Dilemma: Tourismuszahlen schwanken sehr

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2009 war das touristisch beste der vergangenen fünf Jahre. Im vergangenen Jahr gingen Gäste- und Übernachtungszahlen wieder zurück.

Prien - Im Sommer müssen Urlauber im Tourismusbüro weggeschickt werden, weil kein Bett mehr frei ist. Im Winter hingegen bleiben viele Touristen aus. Dieses Dilemma wurde nun in der Gemeinde diskutiert.

In seiner ersten Tourismusausschusssitzung hat Bertram Vogel, der neue Geschäftsführer der Priener Tourismus GmbH (PTG), mit den Politikern Möglichkeiten diskutiert, wie dieses Dilemma zumindest gemindert werden könnte.

Wer dieser Tage mit dem Auto in Prien unterwegs ist, braucht keinen Kalender, aber Geduld. Es sind Ferien, das Geschäft brummt ebenso wie die Motoren der Autos, die im täglichen Stau stehen.

Zahlen beweisen das. Die Hälfte aller Übernachtungen im vergangenen Jahr verbuchten die Priener Betriebe in den Monaten Juli bis September (rund 152.000) , wenn in Deutschland Sommerferien sind. "Wir könnten in der Hauptsaison mehr Gäste unterbringen, wenn wir die Kapazitäten hätten", berichtete Vogel von Urlaubern auf Bettensuche, die im Haus des Gastes erfolglos anfragen. Ihre Zahl nimmt zu, weil immer mehr Erholungssuchende kurzfristig anreisen und auch der Trend zum Wochenend-Kurzurlaub seit vielen Jahren unverändert anhält.

Über mögliche Standorte und Investoren für ein zusätzliches Hotel wollte Bürgermeister Jürgen Seifert die Ausschussmitglieder in nichtöffentlicher Sitzung auf den aktuellen Stand bringen.

Um Gäste und Übernachtungszahlen im Idealfall zu steigern, bietet sich zuerst die sogenannte Nebensaison an, vor allem das Frühjahr und der Herbst. Zwar hatte die PTG heuer mit dem "Comedy-Dschungel" im Frühjahr eine neue Veranstaltungsreihe kreiert, die noch unter Vogels Vorgänger Ferdinand Reb entstand. Die zog aber fast ausschließlich Besucher aus der Region an, keine Übernachtungsgäste. Vogel hat solche Veranstaltungsreihen künftig für Frühjahr und Herbst im Sinn. Auch das Programm der "PrienPartner", das derzeit in den zuständigen Gremien Gestalt annimmt, zielt wohl vor allem darauf ab, Tagesausflügler nach Prien zu locken.

Priens neuer Tourismuschef sieht vor allem Chancen im Tagungstourismus. "Am liebsten wäre mir, wenn morgen hier ein Tagungshotel steht, aber das braucht Geld und Platz", weiß Vogel nur zu gut. Deshalb legt er sein Augenmerk zunächst darauf, mehr Tagungs- und Seminarräume in den Ort zu bekommen - und zwar möglichst im eigenen Haus. "Ich rufe 2012 zum Jahr des großen Kursaals aus", kündigte der PTG-Chef an.

Die Sanierung des mehr alt- als ehrwürdigen Veranstaltungssaals in Stauden hatte der Gemeinderat im vergangenen und diesem Jahr zwar auf dem Zettel, musste sie aber beide Male wegen anderer dringender Projekte von der Haushaltsliste streichen. Heuer kam die Dacherneuerung des Prienavera dazwischen.

"Wir müssen uns irgendwann entscheiden in mehr Ankünfte zu investieren", weiß auch der Bürgermeister. Er sieht neben der Kommune aber auch die sogenannten Leistungsträger in der Pflicht, zu investieren, um sich so geänderten Anforderungen zu stellen. Vogel wünscht sich besonders von den Vermietern von Ferienwohnungen mehr Flexibilität, weg vom klassischen Bettenwechsel nur samstags. "Dazu müssen wir eventuell die Bereitschaft der Vermieter herbeiführen."

Das soll auch durch noch engere Zusammenarbeit erreicht werden. Vermieter-Stammtische oder wöchentliche Rundmails zur Gästeinformation gehören zum örtlichen PTG-Konzept, ebenso wie große Netzwerke zur Vermarktung des Ortes und seiner Betriebe. Vogel stellte dazu eine ganze Reihe von Ansätzen vor, über die wir noch gesondert berichten.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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