Info-Veranstaltung in Grabenstätt

25 weitere Asylbewerber sollen in den Pfarrkindergarten 

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der gemeindliche Geschäftsleiter Peter Lex (von links), Marcus Dieplinger, Leiter des Sachgebietes Immobilien und Liegenschaften im Landratsamt Traunstein, und Bürgermeister Georg Schützinger bei der Info-Veranstaltung „Asyl- und Flüchtlingssituation in Grabenstätt“.

Grabenstätt - Sehr gut angenommen wurde die Informationsveranstaltung „Asyl- und Flüchtlingssituation in der Grabenstätter Schlossökonomie. 

Die Bürger nutzten die Möglichkeit, um mit Fachleuten über die Herausforderungen bei der Bewältigung der Flüchtlingsproblematik zu diskutieren. Bereits im vergangenen Mai gab es eine erste Informationsveranstaltung zu diesem Thema.

Dass das Thema „Asyl- und Flüchtlingssituation in Grabenstätt“ die Gemeindebürger bewegt, zeigte sich auch auf der sehr gut besuchten Informationsveranstaltung mit Fachleuten in der Schlossökonomie. Bevor man aber in die Diskussion einstieg, hatte Marcus Dieplinger, der Leiter des neu geschaffenen Sachgebietes Immobilien und Liegenschaften im Landratsamt Traunstein, über die aktuelle Situation berichtet und keinen Hehl daraus gemacht, dass auf den Landkreis und seine Gemeinden noch gewaltige Herausforderungen bei der Bewältigung der Flüchtlingsproblematik zukommen werden. Auch Bürgermeister Georg Schützinger sprach eingangs von „der größten Aufgabe seit der Wiedervereinigung“, die sicherlich zehn Jahre in Anspruch nehmen werde und die man nur gemeinsam schultern könne.

Wie Dieplinger ausführte, rechne der Bund in diesem Jahr mittlerweile mit einer Million Flüchtlingen. Mit 1597 Asylbewerbern, darunter 1150 in dezentralen und 312 in zentralen Unterbringungen sowie 135 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (Stand: 1. Dezember) befände sich der Landkreis Traunstein hinter der Stadt München und den Landkreisen München, Rosenheim und Fürstenfeldbruck in Oberbayern an fünfter Stelle. Die für Ende des Jahres ausgegebene Sollprognose für den Landkreis liege Dieplinger zufolge sogar bei 2839 Asylbewerbern.

In Grabenstätt seien aktuell nur zehn Asylbewerber untergebracht, die Sollquote liege für Ende 2015 aber bei 71 und für Ende 2016 bei 148 Asylbewerbern.

Wie Schützinger anmerkte, rechne man in der Gemeinde zeitnah mit weiteren 25 Asylbewerbern, die man in Absprache mit der Pfarrei und der Kirchenverwaltung für zunächst einmal ein Jahr im alten Pfarrkindergarten St. Maximilian unterbringen wolle. „Das Gebäude steht leer und es ist kurzfristig keine weitere Nutzung vorgesehen“, freute sich der Rathauschef über die glückliche Fügung. In puncto Radonbelastung, wegen der die alten Kindergartenräumlichkeiten im Oktober 2013 vorsichtshalber geschlossen worden waren, konnte Entwarnung gegeben werden. „Wir haben fünf Wochen lang bei extremen Bedingungen in 26 Räumen Untersuchungen durchgeführt und lediglich an vier Messstellen ist der Referenzwert von 300 Becquerel überschritten worden“, betonte Kirchenpfleger Maximilian Wimmer. Die Bereitstellung der Räumlichkeiten im ersten Stock des alten Kindergartens (über dem Pfarrsaal) nehme Schützinger zufolge ein wenig Druck vom Kessel, dennoch sei die Erfüllung der diesjährigen Sollprognose kein realistisches Ziel. Es werde sich im nächsten Jahr etwas auftun, da sei man sich in der Gemeindeverwaltung ganz sicher. „Ein leerstehendes Bauernhaus mit drei Stockwerken wäre natürlich ein Traum“, so der Rathauschef.

Asyl-Infoveranstaltung in Grabenstätt

Wie Schützinger anmerkte, rechne man in der Gemeinde zeitnah mit weiteren 25 Asylbewerbern, die man in Absprache mit der Pfarrei und der Kirchenverwaltung für zunächst einmal ein Jahr im alten Pfarrkindergarten St. Maximilian unterbringen wolle. „Das Gebäude steht leer und es ist kurzfristig keine weitere Nutzung vorgesehen“, freute sich der Rathauschef über die glückliche Fügung. In puncto Radonbelastung, wegen der die alten Kindergartenräumlichkeiten im Oktober 2013 vorsichtshalber geschlossen worden waren, konnte Entwarnung gegeben werden. „Wir haben fünf Wochen lang bei extremen Bedingungen in 26 Räumen Untersuchungen durchgeführt und lediglich an vier Messstellen ist der Referenzwert von 300 Becquerel überschritten worden“, betonte Kirchenpfleger Maximilian Wimmer. Die Bereitstellung der Räumlichkeiten im ersten Stock des alten Kindergartens (über dem Pfarrsaal) nehme Schützinger zufolge ein wenig Druck vom Kessel, dennoch sei die Erfüllung der diesjährigen Sollprognose kein realistisches Ziel. Es werde sich im nächsten Jahr etwas auftun, da sei man sich in der Gemeindeverwaltung ganz sicher. „Ein leerstehendes Bauernhaus mit drei Stockwerken wäre natürlich ein Traum“, so der Rathauschef.

