Fußgänger klopfen an Strandbad-Tür

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Die Diskussion beginnt: Die Marktgemeinde zieht eine Umgestaltung des Chiemseeufers im Bereich vom Prienavera bis zur Stippelwerft in Erwägung. Im Rahmen eines Ideenkonzeptes haben die Landschaftsarchitekten Manfred Holler und Georg Müller Möglichkeiten aufgezeigt, das Strandbad ("Öffentlicher Badebereich" rechts oben auf unserem Plan) zu öffnen. Insbesondere regen sie an, einen Weg anzulegen, der östlich vom Prienavera zunächst über einen Steg, dann am Pavillon vorbei und östlich der Umkleidekabinen bis zur Stippelwerft führt.

Prien - Bislang geht es für Fußgänger, die an der Promenade am Chiemseeufer unterwegs waren, am Prienavera nicht mehr weiter. Weg vom Ufer führt ihn der Weg. Aber das könnte sich bald ändern.

Schön ist die Promenade am Chiemseeufer, einzigartig der Blick auf die Herreninsel und das Königsschloss. Wer an den Schären entlang geht, der genießt den Ausblick. Doch wenn der Fußgänger zum Prienavera kommt, dann geht's für ihn am Wasser nicht mehr weiter. Weg vom Ufer führt ihn der Weg. Das Hallenbad und vor allem das Strandbad verwehrt ihm das weitere Flanieren am See - doch dem muss nicht auf immer und ewig so sein. Im Gegenteil, die Marktgemeinde zieht in Erwägung, das Strandbad zu öffnen, den Fußgängern den Weg in diesen Bereich zu ebnen. In ihrem Auftrag hat das Planungsbüro "Holler & Müller" Ideen für die Raumgestaltung im Bereich vom Prienavera bis zur Stippelwerft gesammelt. Ihr Konzept liegt jetzt vor. Am Mittwochabend haben die beiden Landschaftsarchitekten Manfred Holler und Georg Müller aus Prien ihre Vorschläge und Anregungen vorgestellt (wir berichteten bereits kurz). Jetzt beginnt die Diskussion in den Gremien der Marktgemeinde.

Die Ausgangslage: Im attraktiven Uferbereich zwischen Prienavera und Stippelwerft kommen allein die Badegäste auf ihre Kosten, die Fußgänger bleiben außen vor. Im Sommer, wenn's warm ist, herrscht im Strandbad reger Betrieb. Doch in der langen Zeit vor und nach der Badesaison, ist dieser Bereich "verwaist". In diesen acht Monaten im Jahr ist dann dieser Uferbereich für die Allgemeinheit "verloren".

Die beiden Landschaftsarchitekten hatten nun den Auftrag, Ideen für eine Öffnung des Strandbades zu entwickeln und die Fläche ganzjährig auch und gerade für Spaziergänger zu erschließen. Ihre Ergebnisse präsentierten sie jetzt im Gemeinderat. Vor allem auch eine Perspektive eröffneten sie: Zur Debatte stellten sie, einen Weg für Fußgänger durch das Strandbad anzulegen. Mit ihm würde sich dann die öffentlich zugängliche, kostenlose Promenade am Chiemsee, wie Müller betonte, insgesamt in ihrer Länge von derzeit rund 300 auf dann etwa 600 Meter verdoppeln.

Holler unterstrich, dass das vorgelegte Konzept "Vorschläge zur Raumbildung und keine Detailplanungen" liefere. Im Bereich Prienavera-Stippelwerft liegen seinen Angaben zufolge "Potenziale", die im Rahmen der Nutzung des Seezugangs noch nicht ausgeschöpft werden. Nötig seien "Entwicklungsmaßnahmen in diesem Bereich".

Der neue Weg, den die beiden Landschaftsarchitekten vorschlagen, beginnt - betrachtet aus dem Blickwinkel des Fußgängers, der von den Schären kommt - am Prienavera. Auf einem rund 70 Meter langen Steg flaniert der Spaziergänger am Ufer über dem Wasser am Hallenbad vorbei. Insbesondere auch auf zwei integrierten Aussichtsplattformen erhalte der Spaziergänger, wie Holler betonte, einen "einzigartigen Blick" über den See hinüber zur Herreninsel.

Damit die Fußgänger die Gäste des Prienavera, die sich im Außenbecken aufhalten, in ihren Badefreuden möglichst wenig beeinträchtigen und schlicht und ergreifend nicht oder nur kaum zu ihnen hinschauen können, sei der Steg zum einen in einem Abstand von drei bis vier Metern und vor allem, wie Müller betonte, "möglichst tief" anzulegen. Vorstellbar sei, den Steg rund 1,5 Meter unter der Wasseroberfläche im Außenbecken zu errichten - und damit "knapp" über dem Wasser im See. Sicherlich zu verkraften wäre dann, dass er das eine oder andere Mal, wenn der Pegel im Chiemsee steigt, für kurze Zeit nicht begehbar wäre.

Nach dem Steg führt der Weg dann, so die weitere Planung, zu einem neuen Gastronomiebereich. So schlagen die Landschaftsarchitekten vor, den vorhandenen Pavillon auszubauen und insbesondere auf dessen Dach eine "Seeterrasse" zu errichten. In, am und auf dem Pavillon könne man dann die gastronomische Nutzung deutlich ausweiten. In Erwägung ziehen könne man ein Tagescafé, ein Restaurant, eine Bar - Angebote, die man allesamt tagsüber und auch am Abend das ganze Jahr über schaffen könne. Und das i-Tüpfelchen sei auch in diesem Fall wieder die Aussicht: Die auf dem Dach des Pavillons geplante Plattform, so Holler, "bietet einen tollen Blick auf den See" - einschließlich Abendsonne für den Gast.

Und weiter auf der angedachten neuen Route geht's dann vom Pavillon auf den bereits bestehenden Weg an der Ostseite entlang des "Wurmes", der die Umkleidekabinen und die Duschen für die Gäste des Strandbades enthält. "Der Badeplatz bleibt somit in der alten Form komplett erhalten", betonte Holler. "Auch an der weiteren Nutzung der sanitären Anlagen ändert sich daher nichts." Doch in seiner Ausgestaltung bleibe der "Wurm" nicht so, wie er sich jetzt präsentiere. Er erhalte, wie Müller sagte, zwei "Durchbrüche" oder "Durchgänge" - und zwar deshalb, um allen Besuchern, die von Westen auf das Strandbad zukommen, durch "den Wurm" einen Blick auf den Chiemsee zu eröffnen.

Zu Ende geht der neue Weg dann in der Stippelwerft - und zwar, so die Idee, am Hafencafé. Der Spaziergänger erhalte die Möglichkeit, in die Werft zu schauen. Er bekomme interessante Einblicke, die Arbeit jedoch behindere er nicht. Denn die Betriebsanlagen der Werft bleiben nach Angaben der beiden Landschaftsarchitekten weiterhin für die Öffentlichkeit geschlossen.

Neben einem Weg durch das Strandbad enthält das Ideenkonzept auch einen Außenbereich am Seeufer für die Badegäste des Prienavera. Möglich sei, so die Landschaftsplaner, in einigen Metern Höhe einen Steg anzulegen, der unmittelbar vom Hallenbad am Pavillon vorbei über den neuen Weg der Fußgänger zu einem eigenen abgeschirmten Bereich am Ufer führt.

Über die Diskussion berichten wir gesondert.

pü/Chiemgau-Zeitung

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