Hilfe für Angehörige

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Prien - Knapp 30 Frauen helfen seit dem vergangenen Jahr in Familien in Prien und Umgebung ehrenamtlich, demenzkranke Angehörige zu betreuen.

Immer öfter wenden sich Betroffene an Caritas und Diakonie, um zumindest zeitweise solche Unterstützung von außen zu bekommen. Deshalb beginnt demnächst ein neuer Kurs, in dem wieder "Pflegepartner" ausgebildet werden.

Angelika Kolm aus Bad Endorf und Gisela Mayer aus Rottau sind zwei der knapp 30 Frauen, die das Kursprogramm mit 40 Einheiten - der Umfang ist gesetzlich so vorgeschrieben - 2010 durchlaufen haben und seitdem Demenzkranke betreuen. Für Mayer war die Pflege ihres inzwischen verstorbenen Vaters, für Kolm eine ähnliche Tätigkeit in einer Einrichtung Basis und Motivation, "PflegePartner" zu werden, berichteten sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl sind nach Überzeugung der beiden Frauen wichtige Grundvoraussetzungen, in einer zunächst fremden Familie einen kranken Menschen zu betreuen. Art und Umfang hängen individuell von den Bedürfnissen der Hilfesuchenden und der Schwere der Erkrankung ab.

Mayer kümmert sich immer am gleichen Wochentag zu festgelegten Zeiten um eine alte, bettlägerige Dame, bei Kolm sind die Zeiten sehr flexibel. Auch die Betreuung muss da sein, denn der Zustand der Kranken kann sich schnell ändern - von Tag zu Tag. "Man muss sich mit den Angehörigen auseinandersetzen", umschreibt Mayer eine wesentliche Bedingung für den Beginn der Betreuung. Es gilt, Besonderheiten, Vorlieben, Lebensläufe und einiges mehr zu ergründen. So findet ihr Schützling großen Gefallen daran, wenn Mayer mit ihr singt und die "Pflegepartnerin" merkt an Lippenbewegungen oder dem Versuch, sich zu artikulieren, dass sie ihrem Schützling eine Freude macht.

Kolm wiederum geht mit der Seniorin, die an Alzheimer leidet und um die sie sich kümmert, zum Beispiel immer den gleichen (Lieblings-)Weg spazieren und hört dabei immer die gleichen Geschichten und Erinnerungen. "Ich weiß vorher schon, was kommt."

Meist ist es ein "Schrei um Hilfe", wenn sich Familien bei Regina Seipel von der Caritas melden. Die Angehörigen sind berufstätig, müssen Behördengänge erledigen, Arztbesuche machen oder sich schlichtweg um die Kinder kümmern - die Zeit und mitunter auch das Geld reichen nicht, einen kranken Angehörigen selbst so zu betreuen, wie es die Krankheit erfordert, oder ihn in die Obhut einer festen Einrichtung zu geben. Deshalb würden die "PflegePartner" als "Retter" gesehen, keinesfalls als Eindringlinge, berichtet Seipel. Sie vermittelt die Kontakte zwischen Familien und Helfern. "Es muss ein großes Maß an Sympathie da sein zwischen allen Beteiligten." Entscheidend sei dann, "das richtige Maß zwischen Distanz und Nähe zu finden".

Das Bewusstsein über die Vielschichtigkeit von Demenz wird den Betreuern wie vieles andere in der Schulung vermittelt. So weiß Mayer beispielsweise und hat die Erfahrung auch selbst gemacht, dass sie keine Fragen stellen sollte, weil die Kranken vieles nicht mehr wissen. Und Kolm hat ähnliche Erfahrungen. Sie muss sich der Dame, die sie pflegt, zum Beispiel jedesmal neu vorstellen.

Die "PflegePartner" bekommen eine stündliche Aufwandsentschädigung von 7,50 Euro, die Seipel zufolge bis zu einer Höchstgrenze von 2100 Euro im Jahr steuerfrei ist.

Am Mittwoch, 2. Februar, ist um 9 Uhr im katholischen Pfarrheim von Prien eine unverbindliche Informationsveranstaltung zu dem Kurs, der im Februar beginnt und dessen Einheiten immer mittwochs von 9 bis 12 Uhr durchgeführt werden.

Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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