Lorenz Kollmannsberger ist tot

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Lorenz Kollmannsbergers Wort hatte auch bei den Großen in der Politik Gewicht, wie hier beim damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (links).

Prien - Einer der verdientesten Politiker Priens ist tot. Altbürgermeister und Ehrenbürger Lorenz Kollmannsberger verstarb überraschend gestern Vormittag im Alter von 68 Jahren.

24 Jahre lang prägte er als Erster Bürgermeister die Entwicklung der Marktgemeinde und darüber hinaus. Kollmannsberger war bis zuletzt in zahlreichen Ehrenämtern engagiert, vielfach in verantwortlicher Position. Die Nachricht vom plötzlichen Tod Kollmannsbergers verbreitete sich gestern Mittag wie ein Lauffeuer. Viele seiner Weggefährten aus Politik, Vereinen und Institutionen reagierten bestürzt und fassungslos. Kollmannsberger war vor kurzem wegen Herzproblemen in ärztlicher Behandlung gewesen. Trotzdem kam sein Tod völlig überraschend.

Auch nach dem offiziellen Ende seiner politischen Laufbahn als stellvertretender Rosenheimer Landrat im April 2008 hatte er sich vielfältig engagiert und bis zuletzt weiter unermüdlich für die Belange der Chiemseeregion eingesetzt. "Keiner hat sich dem Thema Chiemsee so kompromisslos verschrieben", hatte sein persönlicher Freund und langjähriger Landrat Dr. Max Gimple die Verdienste des Verstorbenen schon bei dessen 60. Geburtstag im Jahr 2000 gewürdigt. Kollmannsberger war zum Beispiel auch der Motor beim Versuch, Schloss Herrenchiemsee zum Weltkulturerbe ernennen zu lassen. Sein Name ist außerdem untrennbar mit dem Bau des Chiemsee-Ringkanals in den 80er-Jahren verbunden.

Noch gestern Morgen hatte er mit der Redaktion der Chiemgau-Zeitung telefonisch den Zeitplan für den Besuch einer Delegation von Politikern aus Tirol am heutigen Mittwoch besprochen.

Er wurde am 7. November 1940 in Prien geboren. Nach dem Abitur studierte er Jura und eröffnete in seiner Heimatgemeinde eine Rechtsanwaltskanzlei.

Schon früh führte ihn sein Lebensweg in die Kommunalpolitik. 1967 trat er in die CSU ein und wurde schon bald in die Vorstandschaft des Ortsverbands gewählt, der er bis ins Frühjahr 2009 ununterbrochen angehörte. "Er war auch mitverantwortlich dafür, dass der Priener Ortsverband der mitgliederstärkste im Landkreis ist", sagte gestern Michael Anner senior. Der ehemalige Ortsvorsitzende kam mit Kollmannsberger 1972 in den Marktgemeinderat. Der Verstorbene wurde gleich Zweiter Bürgermeister und trat sechs Jahre später die Nachfolge von Franz Seebauer als Erster Bürgermeister Priens an.

Anner charakterisierte seinen langjährigen Weggefährten als "unermüdlichen Kämpfer für seine Ideen und Überzeugungen, der sich immer treu geblieben ist". Anner würdigte ihn auch als Mann mit Weitblick und Visionen. Die größten Meilensteine in der Entwicklung der Marktgemeinde während Kollmannsbergers Regierungszeit waren wohl der Bau des neuen Rathauses, des Sportparks und des Prienavera.

Bestürzung herrschte gestern auch beim Chiemsee-Tourismusverband, an dessen Spitze der Verstorbene über zwei Jahrzehnte lang stand. Sein steter Wille sei es gewesen, seine touristische "Chiemseefamilie" zusammenzuhalten. "Mit seiner Überzeugungskraft, seinem Charme und Witz sowie Vorwärtsdrang ist ihm dies - trotz mancher Widrigkeiten - immer wieder gelungen", sagte Klaus Daiber, Vorsitzender der Chiemsee Tourismus KG. Der Bernauer Bürgermeister sprach von einem "riesigen Verlust für die Region", die Kollmannsberger immer sehr am Herzen gelegen habe und für deren Weiterentwicklung er bis zuletzt entscheidende Fäden gezogen habe.

Er verliere "einen persönlichen Freund und der Verband seinen Gründervater", sagte der heutige AZV-Vorsitzende und Rimstinger Bürgermeister Josef Mayer. "Ohne Kollmannsberger gäbe es den AZV nicht in seiner heutigen Form." Der Verstorbene war von 1979 bis 2002 Vorsitzender des Verbands und wurde danach zum Ehrenvorsitzenden ernannt. "Seiner Weitsicht ist es zu verdanken, dass sich die Chiemseegemeinden bereits 1978 für das Projekt Ringkanal entschieden haben."

Mit Bestürzung und Trauer habe er die Nachricht von Kollmannsbergers Ableben aufgenommen, dessen Verdienste um den Landkreis Rosenheim man nicht vergessen werde, sagte Landrat Josef Neiderhell. Der Verstorbene saß 24 Jahre im Kreistag. "Seine reiche kommunalpolitische Erfahrung und sein großes Wissen befähigten ihn aber auch zu fruchtbarer Tätigkeit zum Wohle der sozial Schwächeren", so Neiderhell. Kollmannsberger war unter anderem Vorsitzender der "Rosenheimer Aktion für das Leben" und der "Vereinigung der Freunde von Herrenchiemsee".

Als "Vorbild für die junge Generation" charakterisierte der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner den Verstorbenen. Kollmannsberger habe "tiefgreifende und bleibende politische Spuren hinterlassen". Er habe sich immer 100-prozentig für die Gemeinschaft eingesetzt.

"Er war ein Kommunalpolitiker, der über seine Pflichten als Gemeindeoberhaupt hinaus vielseitige Aktivitäten an den Tag legte und dessen Name sogar in Münchner Regierungskreisen Beachtung fand", schrieben Priens Bürgermeister Jürgen Seifert und seine Stellvertreterin Renate Hof in einer gemeinsamen Würdigung.

Kollmannsberger sei ein Heimatliebhaber gewesen und habe ein ausgeprägtes Bewusstsein für Geschichte und Kultur gehabt sowie in großartiger Weise die Freundschaft zwischen Prien und seinen Partnerstädten gefördert. "Er war ein Vordenker und Vorantreiber mit Mut, Energie und Verantwortungsbereitschaft."

Für seine zahllosen Verdienste war Kollmannsberger unter anderem mit der Umweltmedaille des Freistaates Bayern, dem Bundesverdienstkreuz am Bande und der Kommunalen Verdienstmedaille in Silber ausgezeichnet worden.

Der Verstorbene hinterlässt seine Frau und drei Kinder mit Familien, darunter fünf Enkel.

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