Energiewende ja - aber wie?

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Bernau - Auf höchster Ebene hat die Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 beschlossen. Doch wie haben sich nun auf unterster Ebene die Städte und Gemeinden zu verhalten?

Sollen sie zum Beispiel Häuslebauern zwingend vorschreiben, Solarkollektoren auf ihre Dächer zu schrauben und die Kraft der Sonne zu nutzen? In Bernau hat der Gemeinderat die Thematik andiskutiert.

Der Ausgangspunkt: Das Gremium hatte eine Bauangelegenheit zu erörtern, wie derer viele immer wieder auf der Tagesordnung für eine Sitzung stehen. Zu beraten war der Entwurf für einen Bebauungsplan für eine Fläche am südlichen Ortsrand von Bernau, die von der Linden-, der Kreuz- und der Rottauer Straße eingegrenzt wird. In einem Mischgebiet will die Gemeinde drei Grundstücke für den Bau von Einfamilienhäusern und zwei für die Errichtung von Gewerbebauten ausweisen.

Der Kommune gehört der Grund und Boden. Und sie schafft Baurecht. So hat sie etwa die Möglichkeit, eine Ost-West-Ausrichtung der Firste festzuschreiben und den Bauherrn dann etwa die Nutzung der Sonnenenergie auf zwangsläufig südlich ausgerichteten Dächern nahezulegen. Über entsprechende Vereinbarungen in den Kaufverträgen kann sie außerdem - oder stattdessen - eine Solarnutzung rechtlich bindend vorschreiben.

Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) brach eine Lanze für letzteren Weg. Die Sonnenenergie müsse - wie auch immer - genutzt werden. In den Kaufverträgen sei zu bestimmen, dass die Bauherrn Kollektoren auf ihren Dächer anbringen und dann ihr Brauchwasser mit der Sonnenenergie erwärmen. Und Genghammer bekam von Philipp Bernhofer (Bernauer Liste) Unterstützung: Warum eigentlich sollte die Gemeinde nicht so handeln? Schließlich präsentiere sich Bernau stets "solarfreundlich".

Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger (CSU) warnte hingegen, die Bauherren "nicht zu sehr einzuengen und eine Solarnutzung zwingend vorzuschreiben". Stattdessen schlug er vor, nur eine Ost-West-Ausrichtung der Firste festzulegen. Ursula Zeitlmann (Bündnis 90/Die Grünen) sah jedoch keinen Grund, sich jetzt auf einmal in Bernau "drakonisch" zu geben. Und auch Christian Hügel (CSU) erteilte Bemühungen, insbesondere eine Solarnutzung nahezulegen oder gar vorzuschreiben, eine klare Absage.

"Regenerative Energien kommen"

Die Nutzung regenerativer Energien im Allgemeinen zu empfehlen sei richtig - aber nicht die der Sonnenenergie im Speziellen zu fordern. Auch Bürgermeister Klaus Daiber mahnte, sich grundsätzlich offen für die Entwicklungen in diesem Bereich zu geben. "Die regenerativen Energien kommen."

Bernhofer meinte, dass für die Diskussion über die Energiewende in Bayern landestypische Voraussetzungen zu beachten seien. Während im Norden Deutschlands Windräder in Frage kämen, seien sie im Süden nicht des Rätsels Lösung. Denn im Freistaat sei schlicht und ergreifend der Wind nicht ausreichend für große Anlagen. In Bayern sei dagegen die Fotovoltaik verbreitet. Um eine Grundlage für die Diskussion in der Gemeinde Bernau zu bekommen, schlug Bernhofer vor, dass einmal ein Fachmann einen Vortrag hält - ein Vorschlag, dem gegenüber das Gremium nicht abgeneigt war.

Was den Bebauungsplan für die Fläche an der Linden-, Kreuz- und Rottauer Straße betrifft, fasste der Gemeinderat im Übrigen folgende Beschlüsse: Zum einen lehnte er mit 9:8-Stimmen ab, eine Ost-West-Ausrichtung der Firste vorzuschreiben. Und mit großer Mehrheit stellte er den Antrag von Genghammer zurück, eine Solarnutzung in den Kaufverträgen festzuschreiben.

pü/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser