Defizit trotz Besucherboom

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Die winterliche Fraueninsel unterm Sternenhimmel: Mit diesem Motiv wirbt die PTG für ihren Christkindlmarkt.

Prien/Chiemsee - Der Christkindlmarkt auf der Fraueninsel ist beliebt, aber auch teuer in der Umsetzung. In Zukunft braucht der Markt neue Unterstützer.

Um die 50000 Menschen strömen Jahr für Jahr an den ersten beiden Adventswochenenden auf die Fraueninsel. Die Priener Tourismus GmbH stellt dort seit 2000 den Christkindlmarkt auf die Beine. Die einmalige Insellage lässt sich touristisch bestens verkaufen, ist aber auch kostenintensiv. Jetzt wirbt die PTG um Unterstützung, um ihr jährliches Defizit von 30000 Euro zu senken. Die ersten Reaktionen sind zurückhaltend bis ablehnend.

Die bisherigen Einnahmemöglichkeiten scheinen ausgereizt. Die größten Profiteure, Chiemsee-Schifffahrt und Insel-Gastronomen, unterstützen die PTG ohnehin schon finanziell, sagt Martina Lehmann, Assistentin der Geschäftsleitung und federführend für Organisation und Durchführung des Marktes, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, ohne Zahlen zu nennen.

Auch bei den 90 Fieranten, deren Standmieten heuer "sehr moderat" angehoben worden seien, sieht sie kein weiteres Potenzial. Sonst bestünde Gefahr, dass vor allem kleinere Anbieter von Kunsthandwerk aus Kostengründen abspringen, was wiederum dem gewollten, möglichst kitschfreien Ambiente des Marktes schaden würde.

Nun will die PTG Geld sammeln. Ein entsprechendes Schreiben ging laut Lehmann an alle Anliegergemeinden des Chiemsees und Hoteliers. Die ersten Reaktionen seien "verhalten", lediglich ein Priener Hotel habe bisher Unterstützung signalisiert.

Das jährliche Defizit, das Lehmann zufolge seit Einführung des Marktes vor zwölf Jahren immer in etwa auf dem gleichen Niveau liegt, ist nach ihren Angaben vor allem in den logistischen Besonderheiten der Insellage begründet. Zudem muss die PTG selbst die Hütten von einem privaten Eigentümer anmieten. Die Standgebühren für die sechs Öffnungstage reichen laut Lehmann nicht einmal, den gesamten Aufbau inklusive Elektrifizierung, Toiletten und Bühnen zu finanzieren.

In den 30000 Euro, die die PTG in ihrem Rundschreiben als jährliches Minus nennt, sei zwar ein gewisser Anteil Arbeitskosten berücksichtigt. Aber wie viel Stunden die Mitarbeiter der PTG genau in Vorbereitung und Durchführung des Marktes stecken, weiß niemand. Die Großveranstaltung beschäftigt das Priener Tourismuspersonal das ganze Jahr über, naturgemäß im Herbst am weitaus intensivsten.

Das Rahmenprogramm mit den stets ausverkauften volksmusikalischen Konzerten im Münster als Zugpferd trägt sich Lehmann zufolge finanziell selbst.

Eine zeitliche Ausdehnung auf ein weiteres, drittes Wochenende, die vor Jahren schon mal diskutiert wurde, würde finanziell nichts bringen, weil dann auch zusätzliche Kosten, zum Beispiel für die Miete der Hütten, anfallen würden. Auch einer Vergrößerung des Marktes mit mehr Ständen erteilt sie eine Absage. Die Insel sei "ausgereizt", Ruhezonen ohne Stände, zum Beispiel am Kloster, würden bewusst frei gehalten und seien wichtig.

Zu möglichen Verhandlungen mit dem "Hausherrn", der Gemeinde Chiemsee, die quasi als "Benutzungsgebühr" für das Eiland bisher von der PTG pro Jahr 5000 Euro bekommt, wollte sich Lehmann nicht äußern.

Als erstes Kommunalparlament hatte Gstadt das Schreiben aus dem Priener Haus des Gastes auf der öffentlichen Tagesordnung. Der Rat fällte keine endgültige Entscheidung. Bürgermeister Bernhard Hainz ließ aber durchblicken, dass er Gstadts Unterstützung schon als ausreichend ansieht, weil die Gemeinde viele Parkplätze vorhalte, besonders für Busse (wir berichteten). Ein großer Teil der Marktbesucher setzt von Gstadt aus auf die nahe Insel über.

Am Dienstagabend war der PTG-Rundbrief nun Thema im Rimstinger Gemeinderat. In dem Antrag schreibt PTG-Geschäftsführer Bertram Vogel unter anderem: "Für die ganze Region ist der Markt touristischer Magnet, Imageträger und Wirtschaftsfaktor. Viele Gäste nutzen den Besuch zu einem mehrtägigen Aufenthalt und füllen damit Hotels und Privatunterkünfte auch in Rimsting."

Das Gremium nahm den Antrag verwundert und zum Teil fast belustigt zur Kenntnis. Raimund Feichtner (UWG) kommentierte: "Mir fehlen die Worte." Bürgermeister Josef Mayer: "Wir zahlen gerne 1000 Euro für den Christkindlmarkt auf der Fraueninsel, wenn die PTG uns für den Rimstinger Weihnachtsmarkt die gleiche Summe überweist." Der Rat lehnte den PTG-Antrag einstimmig ab.

"Wenn alle nur die Hand aufhalten, gehts nicht mehr", ließ Lehmann gestern im Gespräch mit der Redaktion keinen Zweifel daran, dass die PTG ab 2013 nicht mehr gewillt ist, das Defizit in dieser Größenordnung zu schultern. Wie eine Alternative ausschauen könnte, ließ sie offen.

In dem Schreiben wird von der PTG für die Zukunft als denkbares Modell die Bildung eines Fördervereins in Erwägung gezogen. Auch in dem Brief wird kein Zweifel gelassen, dass die PTG künftig nur dann als Veranstalter auftrete, wenn eine solche Solidarkonstruktion auch funktioniert.

Dirk Breitfuß und Hans Thümmler (Chiemgau-zeitung)

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