, der Anmeldung zur Hochzeit, sollen die Heiratswilligen künftig ein Merkblatt mit Hinweisen erhalten. Eine Unterschrift auf dem Blatt soll die Vereinbarung zwischen Hausherr und Gast besiegeln. "Wenn dann Gäste für Verunreinigungen verantwortlich sind, dürfen sie die Entsorgung der Verunreinigung auch selbst bezahlen", so Georg Huber weiter.

Bald weniger Hochzeiten auf der Fraueninsel?

So herrschte, laut Bürgermeister Huber, in der Sitzung des Gremiums im November aber statt Ärger über die Situation eher eine gewisse Ratlosigkeit. Auf der einen Seite wolle man den Paaren schließlich den "schönsten Tag" ja auch nicht vermiesen. Trotzdem siedelte das Gremium die Erhaltung des historischen Umgriffs auf der Fraueninsel am Ende doch höher an und entschied sich für die Maßnahmen. "Wir können einfach nicht zuschauen, dass die Insel zur Müllhalde verkommt", so Huber abschließend. Sollte die Maßnahme jedoch nicht den gewünschten Erfolg bringen, müsse man sich zukünftig auch Gedanken über eine Reduzierung bei der Anzahl der Hochzeiten machen.  

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa/dpa

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