Die Geister scheiden sich

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Übersee - Die Gemeinde Übersee nimmt weiter Kurs auf einen Neubau des Kindergartens St. Irmengard. Beim Planentwurf scheiden sich allerdings die Geister.

Im Auftrag der Kommune hat das Architekturbüro Hirner & Riehl aus München eine Planung erstellt. Die Reaktionen in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates fielen sehr unterschiedlich aus. Rund 90 Minuten gingen die Meinungen von "super" und "geeignet" bis zu "gewöhnungsbedürftig" und "indiskutabel". Einig war man sich nur über die zu hohen Kosten. Nun soll weiter verhandelt werden.

Bürgermeister Marc Nitschke erläuterte die Ausgangslage: "Der Altbau des Kindergartens soll saniert und in eine Kinderkrippe umgebaut werden. Der so genannte Neubau muss dagegen wegen erheblicher Baumängel abgerissen und durch einen Neubau für drei Gruppen ersetzt werden."

Architekt Martin Hirner vom gleichnamigen Büro, dessen Arbeitsschwerpunkt das Bauen für Kinder ist, hatte in seiner Planung den Neubau an die Westseite des lang gezogenen Grundstücks gelegt, um die Funktion des abzureißenden Gebäudes so lange wie möglich zu erhalten.

Der Baukörper ist kein glatter Rechteckbau, sondern besteht aus einzeln aneinander gereihten Gebäuden, die treppenartig versetzt und für die drei Gruppen strukturiert sind. Auch die Dachstruktur ist einzeln abgesetzt und leicht verschachtelt. Die Häuser haben keinen Keller, dafür aber zwei große Abstellräume. Die Gebäude sind ebenerdig, haben unter dem Dach jedoch noch jeweils eine Spielgalerie pro Gruppe. Die Häuser sollen in einer Breitsperrholz-Bauweise hergestellt werden und aus großen, von einem Zimmerer vorgefertigten Holzplatten bestehen, die vor Ort zusammengeschraubt werden.

Der Clou der Planung ist die Passivbauweise des Gebäudes, die durch eine gezielte Reduzierung der Wärmeverluste sowie interne Wärmequellen eine "normale" Heizung überflüssig macht. Lediglich für sehr kalte Wintertage sei eine kleine Restheizung nötig, so der Planer. Zwar sei das Passivhaus etwa zehn bis 15 Prozent teurer als ein konventionelles Haus, dafür fielen kontinuierlich weniger laufende Kosten an.

Neben sieben Besucherstellplätzen ist der Freiflächenplan in drei Bereiche aufgeteilt. Zu den Terrassen vor dem Neubau ist eine große Fläche als Spielwiese für Ballspiele konzipiert. Der dritte Teil des Gartens ist als Aktions- und Gerätebereich mit einem integrierten Wasserspielbereich gedacht.

Der Baubeginn könnte laut Hirner im Frühjahr 2011 und die Fertigstellung Anfang 2012 sein.

Mit der Nennung der Kosten von etwa zwei Millionen Euro, die Hirner "an der untersten Grenze liegend" und "ohne Luxus" bezeichnete, traf er dann den Nerv der Gemeinderäte.

Zwar gefalle ihm die Planung, die Kosten seien aber entschieden zu hoch, so Nitschke in einer ersten Reaktion. Man habe mit etwa 400.000 Euro pro Gruppe, also mit maximal 1,2 Millionen Euro gerechnet. Da die Gemeinde zwei Drittel abzüglich zustehender Fördermittel von 430.000 Euro zahlen müsse, wären laut Nitsche von der Gemeinde noch knapp eine Million Euro zu schultern.

An der Architektur schieden sich die Geister. Während die schärfste Kritik von Gnadl kam ("passt überhaupt nicht zu uns"), gefiel sie Schönberger grundsätzlich nicht, Wolfgang Hofmann (Bayernpartei) fand sie "gewagt" und Paul Reichl (CSU) "gewöhnungsbedürftig". Dagegen gefiel Erika Stefanutti (FBL) die Anlage, Toni Stefanutti fand sie sogar "perfekt" und Rudroff plädierte dafür, mit der Zeit zu gehen.

Architektur sei immer Geschmackssache, räumte Hirner ein, "aber wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert". Er habe sich alles sehr genau überlegt und die Charakteristik des Ortes mit ihren Streusiedlungen aufgenommen und in eine moderne Form übertragen.

Mit allem zufrieden war lediglich Toni Stefanutti (Bündnis 90/Die Grünen), dem besonders die Spielplatzanlage gefiel: "Hier werden die Kinder gefördert und gefordert." Auch die Bauweise als "Passivhaus" sei zukunftsgerecht.

vd/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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