Landwirtschaftsminister Brunner auf der Hochalm

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Auf der Piesenhauser Hochalm links der Vorsitzender des AVO Georg Mair neben dem Bayerischen Staatsminister für Landwirtschaft, Ernährung und Fordern Helmut Brunner.

Schleching - Die Hauptalmbegehung ist neben den Almbauerntagen eine der wichtigesten Zusammenkünfte der Almenwirtschaft. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner war zu Gast.

Die Hauptalmbegehung über mehrere Almen eines Gebietes ist in jedem Jahr neben dem Almbauerntag, heuer am 8. und 9. Oktober ebenfalls in Schleching, die wichtigste Zusammenkunft des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) für die Almbauern. Die Almbegehung mit rund 600 Almleuten über vier Almen, an denen jeweils Reden anstanden und Rast gemacht wurde, führten der Vorsitzende des AVO Georg Mair und Landwirtschaftsdirektor Michael Hinterstoißer, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Miesbach, Sachgebiet Almwirtschaft. Der Bayerische Staatsminister für Landwirtschaft Ernährung und Forsten Helmut Brunner, erwartete die Almleute auf der Piesenhauser Hochalm.

Zur ersten Station, der Vorderdalsenalm mit Weidenau in 900 Metern Höhe brachten RVO-Busse die Teilnehmer. Der Hochsommertag versprach eine wunderbare, aber heiße Bergwanderung. Der Weg führte über die Hinterdalsenalm zur Hofbauernalm im Almgebiet von Aschau, wo unter anderem Regierungsvizepräsident von OberbayernUlrich Böger sprach. Etwa drei Stunden dauerte die Querung von der Hofbauernalm zur Kampenwand mit Blick auf die Möslarnalm und entlang der Südseite der Kampenwand oberhalb der Weideflächen der Steinberg- und Landerhauseralm bis zur Piesenhauser Hochalm. Der schmale Steig mit vielen Auf- und Abstiegen forderte volle Aufmerksamkeit und Ausdauer. Die schwierigsten Wegstücke hatten vorher Almleute und der Forst besser begehbar gemacht.

Alle Almen der Hauptalmbegehung sind in einem ausführlichen Faltblatt beschrieben. Sie liegen in einer Höhenlage zwischen 900 und 1.500 Metern. Die meisten Lichtweiden haben durchschnittlich jeweils rund 50 Hektar und werden je von etwa 50 überwiegend Jungrindern beziehungsweise Kalbinnen und einigen Kühen beweidet. Die Almleute jeder Station stellten ihre Alm, Auftrieb, Weidezeit und Senner/in vor und sorgten bestens für das leibliche Wohl. Leider blieb nicht genügend Zeit, die herrliche Bergwelt jeder Alm ausreichend zu genießen.

Die Begrüßung der zahlreichen Honoratioren aus Ministerien und Behörden sowie der Ehrengäste auf der Vorderdalsenalm teilten sich der AVO-Vorsitzende Mair und Landwirtschaftdirektor Hinterstoißer. Pfarrer Josef Kreuzpointner wählte für die kurze Andacht, auch für die verstorbenen Almleute, ein „Vater Unser“, das besonders auf die Schöpfung einging. Die Schlechinger Alphornbläser trugen musikalisch zur Bergstimmung bei. Bürgermeister Josef Loferer betonte die Bedeutung der Almbegehung, die nach 18 Jahren wieder über Schlechinger Gebiet führte.

Hauptalmbegehung in Schleching

„Durch die Änderung des Waldgesetztes vom 6. August 2010 wurden widersprüchliche Rechtsvorschriften angepasst und staatliche Überreglementierungen abgeschafft,“ sagte Mair in seiner Rede auf der Vorderdalsenalm. Der Gesetzgeber habe in ausgewogener Weise den Erfordernissen der Waldwirtschaft, des Waldschutzes, der Landwirtschaft und der Ökologie Rechnung getragen. Landwirtschaftlich genutzte und inzwischen digitalisierte Flächen, die weniger als 40 Prozent beschirmt waren, unterliegen nicht mehr den Vorgaben des Waldgesetzes. Die Befürchtungen, dass nun großflächig abgeholzt werde, sei unbegründet. Der lose lichtbeschirmte Charakter dieser Flächen müsse erhalten bleiben. Etwa 70 Prozent der Almflächen seien außerdem als FFH(Fauna-Flora-Habitat)-Gebiet oder Biotope ausgewiesen und unterlägen damit dem Erhaltungsgebot.

Paul Höglmüller, Betriebsleiter Forstbetrieb Ruhpolding und Mitglied der Weiderechtskommission, zu dessen Verantwortungsbereich 60 Almen mit 35 Hektar Almfläche und 28 Hektar Wald gehören, betonte das gute Auskommen. Die Konflikte nach der Trennung von Wald und Weide würden sich in Grenzen halten.

