Warum Wasser jetzt teurer ist

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Prien - Seit Anfang dieses Monats ist das Wasser teurer, das aus Priener Hähnen und Duschköpfen kommt. Die Stadt nutzt die zusätzlichen Einnahmen für Investitionen.

Der Kubikmeter kostet 98 Cent, 27 mehr als bisher. Mit den Einnahmen will und muss die Gemeinde ihr Leitungsnetz weiter stückweise sanieren.

Fast 70 Rohrbrüche mussten die Mitarbeiter von Bauhof und Wasserwerk heuer schon reparieren. Die Kosten summierten sich auf eine Viertelmillion Euro, schilderte Bürgermeister Jürgen Seifert in der Bürgerversammlung (wir berichteten bereits). "Ein Beweis dafür, dass wir lange noch nicht fertig sind", und "billig ist manchmal teuer", umschrieb er die Gefahr von Folgekosten, wenn am unterirdischen Material gespart wurde und in Zukunft würde.

450000 Euro hat der Markt Prien demnach heuer schon in seinem Wasserleitungsnetz verbaut und Seifert zufolge über zwei Kilometer neue Leitungen verlegt.

"Wenn wir sparen wollen, müssen wir investieren", kommentierte er die Ausgaben. Als messbaren Erfolg gab er den Rückgang der Wasserverluste durch undichte Leitungen im Untergrund auf 30 Prozent in den vergangenen vier Jahren an. Damals habe die Zahl der Rohrbrüche mit rund 100 pro Jahr noch höher gelegen als heute.

"Tragen Sie diese Investitionen mit und ich verspreche Ihnen, dass wir dieses Problem mittelfristig beheben werden", appellierte er ans Publikum im großen Kursaal.

Neben den Verbrauchsgebühren hatte der Marktgemeinderat vor Monaten auch die Grundgebühr für Frischwasser von 48 auf 60 Euro jährlich (für die gängigen Hauszähler) angehoben. Auch die Kanalgebühr ist zum 1. November gestiegen. Für die Einleitung von Schmutzwasser werden jetzt 1,76 Euro pro Kubikmeter in Rechnung gestellt (bisher 1,52). Ursache ist hauptsächlich die steigende Umlage, die der Markt Prien an den Abwasser- und Umweltverband Chiemsee zahlen muss, der wiederum das Geld braucht, um den in die Jahre gekommenen Ringkanal in Schuss zu bringen. An der Grundgebührschraube für die Kanalisation drehte der Rat nicht.

Internationales Vorzeigekonzept

Wasser und Kanal sind sogenannte kostenrechnende Einrichtungen. Kommunen dürfen sich an ihnen nicht bereichern, aber auch nicht draufzahlen. Alle vier Jahre müssen die Gebühren neu kalkuliert werden. In die Rechnung fließen viele Faktoren ein, unter anderem Erfahrungswerte und absehbare Sanierungskosten.

Zu den fast unsichtbaren, aber wichtigen Einrichtungen der Wasserversorgung gehören auch die Hochbehälter, in denen das kostbare Nass zwischengespeichert wird. Die neuartige Methode, die der Markt Prien vor Jahren bei deren Sanierung für die langfristig haltbare Verkleidung der Innenwände angewandt hatte, hat Folgen. Wassermeister Tobias Kollmannsberger, der für die Planung maßgeblich war, sei jetzt von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil eingeladen worden, ihn auf einer Auslandsreise nach Israel und in die Türkei zu begleiten, um sein Konzept vorzustellen, berichtete Seifert nicht ohne Stolz.

In jüngster Vergangenheit hat der Markt Prien verstärkt versucht, Sanierungsarbeiten zu kombinieren. Zum einen ging er dazu über, löchrige Straßen großflächiger und dauerhafter herzurichten, statt nur die Schlaglöcher zu stopfen. Und er versuchte, gleich Leitungen und Kanäle zu erneuern, wenn eine Straße ohnehin aufgerissen wurde.

Bestes Beispiel für diese Vorgehensweise heuer war die Ernsdorfer Straße, die auf einer Länge von 700 Metern ab der Abzweigung der Spitzsteinstraße nahe der Bahnunterführung erneuert wurde. Zudem wurden die Arbeiten nicht an Fremdfirmen vergeben, sondern selbst geplant und durchgeführt. "Das hat uns 100000 Euro gespart", rechnete Seifert vor.

Der neue Bagger, den die Kommune für 60000 Euro für solche Zwecke angeschafft habe, habe sich allein durch die erste Maßnahme schon eineinhalbmal amortisiert.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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