Fast 600 Schüler an der Musikschule

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Der musikschuleigene Flügel ist umgezogen - vom Dachgeschoss in einen hellen Unterrichtsraum in der ersten Etage der "Alten Post".

Prien - Wirtschafskrise hin, Schulstress her: An der Priener Musikschule ist von Sparmaßnahmen der Eltern oder Zeitmangel der Kinder nichts zu spüren.

Ganz im Gegenteil: Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Schülerzahl um fast ein Viertel auf knapp 600 erhöht. In der "Alten Post" hat die Einrichtung zwei Räume dazubekommen. Sonst wäre der Unterricht in diesem Umfang nicht mehr darstellbar.

Warum die Zahl der Anmeldungen im zweiten Jahr infolge deutlich gestiegen ist, kann sich auch Leiterin Brigitte Buckl nicht erklären. "Wir platzen fast aus allen Nähten." Wenige Tage nach Schuljahresbeginn (eine Woche nach den "richtigen" Schulen) klingelt das Telefon pausenlos. Der Belegungsplan der nun zwölf Unterrichtsräume, die über alle vier Etagen verteilt sind, ändert sich noch mehrmals täglich. Hier hat ein Bub montags Fußballtraining, dort ein Mädchen mittwochs am Nachmittag Schule und anderswo möchte eine Mutter den Unterricht für ihre beiden Sprößlinge auf den gleichen Tag legen, um sich Fahrten zu ersparen - der Unterricht auf dem Instrument muss deshalb verlegt werden.

Die Zahl der Lehrer ist mitgewachsen. 27 Damen und Herren sind es nun, die größtenteils an bestimmten Wochentagen unterrichten. Neu hinzugekommen sind Tanja Ghiradini aus Chieming (Gesang und Klavier), der Priener Josef Steiner (Saxophon und Klarinette), Miriam Sonn aus Salzburg (Querflöte), Martina Haunholder aus Oberaudorf (leitet die Blässerklassen an den Grundschulen Prien und Wildenwart) und Anna Grauvogel aus Bad Wiessee. Über letztere freut sich Buckl besonders, denn dadurch ist es möglich, nach einigen Jahren Pause wieder Harfeunterricht anzubieten. Grauvogel hat noch Plätze frei, eine Harfe steht in der Schule zur Verfügung.

30 Minuten Einzelunterricht pro Woche kostet für Kinder aus Prien, Bernau und Aschau monatlich 56,50, im Duo mit einem weiteren Kind 34 Euro. Diese drei Gemeinden bezahlen den Rest, der zur Kostendeckung nötig ist, komplett als Zuschüsse. Mädchen und Buben aus anderen Kommunen zahlen entsprechend mehr, je nach Höhe der Zuschüsse. Um zwei Prozent wurden die Gebühren laut Buckl zum neuen Schuljahr angehoben.

Erfreut ist die Leiterin auch über das Interesse am Waldhornunterricht, einem eher seltenen Blasinstrument. Katharina Weingartner aus Bernau, wie Steiner ein "Eigengewächs" der Priener Talentschmiede, unterrichtet ein Dutzend Kinder. Zwei Drittel von ihnen kommen aus den Bläserklassen der Grundschulen, die vor einigen Jahren eingeführt wurden und sich ungebrochenen Zuspruchs erfreuen. Allein in Prien machen 31 Mädchen und Buben aus der dritten und vierten Jahrgangsstufe mit.

Während die Bläserklassen an ihren Schulen üben, ist zum Beispiel die musikalische Früherziehung für Kinder ab vier Jahren im Saal der "Alten Post". Weil den auch der Nachbar, die Arbeiterwohlfahrt, nutzt, wird es dort langsam immer enger. Noch ist deshalb nicht ganz klar, zu welchen regelmäßigen Zeiten Rebecca Schöne die drei Anfänger- und eine Fortgeschrittenengruppe mit zusammen etwa 30 Mädchen undBuben um sich scharen wird. Die Rimstingerin unterichtet zusätzlich auch in ihrem Heimatort und in Greimharting.

Während die Früherziehung ausgebucht ist, gibt es Buckl zufolge noch Plätze bei den "Musikzwergerln" (eineinhalb bis drei Jahre) und bei "MIGA". Die Abkürzung steht für musikalische instrumentale Grundausbildung für Mädchen und Buben im Grundschulalter mit Orff-Instrumenten, Blockflöte oder am Klavier.

Freie Kapazitäten gibt es auch noch für Geige, Kontrabass, Blockflöte und Gesang sowie in der Jugendblaskapelle, die immer dienstags ab 18.30 Uhr im Gasthaus "Alpenblick" probt und allen Interessierten offen steht, die schon mindestens drei Jahre ein Instrument gelernt haben.

In den Ferien haben Buckl und zweiter Musikschulleiter Tilo Heinrich im ersten Stock Möbel zusammengebaut und Wände geweißelt, um sich ein eigenes Büro einzurichten. Die AWO hatten diesen Raum freigemacht. Buckl wird dort nun zunächst stundenweise auch Gitarre unterrichten, weil sonst nirgends mehr Platz frei ist. Heinrich hat zusätzlich über den Sommer dem Zugang zu seinem Schlagzeugraum im Untergeschoss farbliche Frische verpasst.

Mit Instrumenten ist die Schule Buckl zufolge gut ausgestattet. Den schuleigenen Flügel hat eine Umzugsfirma in den Ferien vom Dachgeschoss in einen größeren, hellen Raum in der ersten Etage transportiert. Obwohl die Gemeinde Prien erst vor rund zwei Jahren im Zuge der Gründung der Bläserklassen fast 30000 Euro für Instrumente spendiert hatte, sind es ob des großen Interesses gerade die Blechblasinstrumente, die knapp sind.

Für die Unterrichtsräume gilt dies montags bis mittwochs. Dann sind sie allesamt von etwa 12.30 bis 19 oder 19.30 Uhr ausgebucht. Donnerstags und vor allem freitags sieht es besser aus, weil die allermeisten Kinder und ihre Eltern offenbar nicht vor dem Wochenende Unterricht nehmen möchten.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

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