Statistik ohne Aussagekraft

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Rosenheim/Landkreis (OVB) - Ab kommenden Montag, 26. Oktober, beginnen in Bayern flächendeckend die Schutzimpfungen gegen die Neue Grippe. *Video-Umfrage*

Wer will, kann sich bei seinem Hausarzt gegen den H1N1-Virus immunisieren lassen. Nicht nur die Diskussion um Impfverstärker sorgt für Verunsicherung in der Bevölkerung. Auch die offizielle Statistik mit der Zahl der gemeldeten Fälle wirft mehr Fragen auf als sie Antworten gibt.

Auf der Internet-Seite des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit kann man sich täglich aktuell über die Zahl der offiziell bekannten Fälle für jede Region informieren. So waren gestern für die Stadt Rosenheim 49 Infektionen gemeldet, für den Landkreis Rosenheim wurden 288 Fälle genannt. Im Vergleich dazu: In München wurden offiziell 1109 Fälle gezählt, im Landkreis München waren es 399. In Traunstein dagegen sind nur 45 Infektionen bekannt.

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Auch in Bayern beginnt am Montag die Impfaktion. Gestern ließ sich schon mal Gesundheitsminister Markus Söder in München pieksen.

Die Vermutung, dass der Virus in der Region Rosenheim besonders kräftig wütet, lässt sich laut Staatlichem Gesundheitsamt Rosenheim nicht halten. Wie Amtsleiterin Dr. Irmgard Wölfl erläutert, haben Stadt und Landkreis Rosenheim zusammen fast annähernd so viele Einwohner wie der Landkreis München. Dort wurden 399 Fälle gezählt, in Stadt und Landkreis Rosenheim zusammen 337. "Das ist von den Fallzahlen her durchaus vergleichbar", so Wölfl. Im Vergleich zwischen der Landeshauptstadt mit 1,3 Millionen Einwohnern und der Region Rosenheim mit zusammen 310.000 Menschen liegen die Rosenheimer Zahlen etwas höher: Für München sind es 85,3 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, in Stadt und Landkreis Rosenheim 109,7. Wölfl hält solche Angaben aber für wenig aussagekräftig: "Ich kann nur davor warnen, zu viel in die Zahlen hineinzuinterpretieren", so die Leiterin des Gesundheitsamts. Die verschiedensten Faktoren würden eine Rolle spielen: das unterschiedliche Meldeverhalten von Ärzten, die unterschiedliche Bereitschaft von Patienten, einen Arzt aufzusuchen und die Zahl der veranlassten Labortests.

Warum allerdings im Landkreis Traunstein nur 62 Fälle gemeldet waren und im Landkreis Ebersberg 103, kann auch Wölfl nicht erklären. Natürlich hat man im Gesundheitsamt die Entwicklung aufmerksam verfolgt - und auch Ungewöhnliches bemerkt: "Auffällig war, dass nach dem Ende des Herbstfestes bei uns die Zahlen durch die Decke schossen", so Wölfl. Sie vermutet, dass dies mit der Rosenheimer Wiesn zusammenhängt, wo viele Menschen auf engstem Raum zusammenkamen und das Ansteckungsrisiko entsprechend hoch war. Allerdings spiele sicher auch das Ende der Ferien eine Rolle. Mittlerweile ist dieser starke Anstieg abgeschlossen. Die Zahlen steigen weiter, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.

Wölfl betont aber nachdrücklich, dass die offizielle Statistik wenig Aussagekraft über die Verbreitung der Neuen Grippe hat: "Die Dunkelziffer ist gewaltig." Von den Symptomen her lasse sich eine saisonale Grippe von der Neuen Grippe nicht unterscheiden. Wahrscheinlich suchen viele Menschen, die sich mit dem H1N1-Virus infiziert haben, gar nicht den Arzt auf, weil sie glauben, die übliche Herbstgrippe zu haben und kurieren ihre Krankheit mit den üblichen Mitteln aus. Eindeutig nachweisen lässt sich der H1N1-Virus nur durch einen Labortest, der aber lediglich bei Risikogruppen wie chronisch Kranken oder Schwangeren durchgeführt wird.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

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Rubriklistenbild: © dpa

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