30 Jahre mit vielen "Aufs und Abs"

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SCIW-Vereinsvorstand Herbert Knott (links) und Joerg von Hoermann, Vorsitzender des Bayerischen Seglerverbandes.

Bernau/Fraueninsel - Die Jubiläumsfeier fand im Gasthof "Linde" auf Frauenchiemsee statt, dem gebührenden Rahmen für einen Segelclub "mitten auf dem Chiemsee".

114 Mitglieder zählt der Segelclub Irschener Winkel Chiemsee (SCIW) zum 30. -Geburtstag.

Und die Vorgeschichte, die damals zur Vereinsgründung führte, ist wahrlich ungewöhnlich.

Bis 1979 war der Irschener Winkel in Bernau ein idyllisches Paradies mit zahlreichen Segelbooten, die friedlich an ihren Bojen dümpelten. Im Laufe der Jahre hatte die Zahl der Bojen immer weiter zugenommen, so dass eines Nachts die Gemeinde Bernau und das Landratsamt Rosenheim zahlreiche Bojen entfernten. Auf Betreiben eines Betroffenen wurde durch das Landgericht Traunstein bestätigt, dass diese Aktion nicht rechtmäßig war und zumindest die genehmigten Bojen wieder einzusetzen waren.

Hinter diesem einen Betroffenen standen viele, und das war die Geburtsstunde des SCIW. Aus dem Zweckbündnis der heimatvertriebenen Bojenlieger entwickelte sich mit der Zeit ein Segelclub mit einem doch regen Vereinsleben, der den Bau und die Genehmigung zweier Stege erreichte, um die einstmaligen Bojenlieger aufzunehmen. Ein Wermutstropfen war jedoch die Befristung der Stege für nur zehn Jahre, und Segler leben bekanntlich sehr schnell, somit waren die Jahre um wie im Fluge.

Im Jahr 1997 nun musste auf Anordnung des Landratsamts der westliche Steg aufgelöst werden, ein Teil der Segler suchte "Zuflucht" im Gemeindehafen Bernau. Trotzdem konnte mit hohem Engagement das Vereinsleben auch an zwei Standorten aufrecht erhalten werden.

Seitdem lebte der Verein bis heute von Jahr zu Jahr mit der Unsicherheit einer geduldeten, aber nicht dauerhaft genehmigten Steganlage. Erst jetzt, im Jahr des 30-jährigen Bestehens, sagte das Landratsamt zu, mindestens 30 Liegeplätze im Irschener Winkel dauerhaft zu genehmigen, und die Heimat des SCIW scheint endlich gesichert.

Wenn auch das Damoklesschwert der gänzlichen Auflösung des noch verbliebenen Steges fast beständig über dem SCIW schwebte, wurden "kleine Traditionen" beibehalten und neue begründet. Eine mittlerweile "Kleine Tradition" ist zum Beispiel der Segeltag mit behinderten Kindern der Orthopädischen Kinderklinik Aschau. Zum 25. Mal in diesem Jahr werden körperlich und teilweise geistig behinderte Kinder in See stechen, werden zu Kapitänen auf Zeit, um eine kleine andere Welt zu erleben. "Rollstuhlfahrer, Behinderte auf einem Segelboot, geht das?", werde oft gefragt. Und in der Tat: Engagement und Einfühlungsvermögen ermöglichen vieles.

"Neue Tradition" könnte auch der Herbstausflug des SCIW werden. Ausflüge zum Törggelen nach Südtirol und Städtereisen nach Wien und Prag standen auf dem Programm. Zum achten Mal geht es heuer unter dem Motto "der SCIW geht fremd" nach Südtirol.

Für die 30-Jahr-Feier wurde ein würdiger Rahmen gewählt: mitten auf dem Chiemsee, im Gasthof Linde auf der Fraueninsel. Kein Regen trübte die äußeren Bedingungen und so war die Veranstaltung mit der Ehrung langjähriger Mitglieder und einem zünftigen Seglerhock ein voller Erfolg.

Grußworte des BSV-Präsidenten Joerg von Hörmann, der auch auf die bislang kritische Lage für den SCIW einging, und des Bernauer Bürgermeisters Klaus Daiber, rundeten die Veranstaltung ab.

So konnte Vereinsvorstand Herbert Knott den Mitgliedern für die nächsten 30 Jahre viel Glück, den Vorständen weise Entscheidungen und den Seglern allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel wünschen.

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