Zweites großes Thema war der „Wolf“ im Weidegebiet. Mair wies auf die Schäden mit 40 Schafen im vergangenen Jahr hin. Der AVO habe inzwischen eigene Recherchen in der Schweiz und in der Lausitz mit Wolfserfahrung angestellt. Nach einhelliger Einschätzung sei ein friedliches Nebeneinander im dichtbesiedelten Alpengebiet nicht möglich. Schutzmaßnahmen, wie die Einzäunung oder Behirtung, seinen mit hohem Aufwand verbunden und bei kleinen Herden nicht zumutbar. Die Wiederansiedlung des Wolfes werde sehr einseitig betrachtet und gefährde den Fortbestand der extensiven Weidehaltung massiv. Brigitte Regauer, Almbäuerin im Rotwandgebiet und wolfsgeschädigt, Mitarbeiterin im Wildtiermanagement des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, schilderte später auf der Hofbauernalm eindringlich die Probleme mit dem Wolf.

Dr. Maria Kau, Leiterin Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Traunstein, stellte die vielseitige Landwirtschaft im Landkreis Traunstein mit 65.000 Hektar landwirtscher Fläche und 2.787 landwirtschaftlichen Betrieben vor. Im Berggebiet des Landkreises liegen 170 bestoßene Almen, die von über 200 Almbauern bewirtschaftet werden. In einem gemeinsamen INTERREG IV-Projekt „Almen der Bayerisch-Salzburger Kalkalpen“ arbeiten die Landkreise Traunstein und Berchtesgaden mit Salzburg zusammen, um wissenschaftliche Unterstützung für das Fortbestehen der Sommerweidewirtschaft und bessere Argumente für die notwendige Förderpolitik zu erhalten.

Nachdem die zahlreichen Steigungen bis zur Piesenhauser Hochalm endgültig überwunden waren, nannte der Bayerische Staatminister für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Brunner eine aktive Berglandwirtschaft unverzichtbar für den Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft im Alpenraum. „Mit ihrer oft schweren Arbeit erhalten die Bergbauern nicht nur die Alpenregion als Wohn-, Erholungs- und als Wirtschaftsraum, sie schaffen und pflegen damit auch wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere“. Offene Almen seien entscheidende Grundlage für den Tourismus im Alpenraum. Die Berglandwirtschaft sei wegen der schwierigen Produktionsbedingungen jedoch auf Unterstützung angewiesen. „Wir werden daher auch in Zukunft unsere Berggebiete nicht schutzlos dem Wettbewerb auf den globalisierten Agrarmärkten aussetzen.“ Zusammen mit neun weiteren Alpenregionen setze sich Bayern derzeit dafür ein, dass in Brüssel die richtigen Weichen für einen zukunftsorientierte und zielgerichtete Bergbauernpolitik der EU nach 2013 gestellt werden. Der Freistaat unterstütze die Alm- und Alpwirtschaft mit einem ganzen Paket an Maßnahmen, von der Ausgleichszulage über das Kulturlandschaftsprogramm, speziellen Ausbildungsangebote bis hin zum neuen Bayerischen Bergbauernprogramm. In Bayern wurde in den vergangen 40 Jahren keine der rund 1.400 Almen und Alpen mehr aufgegeben, dies sei ein eindeutiger Beleg, dass hier die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt werden. Zu den weiteren Rednern auf der Hochalm gehörten Bärbel Höhn, ehemalige Landwirtschaftsministerin Nordrhein-Westfalen, die die Hauptalmbegehung begleitet hatte, und Klaus Steiner Mitglied des Landtags.

Inzwischen war der blaue Himmel einem dunklen Grau über dem Geigelstein und der Kampenwand gewichen. Die Bergwacht aus Schleching, Grassau und Aschau, die mit Fahrzeugen und persönlicher Begleitung für einen gesicherten Ablauf sorgte, brachte Staatsminister Brunner und Bärbel Höhn zurück ins Tal. Den übrigen Almwanderern stand noch der Abstieg entlang der Hochplatte zur Oberauer-Brunstalm bevor, wo kurz vor dem Ziel das befürchtete Gewitter seine Schleusen öffnete. Zum Glück sind Bergbauern wetterfest. Viele fanden in der Alm im Hag Platz. Nachdem Konrad Anner und Franz Glanz mit ihren Flügelhörnern die Wanderer bereits kurz vor der Kampenwand empfangen hatten, spielten sie jetzt mit der „Almkirta Musi“ im Kaser auf. Beim letzen Abstieg ins Tal zum Oberauer in Mühlau wurden alle nass. Dort fanden die Gäste genügend Platz im Trockenen, wurden von den Schlechinger Bäuerinnen gut bewirtet und von den „Danzlkrainern“ musikalisch unterhalten. Die Schlussbesprechung viel dem Wetter zum Opfer.

bre

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