Ising: Schüler bauen antikes Geschütz

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Ising/Chieming - Zehn Schüler des LSH Ising wurden mit ihren zwei Lehrkräften weltberühmt. Sie bauten ein antikes Geschütz nach:

Unzählige Stunden hatten sie in den vergangenen sechs Monaten im Keller des Landschulheims Schloss Ising an ihrem antiken Geschütznachbau vom Typ Orsova getüftelt, gewerkelt und gebastelt und dabei viel Energie und Herzblut in ihr ambitioniertes P-Seminar-Projekt gesteckt, die zehn 16- bis 20-jährigen Gymnasiasten und ihre beiden Lehrer Marcus Altmann und Kurt von Kiesling. Umso größer war die Freude, als sie an Allerheiligen eine Einladung zu einem wissenschaftlich begleiteten Schusstest samt Pressekonferenz am rund 700 Kilometer entfernten niedersächsischen Harzhorn erhielten. Um den Termin am 23. November auch einhalten zu können, mussten fortan sogar Nachtschichten eingelegt werden.

Bis zuletzt sei es nicht sicher gewesen, ob die Feuertaufe glücken würde, räumte Geschichtslehrer Altmann ein. Die Bedenken wurden nicht geringer, als man erst gegen drei Uhr morgens am Harzhorn eintraf und vier Stunden später schon wieder der Wecker klingelte. Die Zeit drängte, denn um zehn Uhr vormittags hieß es „auf zum Gefecht“. Neben den Geschütznachbauten der Universitäten Osnabrück und Trier und der Bundeswehruniversität Hamburg errichteten auch die Isinger Schüler ihr imposantes knapp 200 Kilogramm schweres und 1,90 Meter hohes Feldgeschütz.

Die Spannung stieg von Minute zu Minute, der Showdown rückte immer näher. Schauplatz war ein Waldstück, das von den Wissenschaftlern mit Bedacht ausgewählt worden war. Im einstigen Germanen-Land am Harzhorn fanden Archäologen und Sondengeher nämlich rund 1800 überwiegend militärische Fundstücke, die von einem blutigen Gefecht zwischen Germanen und Römer im Jahr 235 nach Christus zeugen. Mit vernichtendem und zweifelsohne traumatischem Ausgang für die kampferprobten und furchtlosen Germanen, denn der waffentechnischen Überlegenheit der Römer hatten sie letztendlich nichts entgegenzusetzen. Doch warum konnte man rund 250 Jahre nach der für Rom so vernichtenden Varusschlacht nicht mehr von einem Duell auf Augenhöhe sprechen?

Dieser Frage wollten die Wissenschaftler, Studenten und Schüler mit ihren nachgebauten Geschützen auf den Grund gehen. Als die ersten Geschosse im Blitzlichtgewitter der zahlreich erschienen Medienvertreter mit geschätzten 250 Stundenkilometern abflogen und sich mit roher Gewalt bis zu zehn Zentimeter in die Baumstämme bohrten, wurde den Isinger Schülern erst so richtig bewusst, welchen Alptraum die Germanen durchlebt haben mussten. Insgesamt schossen die Isinger neun Projektilspitzen ab, bis zu drei pro Minute waren möglich. Die anwesenden Wissenschaftler um den provinzialrömischen Archäologen Günther Moosbauer mutmaßten, dass die damalige Schussentfernung bei 150 Metern gelegen haben dürfte. Zwei hintereinander stehende Germanen hätten mit einer einzigen Bolzenspitze durchbohrt werden können.

„Beim Schießen haben wir vom riesigen Medienauflauf kaum was mitbekommen, weil wir total auf unser Geschütz fokussiert waren“, blickte Schülerin Tarfa Bachan zurück. Anders sei es dann bei der Pressekonferenz gewesen. Lehrer Altmann ist davon überzeugt, dass die Römer mit den Geschossen sogar Entfernungen von 300, vielleicht sogar 400 Metern überbrücken konnten. Dies wolle man zu einem späteren Zeitpunkt testen. Mit ihrem besonders großen Geschütz erregten die Isinger sogar die Aufmerksamkeit des „Stern“ und von N24. Getoppt wurde dies noch durch ein Foto in der Onlineausgabe der „Washington Post“.Was für eine Überraschung, was für ein Riesenerfolg.

„Wir möchten uns ganz besonders bei den regionalen Handwerksbetrieben Daxenberger, Knott, KFZ-Betrieb Erwin Huber und Holzgroßhandel Hilmar Grau bedanken, die uns kostenlos Material zur Verfügung gestellt haben“, betonte Altmann. Ohne deren Unterstützung wäre das Projekt nicht in der Weise umsetzbar gewesen. Beim Bespannen der beiden Kambestrien habe man beispielsweise mongolisches Rosshaar benötigt, weil es dem antiken Pferdehaar von der Beschaffenheit am ähnlichsten sei. Ein besonderer Dank gelte auch Prof. Dr. Burkhard Meißner (Bundeswehruniversität Hamburg), Prof. Dr. Christoph Schäfer (Universität Trier), Professor Dr. Günther Moosbauer (Universität Osnabrück), Planungszeichner Hans Berg, den Helfern Jörn Wallschlag, Hans Lukas, Karl-Heinz Unger, Thomas Herdegen und Matthias Ziereis, Berufsschülern aus Ising und München und den Isinger Hausmeistern. Die Geschütze wurden von der Varus-Gesellschaft gesponsert.

Isinger Schüler bauen antikes Geschütz

Wie es hieß, soll das Isinger Geschütz von der hiesigen Römergruppe „Bedaienses“ in Zukunft bei historischen Festen präsentiert werden. Wer weiß, vielleicht entwickelt es sich ja zu einem ähnlichen Zuschauermagneten wie das antike Flusskriegsschiff „Victoria“, das im Sommer die Hauptattraktion der Seebrucker Römerwochen „Vivat Bedaium“ gewesen war. Die Projekt-Idee sei bereits vor etwa einem Jahr gereift, erzählt Lehrer von Kiesling. Nach der theoretischen Vorarbeit, „haben wir vor etwas sechs Monaten mit der praktischen Arbeit begonnen“.

Mangels Überlieferung musste das Geschütz aus den wenigen archäologisch belegten Teilen, darunter metallene Spannkammern und oberer Quertraverse, in mühevoller Kleinarbeit aus Eschenholz rekonstruiert werden. Planungszeichner Hans Berg hatte die Vorarbeit geleistet. Um das Projekt erfolgreich zu vollenden, waren technischer Sachverstand und handwerkliches Geschick genauso gefragt wie Kreativität, Fleiß und Ausdauer. „Meine Schüler haben freiwillig viel Freizeit geopfert“, lobte Altmann. Es sollte sich auszahlen.

Pressemitteilung Landschulheim Schloss Ising

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