Landratsamt stoppt Baumfällaktion

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Prien - Um sechs neue Bauparzellen auszuweisen, begann die Gemeinde gestern mit einer Baumfällaktion - und rief prompt Bürgerproteste und das Landratsamt auf den Plan.

Das Bebauungsplanverfahren zur Ausweisung von sechs Bauparzellen östlich des Hauses für Kinder Marquette, mit deren Verkauf die Gemeinde einen Teil des Neubaus der Einrichtung finanzieren möchten, ist noch in einem frühen Stadium, da hat die Marktgemeinde Prien gestern mit einer Baumfällaktion just in diesem Areal Nachbarn und in der Folge die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim auf den Plan gerufen.

Die Arbeiten wurden zwar unverzüglich eingestellt, nachdem die Rosenheimer Behörde im Priener Rathaus nachgefragt hatte, gleichwohl waren zu diesem Zeitpunkt schon zahlreiche, zum Teil über zehn Meter hohe Bäume gefällt. Die Gemeinde sprach auf Anfrage von einem "Kommunikationsprobem".

Auslöser war nach Aussage eines Mitarbeiters der Bauverwaltung die Anfrage eines Landwirts, Büsche und Sträucher an der Ostgrenze des "Marquette"-Areals zurückzuschneiden, weil die wuchernden Pflanzen die Arbeit auf seinem Grund behindern. Ein reiner Rückschnitt der Büsche und Sträucher bis an die Grundstücksgrenze hätte wohl auch ohne Genehmigung erfolgen dürfen, obwohl das gesamte Areal im Bereich der Chiemseeschutzverordnung liegt, also im Landschaftsschutzgebiet.

Nach Auskunft aus dem Rathaus war der Rückschnitt in überschaubarem Rahmen als solcher auch von einem Mitarbeiter an den Bauhof vergeben worden. Trotzdem wurden gestern auch an der Südseite des Areals, angrenzend an die Häuser "Am Bründl", auf einer Länge von gut 20 Meter zahlreiche größere Bäume gefällt - also genau dort, wo die Gemeinde gern Bauparzellen ausweisen möchte.

Zwei Nachbarn informierten am Vormittag die Naturschutzbehörde, die wiederum umgehend mit der Gemeinde Kontakt aufnahm. Die Arbeiten wurden daraufhin kurz vor 11 Uhr eingestellt.

Während die Nachbarn mutmaßten, dass hier vollendete Tatsachen im Zuge des Bauvorhabens von Seiten der Gemeinde geschaffen werden sollten, sprach die Gemeinde von einem "Kommunikationsproblem" beziehungsweise einem "Missverständnis zwischen zwei beteiligten Mitarbeitern". Dessen genaue Ursache war auf Nachfrage nicht zu klären, da nicht alle beteiligten Mitarbeiter gestern im Dienst waren. Für die Aktion im Landschaftsschutzgebiet hätte der Markt Prien im Vorfeld eine Genehmigung bei der Naturschutzbehörde einholen müssen

Wie berichtet, hat die Marktgemeinde Ende vergangenen Jahres ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet mit dem Ziel, am südlichen Rand des "Marquette"-Areals sechs Parzellen für Einfamilien- und Doppelhäuser auszuweisen. Der Verkaufserlös soll zur teilweisen Finanzierung des "Marquette"-Neubaus dienen, der mit insgesamt 2,4 Millionen Euro veranschlagt ist. 1,17 Millionen Euro davon sind als Zuschüsse avisiert.

Bedenken und Anregungen aus der vorzeitigen Bürgerbeteiligung des Bebauungsplanverfahrens sollen voraussichtlich in der Märzsitzung behandelt werden, hieß es gestern aus dem Rathaus.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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