Geigelstein-Jubiläum festlich begangen

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Schleching - Seit 20 Jahren gibt es das Naturschutzgebiet Geigelstein mit 3000 Hektar nun schon - Grund genug für eine Festveranstaltung auf der Priener Hütte.

Mit der Verordnung vom 6. Mai 1991 hat der damalige Regierungspräsident Raimund Eberle das Naturschutzgebiet Geigelstein ausgewiesen. „3000 Hektar einmalige Kultur- und Naturlandschaft um den Chiemgauer Blumenberg in den Gemeindegebieten von Schleching und Aschau im Chiemgau sind nach zähem Ringen mit Befürwortern, Gegnern und Behörden aus besonderem Grund unter Schutz gestellt worden,“ hieß Bürgermeister Werner Weyerer, Aschau, vor der Priener Hütte die Gäste zum ökumenischen Festgottesdienst und zu den Festansprachen willkommen.

Bürgermeister Josef Loferer, Schleching, vertrat die Belange der Almwirtschaft, die viel für den Erhalt der Kulturlandschaft geleistet habe und durch die Beweidung die Flächen freihalte. Als das Naturschutzgebiet auf die Almbauern zukam, habe es Höhen und Tiefen gegeben. Seither sei jedoch keine Alm aufgelassen worden und es gäbe ein gutes Miteinander. Leider sei der für die Bewirtschaftung der Rossalm wichtige Rossalmweg nicht zustande gekommen. Loferer appellierte an die Almbauern und ihre Familien zum Weitermachen und an die Unterstützung durch die Behörden.

Den Festgottesdienst hielten die katholischen Pfarrer Johannes Palus, Aschau, mit Klaus Wernberger, Unterwössen und Schleching, sowie die evangelischen Pfarrer Ekkehard Purrer, Marquartstein und Hans-Jürgen Müller, Aschau. Nach der Lesung aus dem Buch Genesis zum Turmbau zu Babel, ging Pfarrer Palus auf die Irrwege und den Hochmut der Menschen ein. „Immer wieder setzen sich im Großen und Kleinen partikuläre Interessen einzelner durch, obwohl wir alle wissen, dass wir nur gemeinsam überleben können, auch nur im Frieden mit der Natur, die nicht ausgebeutet werden darf wie ein Materiallager. Wir sägen seit Jahrzehnten gehörig auf dem Ast, auf dem wir sitzen. Pfarrer Purrer lass aus dem 104. Psalm und Pfarrer Müller erinnerte an ein Erlebnis mit einem Diavortrag zum Geigelstein auf der Priener Hütte. Die musikalische Gestaltung der Messe übernahmen die Aschauer Alphornbläser sowie Konrad Anner (Flügelhorn), Schleching, und Erich Gawlik (Basstrompete), Aschau.

„Geigelstein - 20 Jahre Naturschutzgebiet, hier reichen sich Liebe zur Heimat, Schönheit der Landschaft, Bewahrung der Schöpfung die Hand,“ sagte Ministerialrat Franz Bichlmeier, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, der die Festansprache hielt und bereits 1991 die Regierung von Oberbayern am Geigelstein vertrat. So friedlich wie heute, sei die Stimmung nicht immer gewesen. Es habe schon vor der Ausweisung stürmische Zeiten und Meinungsverschiedenheiten gegeben. Die ersten Befürchtungen hätten sich aber schnell gelegt, nachdem vor allem die Bürgermeister festgestellt hatten: „Das Naturschutzgebiet ist jetzt da, machen wir das Beste daraus“.

20 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein

Viele kleinere und größere Projekte und Vorhaben wurden angegangen und dort, wo möglich, umgesetzt. „Ich habe dabei das Engagement beider Gemeinden, der Landratsämter, der zuständigen Landwirtschafts- und Forstämter, vor allem aber auch der Almleute schätzen und in gewisser Weise auch verstehen gelernt,“ so Bichlmeier. „Eine für den Roßalmbauern befriedigende Lösung haben wir nicht erreicht, hier waren die Fronten zu starr. Selbst ein durchgehend 1,20 Meter breiter Weg unter Ausnutzung der bestehenden Wegetrasse von der Oberkaseralm bis zur Rossalm stieß auf großen Widerstand.“ Das Naturschutzgebiet Geigelstein in seiner Schönheit, Eigenart und Vielfalt zu erhalten, müsse uns Ansporn und Verpflichtung zugleich sein. Das Geigelsteingebiet sei von den Almbauern, den Waldbauern und Forstleuten geprägt. Die große Verantwortung liege in ihren Händen, dass dieses wunderschöne Gebiet auch zur Freude künftiger Generationen erhalten bleibt.

„Der Geigelstein gehört zweifellos zu den Juwelen unserer oberbayerischen Landschaft, wo sich Natur- und Kulturlandschaft untrennbar verwoben haben“, betonte auch Regierungspräsident Christoph Hillenbrand der Regierung von Oberbayern. Neben artenreichen Almwiesen finden sich dort die letzten Wildnisgebiete unserer Heimat. Neben den Befürwortern für die Ausweisung als Naturschutzgebiet habe es anfangs viele kritische Stimmen gegeben. Der Regierungspräsident zitierte die Aussage des Almbauern Sebastian Pertl, wonach das Naturschutzgebiet Geigelstein mit bedeutend mehr Vorteilen für die extensive Land- und Almwirtschaft verbunden sei, als zunächst angenommen.

Die Regierung von Oberbayern hat auf vier Seiten in ihre Broschüre „Natur. Vielfalt. Oberbayern“ Informationen über den Schutz der biologischen Vielfalt in Oberbayern zum Jahr der Biodiversität dargestellt. Darin mach die Regierung auch klar, was Almbauern für den Erhalt der Landschaft, für die Artenvielfalt und für die Erholungssuchenden leisten.

Schließlich kamen die Landräte von Traunstein und Rosenheim, Hermann Steinmaßl und Josef Niederhell zu Wort, wobei Steinmaßl mit einem Meterstab zeigte wie wenig breit der gewünschte Rossalmweg geworden wäre. Unter den Gästen waren außerdem der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner und Behördenvertreter. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Traunstein vertrat Wolfgang Selbertinger. Er hatte mit Altbürgermeister Fritz Irlacher, Vorsitzender des „Ökomodell Achental“, den Festakt mit Fotos zur Flora und Fauna des Geigelsteins bereichert. Die Tiroler Seite vertrat Bürgermeister Stefan Mühlberger, Kössen. Für Forst und Jagd waren Betriebsleiter Paul Höglmüller, Forstbetrieb Ruhpolding, und Revierförder Felix Wölfl, Aschau, mit Jägern gekommen. Die Bergwacht Sachrang sorgte für den Transport vieler Gäste und des Materials. Bürgermeister Weyerer sprach allen Helfern ein herzlichen Vergelt’s Gott aus, insbesondere dankte er der Wirtin der Priener Hütte Cornelia Fellner für die herzliche Aufnahme sowie Herbert Reiter und Josef Hell der Touristik-Informationen Aschau-Sachrang und Schleching für die hervorragende Vorbereitung der Festveranstaltung.

bre

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