Die Frage von Schulleiterin Josephine Brunnhuber, ob die beiden Turnhallen der Gemeinde Bestandteil des Notfallplans der Regierung von Oberbayern seien, beantwortet Dieplinger mit einem vorsichtigen Nein. Die Turnhallen könnten aber in den Fokus geraten, wenn es mittelfristig nicht gelinge, in der Gemeinde geeigneten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, mahnte Schützinger an und erinnerte an seinen „dramatischen Aufruf“ bei den beiden Bürgerversammlungen. „Der Landkreis versucht beim Notfallplan keine Turnhallen in Beschlag zu nehmen“, aber es gebe für die Zukunft keine Garantie, räumte stellvertretender Landrat Andreas Danzer ein. Der Landkreis suche bewohnbare Wohnungen ohne größere Anforderungen, Beherbergungsbetriebe, gerne auch ehemalige Betriebe, und Grundstücke zur Bebauung, so Dieplinger. Bezahlt werde bei Mietwohnungen die ortsübliche Miete und bei Beherbergungsbetriebe eine Kopfpauschale für Unterkunft plus gegebenenfalls Verpflegung. Ansprechpartner für Grabenstätt sind im Landratsamt Florian Sachsenhammer und René Lentz, Telefon 0861/58-227, E-Mail akquise@traunstein.bayern.

Einen anschaulichen Einblick in die ehrenamtliche Arbeit des stetig wachsenden 27-köpfigen Grabenstätter „Helferkreises Asyl“, gab Bärbel Schuster. Auf verschiedensten Wegen versuche der Helferkreis den Asylbewerbern die Ankunft und den Alltag zu erleichtern und sie möglichst gut zu integrieren. Da die Flüchtlinge aus anderen Kulturkreisen mit anderen Gepflogenheiten kämen und eine andere Mentalität hätten, müsse man ihnen erst erklären, „wie sie den Müll zu trennen haben, dass man nicht mit dem Fahrrad auf die Autobahn fährt und man regelmäßig die Wohnung putzen muss“, betonte Schuster. „Unsere zehn männlichen Asylbewerber machen sich schon ganz gut, nur manchmal müssen wir noch etwas nachhelfen“, so Ariane Looshorn vom Helferkreis. „Sie werden von uns nicht gepampert“, versicherte Schuster. Sehr gut angelaufen seien die Deutsch-Kurse. Ein besonderer Dank gelte den Dorfbewohnern für die vielfältige Unterstützung, auch für die Sachspenden. „Asylbewerber dürften ohne Arbeitserlaubnis nicht für andere arbeiten, auch nicht ohne Entgelt“, beantwortete Andreas Danzer eine Besucherfrage. Annemarie Peter von der Asylsozialberatung der Diakonie Traunstein meinte, dass eine mögliche Arbeitsaufnahme durch Asylbewerber differenziert zu betrachten sei, je nachdem ob es sich um Probearbeit, Ausbildung oder reguläre Arbeit handle. Leider scheitere es in der Praxis oft an Sprachproblemen. 

Norbert Lohwieser wollte wissen, ob für den bald mit Asylbewerbern belegten alten Pfarrkindergarten ein Sicherheitsdienst installiert werde, der 24 Stunden präsent sei, denn „das können nette oder auch nicht so nette Leute sein, die da zu uns kommen“. Vom Landkreis sei Herr Blittgens für die Betreuung des Objekts zuständig, erwiderte Schützinger. Die Asylbewerber seien nicht haftpflichtversichert, beantwortet er eine Frage von Jochen Urbat zu den Pflichten der neuen Mitbürger. Man brauche die Solidargemeinschaft innerhalb des Landkreises, um eine gleichmäßige Verteilung zu ermöglichen und dadurch die gesellschaftliche Stabilität in den Gemeinden zu erhalten, appellierte Dieplinger. Die Schwierigkeit bei der Verteilung der Flüchtlinge liege auch darin, dass „wir selbst im Landratsamt erst drei Tage vorher erfahren, wer da zu uns kommt“. Ein Großteil der Asylbewerber stamme aus Afghanistan, Syrien, Pakistan und Irak sowie dem Senegal, Eritrea und Nigeria. 89 Prozent seien Männer, vor allem im Alter von 18 bis 29 Jahren. Das Asyl- und Flüchtlingsthema sei „ständig in Bewegung, jede Woche gibt es was Neues, dem müssen wir uns stellen, das ist nicht immer ganz einfach, aber wir sind ja lernfähig“, ließ Schützinger abschließend verlauten. mmü

Markus Müller

Zurück zur Übersicht: Grabenstätt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser