Fichter gibt Führungsstab ab

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Professor Dr. Manfred Fichter leitete als Ärztlicher Direktor die Klinik Roseneck seit deren Gründung 1985. Jetzt gibt er sein Amt altersbedingt ab.

Prien - Seit der Gründung der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck 1985 hat Professor Dr. Manfred Fichter deren Erfolgsgeschichte als Ärztlicher Direktor maßgeblich geprägt. Zum 25. Geburtstag der Klinik übergibt er das Amt an seinen Nachfolger.

Anfang der 80er-Jahre galten Mager- und Ess-Brechsucht (Bulimie) als eher seltene Krankheiten. So selten, dass die Psychiatrische Universitätsklinik München per Anzeige in Frauenzeitschriften 15 Betroffene für eine Studie suchte. Es kamen 3600 Zuschriften. Darunter waren rund 1600 Kranke sowie Angehörige, Ärzte und Psychologen.

Zur gleichen Zeit entstand im Roseneck nahe des Chiemsees ein Klinikbau mit gut 170 Betten. Die damalige LVA Ober- und Mittelfranken hatte in Prien einen Investor für eine Herz- und Kreislaufklinik gesucht und in der Familie Schön gefunden, die sich bis dahin als Bauträger einen Namen gemacht hatte. Als eine Wirtschaftskrise einsetzte, zog sich die LVA zurück.

1984 fiel Fichters damaligem Chef bei einer Radtour am Bayerischen Meer der leer stehende Klinikneubau auf. Krankenkassen und Politiker machten sich seinerzeit gerade für eine Facheinrichtung für Psychosomatik stark. Fichter war damals Oberarzt an der Uni-Klinik und hatte als Arzt und Diplompsychologe mit solchen komplexen Krankheitsbildern schon einige Erfahrungen gesammelt.

So fügte sich eines zum andern. Die "Roseneck" wurde gegründet, Fichter kam als Ärztlicher Direktor an den Chiemsee und blieb bis heute. Sogar einen Lehrstuhl an der Berliner Charité schlug er in dieser Zeit aus.

Genau so lange ist Fichter als Leiter des Forschungsbereichs Epidemiologie und Evaluation an der Psychiatrichen Universitätsklinik München tätig. Diese Verbindung von praktischer Arbeit und Wissenschaft war sicher einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die Klinik Roseneck heute bundesweit als führend gilt - nicht nur bei der Behandlung von Essstörungen.

Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Bereiche dazu. Die erste der mittlerweile 15 Schön-Kliniken erweiterte ihr Spektrum sukzessive - von chronischen Schmerzen über Zwangerkrankungen bis zu Depressionen hat die "Roseneck" sich weit über die Region hinaus großes Renommee erworben.

Nach mehreren Ausbaumaßnahmen hat die Klinik heute 385 Betten und ist der größte Arbeitgeber im Ort. 50.000 Patienten wurden seit 1985 insgesamt behandelt, 3000 sind es inzwischen jedes Jahr.

Zum 25. Geburtstag, der in diesen Tagen mit einem wissenschaftichen Symposium (wir berichteten bereits) und einem Festakt begangen wird, gibt Fichter den medizinischen Führungsstab nun offiziell ab an Professor Dr. Ulrich Voderholzer.

Der scheidende Chef hinterlässt bleibende Spuren. Für seine Arbeit und Forschung zu Essstörungen sowie zum Langzeitverlauf psychischer Erkrankungen wurde der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen (DGESS) mit einer Reihe von nationalen und internationalen Preisen belohnt. Persönlich am meisten beeindruckt hat ihn nach eigenen Worten der Christina-Barz-Preis für seine Verlaufsforschung bei Magersucht, weil er von einer Stiftung verliehen wird, die Eltern eines Mädchens ins Leben gerufen haben, das an den Folgen der Krankheit gestorben war.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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