Nach Anschlag: Neuer Bus für Priener Tafel

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Prien - 120 Familien sind jede Woche darauf angewiesen, dass sie von der "Chiemseer Tafel" mit Lebensmitteln versorgt werden. Dank eines neuen Busses jetzt kein Problem.

Kürzlich war dieser Dienst am Nächsten in Gefahr geraten, weil der ohnehin altersschwache Kleintransporter, mit dem die Lebensmittel eingesammelt werden, den Geist aufgab. Unbekannte hatten zweimal hintereinander Zucker in den Tank gefüllt!

Gönner, Spender und Sponsoren kamen zur Weihe des neuen Kleinbusses der Chiemseer Tafel durch Kaplan Konrad Roider (rechts).

Als Tafel-Organisatorin Andrea Pohl im katholischen Pfarrheim berichtete, warum der Kleinbus dann doch überraschend schnell den Dienst quittiert hatte, schüttelten viele der Zuhörer verständnislos den Kopf über die sinnlose Tat. Der Anlass, sich dort zu versammeln, war allerdings ein erfreulicher. Dank der Unterstützung zahlreicher Spender konnte die Caritas einen Nachfolger präsentieren.

Kaplan Konrad Roider segnete den weißen Ford Transit, den die Caritas gebraucht erstanden hatte. Ein "herzliches Vergelts Gott" sagte der Geistliche allen Spendern und den rund 60 Ehrenamtlichen, die sich Woche für Woche in den Dienst der Tafel stellen. "Nur so ist ein wirkliches Miteinander in unserer Gesellschaft möglich", lobte der Kaplan. Auch Pohl hatte zuvor schon die Rolle der vielen Freiwilligen gewürdigt, die "nichts anderes fordern außer dem Lohn, dass sie etwas Gutes tun dürfen".

Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas, hatte eingangs an den Grundgedanken der Tafeln erinnert: Sie bringe Wohlstand und Armut zusammen, umschrieb er das System. Bei der Chiemseer Tafel sind es aktuell 20 Lebensmittelgeschäfte und Bäckereien, die Waren kostenlos abgeben, die sie nicht mehr verkaufen, weil zum Beispiel das Haltbarkeitsdatum gerade abläuft. Helfer der Tafel sammeln sie mit dem Kleintransporter Woche für Woche ein. Dass dies nun mit einem neuen Fahrzeug möglich ist, hat die Caritas nicht nur Spendern aus ihrer regelmäßigen Haussammlung zu verdanken - 60 Prozent der Gelder, die dabei eingehen, bleiben beim Caritas-Zentrum Prien -, sondern vor allem zahlreichen Spendern.

Lehmann nannte namentlich die Rimstinger Turnerfrauen, den "Inner Wheel Club Chiemgau", den Lions- und den Rotaryclub Prien, die Priener Frauengruppe "WIR", die Frauenbund-Ortsverbände Prien, Rimsting, Frasdorf, die Frauengemeinschaft Gollenshausen, den Pfarrgemeinderat Wildenwart, die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee und weitere private Spender, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Seit mittlerweile sieben Jahren gibt es die Tafel in Prien, seit zwei Jahren eine zusätzliche Ausgabestelle in Bad Endorf. Die Chiemseer Tafel mit derzeit 120 Familien als Kunden gehört zu den wenigen ihrer Art, die neben der reinen Versorgung mit Essen als "einfacher, schneller und effektiver Hilfe" auch soziale Beratung durch Andrea Pohl und Regina Seipel anbietet.

Ein Großteil der Kunden sei auch nur zeitlich befristet auf die Hilfe der Tafel angewiesen, berichtete Pohl und wertete diesen Umstand als Beleg dafür, dass es gelingt, die Kunden in ihrem Bemühen zu unterstützen, langfristig ihr Leben wieder selbst meistern zu können.

Als Vertreter der Gemeinden, die mit Personalkostenzuschüssen für die hauptamtlichen Caritas-Mitarbeiter auch den Tafel-Betrieb mit- sichern, schlug Priens Bürgermeister Jürgen Seifert nachdenkliche Töne an. Er erzählte, wie ihm eine der Tafel-Helferinnen abgeraten hatte, als er einmal mit Essenspakete austeilen wollte, weil sich viele Kunden dann wohl geschämt hätten. "Wenn man sich dafür schämen muss, dass man arm ist, sagt das viel über unsere Gesellschaft aus. Schön, dass es Leute gibt, die ausscheren und helfen", sprach auch er den 60 ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeitern seine Anerkennung aus.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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