Immer mehr Ganztagsschüler

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Prien - Immer mehr Eltern können sich nicht mehr jeden Tag um ihren Nachwuchs kümmern, auch wenn sie gerne möchten - Hilfe bietet die Diakonie.

Es sind beileibe nicht nur Alleinerziehende, die mehr als früher arbeiten müssen, um finanziell über die Runden zu kommen, und die froh über Angebote sind, bei denen sie die Betreuung ihrer Kinder zumindest tageweise in die Obhut von qualifiziertem Personal geben können. Immer öfter kommt dabei in Prien die Diakonie ins Spiel.

Als der Markt Prien vor Jahren dem Diakonischen Werk Rosenheim die personelle Verantwortung für den Jugendtreff "Teestube" am Seestraßenkreisel übertrug, konnte niemand voraussagen, wohin die Reise gehen wird. Die Lebensverhältnisse vieler Menschen - auch im Schulsprengel zwischen Sachrang und Eggstätt - haben sich seitdem zum Teil einschneidend verändert. Immer seltener werden die Haushalte, wo zumindest ein Elternteil nachmittags immer zuhause ist. Die Schulen tragen dem Rechnung, indem sie neue Betreuungsangebote schaffen oder vorhandene noch weiter ausbauen.

Betreuung für LTGler und Realschüler

Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) und Realschule Prien bieten mit dem neuen Schuljahr erstmals gemeinsam Nachmittagsbetreuung an, am Förderzentrum und an der Grundschule steigt die Zahl der Anmeldungen für solche Gruppen kontinuierlich an, berichtet Gitti Plank.

Einstmals "nur" Leiterin der "Teestube", ist sie inzwischen Bereichsleiterin für Jugend- und Schulsozialarbeit (die sie seit drei Jahren gemeinsam mit Maren Welkener leistet) sowie Betreuungsangebote der Diakonie. Der Vorteil dieses Konzepts liegt in der Vernetzung: Ob in schulischen Projekten, in betreuten Gruppen oder Jugendtreffs - oft tauchen die gleichen Gesichter auf und die Mitarbeiter der Diakonie können aufeinander abgestimmt gezielt mit ihren Schützlingen arbeiten.

Vor allem der gestiegende Bedarf für Betreuung für Fünftklässler aus dem LTG, Fünft- bis Achtklässler aus der Realschule sowie Förderschüler bringt es mit sich, dass das Diakonische Werk sein Personal aufstockt. Nachdem Jürgen Schmidt, bisheriger Mitarbeiter des Jugendtreffs, gekündigt hat, um sich beruflich zu verändern, gibt es mit Beginn des neuen Schuljahres viele neue Gesichter in Jugendarbeit und Schülerbetreuung.

Zweimal drei Stunden sind das Minimum

Letztere heißt offiziell offene Ganztagsschule. Offen deshalb, weil es den Eltern freigestellt ist, an wievielen Wochentagen sie ihren Nachwuchs für wie lange anmelden. Zweimal drei Stunden wöchentlich werden zwar als Minimum vorausgesetzt, dafür ist die Betreuung nach einer Gesetzesänderung im vergangenen Jahr für die Eltern kostenlos.

Nur das Mittagessen, das in Gruppen gemeinsam verzehrt wird, muss bezahlt werden. Es ist laut Plank eine von drei Säulen des Gesamtkonzepts. Die zweite ist die Hausaufgabenbetreuung in kleinen Gruppen mit etwa zwölf Kindern, die aber keine Nachhilfe sein könne und wolle, betont die Fachfrau.

Nicht zuletzt sollen sportliche und kreative Angebote die Kinder fördern. Welche das im Einzelnen sein werden, hängt noch davon ab, wie sich die Gruppen nach Schuljahresbeginn zusammenfinden und welche Möglichkeiten an den einzelnen Schulen zur Verfügung stehen.

Aber Plank möchte dabei die Stärken ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen. Neu im Team sind die studierte Sozialpädagogin Kristina Malinger, eine Bernauerin, die am LTG ihr Abi und in der "Teestube" Praktikum gemacht hat, sowie Erzieher Dominik Stöllner. Beide werden sowohl gemeinsame Ganztagsgruppen von LTG und Realschule betreuen als auch die "Teestube". In der offenen Ganztagsschule werden sie von der Priener Sportpädagogin Elke Czarnecki unterstützt und von Felix Rothmer, der sein zweites Vorpraktikum im Rahmen der Ausbildung zum Erzieher absolviert.

Im Förderzentrum, das mit dem neuen Schuljahr ins frühere Goethe-Institut umzieht, kümmert sich Eva Schönberger im zweiten Jahr federführend um die Betreuung der Schüler am Nachmittag bis 17 Uhr. Sie wird von zwei Lehrkräften unterstützt. Hier ist die Diakonie noch auf der Suche nach personeller Verstärkung.

"Teestube" öffnet künftig später

Förderzentrum und die neue Mittelschule (bisherige Franziska-Hager-Hauptschule) haben neben der offenen (in der Mittelschule wird diese von der Arbeiterwohlfahrt betreut) auch so genannte gebundene Ganztagsklassen. Das sind solche, bei denen die Teilnahme über das ganze Schuljahr durchgehend verpflichtend ist.

Am LTG haben deutlich mehr Klassen durch die Einführung des achtstufigen Gymnasiums (G8) Nachmittagsunterricht.

Weil unterm Strich immer mehr Kinder und Jugendliche immer länger in den Schulen sitzen, ob im Unterricht, in offenen oder "gebundenen" Ganztagsklassen, macht es Plank zufolge Sinn, auch die Öffnungszeiten der "Teestube" den verändertren Gegebenheiten anzupassen. In Abstimmung mit der Marktgemeinde wird der Jugendtreff ab dem neuen Schuljahr erst um 15.30 Uhr aufmachen. Dafür ist er mittwochs bis freitags dann jeweils bis 21 Uhr geöffnet, montags und dienstags bis 18 Uhr.

Auch hier will die neue Mannschaft der Diakonie kreative und sportliche Angebote neu entwickeln. Zunächst muss aber der Start des neuen Schuljahres mit vielen räumlichen und strukturellen Veränderungen zeigen, wie der Bedarf ist und wo die Bedürfnisse der jungen Leute liegen.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Rubriklistenbild: © pa

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