Knalleffekt durch Kanone

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Über 100 Jahre alt ist die Böllerkanone, die Michael Feßler zu besonderen Anlässen zündet.

Prien -Verdutzt waren die Besucher kürzlich bei der Eröffnung des Seefestes auf den Schären: Wie gewohnt schossen die Böllerschützen der Königlich Privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) Prien das Fest an. Doch dem folgte ganz unerwartet ein mächtiges Krachen.

Ausgelöst wurde es vom Juniorchef der Chiemsee-Schifffahrt, Michael Feßler, auf einer uralten Böllerkanone.

Es war allerdings nicht das erste Mal, dass diese Böllerkanone in letzter Zeit zum Einsatz kam, wie Feßler im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung erzählt. Standesgemäß zum Geburtstag von König Ludwig II. hatte Feßler auf ihr schon einmal ein feierliches Salut geschossen. Und auch privat trug sie schon zu einem gelungenen Neujahrsanschießen bei.

Beileibe nicht jedermann darf mit der Böllerkanone schießen. Michael Feßler musste dazu eigens eine eintägige Kanonierprüfung ablegen.

Und das ist die Geschichte der Böllerkanone. Sie hielt ihren "Dornröschenschlaf" in einem alten Nebengebäude des jetzigen Hotels "Luitpold". Wie sie dorthin gekommen war, weiß Michael Feßler nicht. 1980 wurde seine Familie auf die "alte Dame" aufmerksam.

Die Feßlers erlösten sie aus ihrem unwürdigen Schattendasein und brachten sie ins Priener Heimatmuseum. Dort genoss sie einen beschaulichen "Lebensabend" und wurde zudem von den Besuchern bestaunt. Das hatte sich die "Kanonen-Seniorin" wahrlich verdient. Musste sie doch bereits um das Jahr 1900 bei diversen Feierlichkeiten "herhalten" - nachweislich unter anderem auch beim Stapellauf des ersten Raddampfers "König Ludwig" auf dem Chiemsee.

Im Jahre 2003 holte Michael Feßler die Kanone wieder aus dem Heimatmuseum. Er brachte sie zur Böllerfertigung von Hermann Schillinger in Vachendorf bei Traunstein. Der Böller-Fachmann prüfte das gute Stück auf "Herz und Nieren" und brachte es auf den neuesten technischen Stand. Vor allem musste der aktuelle Sicherheitsstandard gewährleistet sein.

Wann genau die Böllerkanone angefertigt wurde, ist nicht bekannt. Lediglich, dass sie aus einer Rosenheimer Kanonenfabrik stammt, wie in einer Gravur zu lesen ist. Wahrscheinlich war sie dort für den Einsatz im Ersten Weltkrieg angefertigt worden. Doch dieses Schicksal ist ihr anscheinend erspart geblieben.

Da geht es der "Seniorin" bei Michael Feßler doch weitaus besser. Hier kann sie in Ruhe auf den nächsten Einsatz warten. Ihr Besitzer wird sich dazu wieder traditionsgemäß in die Lederne "werfen" und das alte Stück mit Kartuschen und Böllerpulver "füttern". Genauso, wie es die Mitglieder der Königlich Privilegierten Feuerschützengesellschaft mit ihren Kanonen tun.

Im Moment aber "frisst" sie gar nichts. Ganz brav genießt sie ihren Ruhestand in der Garage von Michael Feßler. Aber insgeheim freut sie sich doch darauf, wieder einmal zum Einsatz zu kommen. Dann, wenn Michael Feßler den nächsten Salut auf ihr abfeuert. Und es wird ihr gar nichts ausmachen, wenn er dabei ein paar Leute erschreckt.

Chiemgau-Zeitung

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