Gemeinderat rudert zurück

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Diese steile Treppe ins Eichental ist eines der letzten Relikte des früheren Priener Trimm-dich-Pfads. Fotos

Prien - Die Kritik an "Müllermilch" wurde zu laut: Der Marktgemeinderat hat am Mittwochabend den Beschluss seines Bauausschusses aufgehoben, im Eichental einen Fitness-Parcours mit Geräten dieses Sponsors zu bauen.

Stattdessen soll versucht werden, den alten Trimm-dich-Pfad neu zu gestalten. Nach der Entscheidung des Ausschusses war vermehrt Kritik am potenziellen Sponsor Müller laut geworden.

Im Mai hatte der Bauausschuss mit sieben zu zwei Stimmen beschlossen, einen Parcours mit Geräten im Wert von gut 25.000 Euro einzurichten. Die Priener Tourismus GmbH (PTG) hatte bei einem Wettbewerb, den der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ausgeschrieben hatte, als einer von fünf bayerischen Orten den Zuschlag bekommen. Die Molkerei "Müller" zahlt die Geräte, die Gemeinde stellt den Platz zur Verfügung - so stellte sich der Handel seinerzeit dar.

Gegen das Vorhaben stimmten damals Landwirt Georg Fischer (CSU-Fraktion/parteilos) und Alfred Schelhas (SPD), allerdings ohne ihre Ablehnung zu begründen.

In der Folge meldeten sich immer mehr kritische Stimmen zu Wort. Schnell wurde klar: Hätten die Ausschussmitglieder mehr Informationen und Hintergründe gekannt, wäre die Entscheidung anders ausgefallen. Bürgermeister Jürgen Seifert setzte den Beschluss aus.

Im Marktgemeinderat nahm er es am Mittwoch "auf meine Kappe", den Beschluss auf die falsche Tagesordnung gesetzt zu haben. Denn der Ausschuss hat lediglich baurechtliche Fragen zu bewerten, trifft aber keine politischen Grundsatzentscheidungen.

Der morsche Baumstamm nahe der "Pauslruhe" gehörte zum alten Trimm-dich-Pfad. Er war dazu gedacht, ihn beidbeinig mehrfach zu überspringen.

Das holte der Marktgemeinderat nun nach - mit nur einer Gegenstimme. Wirtschafts- und Tourismusreferent Klaus Löhmann (CSU) wollte mit dem Nein seine Verärgerung darüber zum Ausdruck bringen, dass Teile des Gremiums die Schuld vor allem PTG-Geschäftsführer Ferdinand Reb zuschreiben wollten. Namentlich hatten Werner Waap (BfP) und Tobias Ihm (MDfP) dessen Herangehensweise kritisiert.

Sponsor-Vertrag kam erst später

Bürgermeister Jürgen Seifert und seine Stellvertreterin Renate Hof (CSU) nahmen den Tourismuschef in Schutz. Seifert betonte mehrfach, dass der Wettbewerb von der DOSB ausgeschrieben war und die Vertragsunterlagen mit den Bedingungen für das Sponsoring von "Müllermilch" zum Zeitpunkt der Bauausschusssitzung noch nicht vorgelegen hätten.

Inhalte dieser Vereinbarung wurden mit dem Verweis auf die Vertraulichkeit in der öffentlichen Sitzung am Mittwoch nicht angesprochen.

Vor allem in weiten Teilen der Landwirtschaft wird scharfe Kritik am Geschäftsgebaren der Molkerei geübt. Bundesweit Aufsehen erregt hatte unter anderem 2008 ein Spruch des Bundesgerichtshofs, der der Umweltschutzorganisation "Greenpeace" gestattete, weiterhin Müllermilchprodukte als "Gen-Milch" zu bezeichnen.

Der Marktgemeinderat folgte nun einem Antrag der SPD-Fraktion, den diese vier Wochen nach der Bauausschussentscheidung formuliert hatte. Das Sponsoring von "Müller" wird abgelehnt. Stattdessen soll versucht werden, mit lokalen und regionalen Sponsoren den alten Trimm-dich-Pfad im Eichental wieder herzurichten.

Schelhas berichtete, dass er in seiner Eigenschaft als Sportreferent der Gemeinde bereits mit den drei örtlichen Kliniken Kontakt aufgenommen habe. Eine habe Unterstützung zugesagt, unter der Bedingung, dass diese nicht politisch ausgeschlachtet werde. Eine zweite hat ihre Hilfe in Aussicht gestellt, die dritte habe sich noch nicht geäußert.

db/Chiemgau-Zeitung

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