"Leuchtturm" für Radler

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Chiemsee - Fast 40 Prozent der Deutschen wollen künftig noch mehr radeln. Aber 37 Prozent fühlen sich auf den bestehenden Wegen nicht sicher.

Der Freistaat und die Anliegergemeinden rund um den Chiemsee nehmen jetzt rund neun Millionen Euro in die Hand, um die Route rund ums Bayerische Meer attraktiver und sicherer zu machen (wir berichteten bereits).

Einmal war es richtig knapp, als Regierungspräsident Christoph Hillenbrand beim symbolischen Spatenstich in Rimsting-Aiterbach das ehrgeizige Gesamtprojekt vorstellte. Eine Gruppe Radler kam ums Eck und kriegte im wahren Sinn des Wortes gerade noch die Kurve ums Rednerpult. "Ich hoffe, es gefällt Ihnen bei uns", rief Hillenbrand den Touristen hinterher.

Immer wieder schlängelten sich Radwanderer durch die über 100 geladenen Ehrengäste - ein Bild mit Symbolcharakter, denn die Trennung von Radlern und Fußgängern, wo immer es geht, ist das zentrale Ziel des Projekts.

Zwar hatten einige Gemeinden, zum Beispiel Gstadt und Breitbrunn, vor Jahren schon in Teilbereichen neue Trassen für Radler geschaffen, aber der anhaltende Radlboom sorgte dafür, dass es auf dem Rundweg von Jahr zu Jahr enger wurde. Ohne gute Haftpflichtversicherung, wie es ein Redner beim Spatenstich umschrieb, war eine Tour im Sattel am Bayerischen Meer an manchen Tagen kaum noch verantwortbar.

Ende 2006 setzten die neun Anliegergemeinden ein Landkreis übergreifendes Signal. Unter dem Dach des Abwasser- und Umweltverbandes (AZV) Chiemsee gaben sie eine Neuplanung in Auftrag. Welche Bedeutung dem Rundweg für die Tourismusregion auch an höherer Stelle beigemessen wird, dokumentierte die Regierung von Oberbayern, als sie für das Vorhaben im Herbst 2007 eine eigene Projektgruppe einrichtete.

Sie half mit, vielfältige Interessen unter einen Hut zu bringen. Grundeigentümer mussten überzeugt, Belange des Naturschutzes berücksichtigt, Straßenbauämter eingebunden werden und vieles mehr. Die meiste Überzeugungsarbeit leistete unzweifelhaft Marlene Berger-Stöckl, die Umweltbeauftragte des AZV, bei unzähligen Sitzungen und Ortsterminen. Ihr nimmermüdes Werben für den neuen Rundweg brachte ihr beim Spatenstich denn auch mehrfach Lob und Beifall.

Marlene Berger-Stöckl, die AZV-Umweltbeauftragte, mit Regierungspräsident Christoph Hillenbrand.

Applaus erntete auch Hillenbrand, als er AZV-Vorsitzendem Josef Mayer einen 4,3 Millionen Euro schweren Förderbescheid übergab. Das ist die Zuschusssumme für insgesamt 39 Einzelmaßnahmen in den neun Anliegergemeinden. Die Kommunen müssen nun ihre Anteile möglichst in den Haushalten 2010 und 2011 unterbringen, damit diese Bauvorhaben Zug um Zug verwirklicht werden können. Ergänzt wird das Gesamtpaket durch fünf Ausbaumaßnahmen an Staatsstraßen, die bisher auf 660.000 Euro veranschlagt sind und komplett vom Freistaat finanziert werden. Außerdem ist die Planung für eine neue Alzbrücke in Seebruck angelaufen, um auch dieses Nadelöhr zu entschärfen.

"Genuss statt Stress" soll der Rundweg künftig bieten, gab AZV-Chef Mayer als Losung für alle Bemühungen aus. Am Ende soll ein "Paradebeispiel für umweltfreundlichen Naturtourismus" stehen. Hillenbrand umschrieb ihn "neubayerisch" als "interkommunalen Leuchtturm". Der Regierungspräsident nahm das Landkreis übergreifende Vorhaben auch zum Anlass, eindringlich an die Protagonisten zu appellieren, in Sachen Tourismus grundsätzlich einen "ideellen Ring" zu schmieden.

Auch CSU-MdL Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher im Landtag, rief mit Blick auf die angestrebte Fusion der beiden Verbände Chiemsee-Alpenland und Chiemgau 2012, um die es zuletzt einige Unstimmigkeiten gegeben hatte, zur Zusammenarbeit auf. Mit dem Rundweg-Projekt verband er den Wunsch nach einem "starken Rückenwind für den Rad-Tourismus".

Nach den Worten von Florian Amann, Abteilungsleiter im Landratsamt Traunstein und Stellvertreter des verhinderten Landrats Hermann Steinmaßl, sieht auch der Landkreis Traunstein den Chiemsee als "Klammerfunktion zwischen den Landkreisen".

Diese zu stärken, ist nun Sache des AZV und seiner Mitgliedsgemeinden. Rimsting, die Heimatgemeinde des Vorsitzenden, geht mit gutem Beispiel voran. Auf ihrem Hoheitsgebiet wird in den nächsten Wochen die erste der 39 kommunalen Einzelmaßnahmen in die Tat umgesetzt. Dort wird auf gut 100 Metern Länge der bestehende Uferweg verbreitert.

Später sollen Radler von Aiterbach bis Hochstätt auf einem neuen Weg entlang der Straße fahren. Dieses Beispiel führte Rosenheims stellvertretender Landrat Josef Huber an, als er die "nachhaltigen Akzente" des Rundweg-Projekts lobte. Die Radler werden künftig für ein paar Meter mehr mit "beeindruckenden Ausblicken" belohnt und im Gegenzug das wertvolle Quellmoor rund um den alten Uferweg entlastet.

Mit dem Baubeginn hat der AZV sein selbst gestecktes Ziel noch nicht erreicht. Vorsitzender Mayer kündigte an, dass nun zusammen mit den Gemeinden ein einheitliches Beschilderungskonzept entwickelt und weitere begleitende Servicemaßnahmen angegangen werden sollen - "vom Fahrradständer bis zur Ruheoase".

re/Chiemgau-Zeitung

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Rubriklistenbild: © Thümmler

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