Hafen in Stock verändert sein Gesicht

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Ein Modell des Priener Bahnhofs mit Schönheitsfehler: Es ist spiegelverkehrt. In der neuen Wartehalle soll es deshalb mit einem großen Spiegel ausgestellt werden.

Prien - Für die erwarteten Besucherströme zur Landesausstellung zum 125. Todestag von Ludwig II. auf der Herreninsel im nächsten Jahr putzt die Chiemsee-Schifffahrt ihren Hafen in Stock heraus.

2011 sollen noch mehr Besucher an den Chiemsee kommen als sonst. Touristiker und Politiker setzen auf die Anziehungskraft der Landesausstellung zum 125. Todestag von Ludwig II. auf der Herreninsel. Der Großteil der Gäste wird wohl von Prien übersetzen. Deshalb putzt die Chiemsee-Schifffahrt ihren Hafen in Stock heraus. Dort wird momentan gleich an mehreren Ecken gebaut.

In acht Meter Höhe über den Stegen bietet sich ein beeindruckender Rundumblick. Das Auge schweift vom Prienavera über den See bis zum Kampenwandgipfel. Die Aussichtsplattform auf dem neuen Kassen- und Betriebsgebäude zwischen Werft und alter Wartehalle soll in diesen Tagen geöffnet werden. Die Schifffahrt wartet täglich auf das Treppengeländer und Fernrohre. In der Mitte weht schon die bayerische Flagge an einem alten Mast der "MS Barbara".

Im ersten Stock unter der 80 Quadratmeter großen Terrasse ist das Hafenmeisterbüro bereits in Betrieb genommen worden. Es erinnert mit großen Fenstern und Computern ob seiner erhöhten Position fast an einen Flughafen-"Tower".

Im Erdgeschoss fehlen in der neuen Wartehalle nur noch die Bänke. In dem großen Raum ist auch ein Kassenschalter, an dem die Fahrgäste im Winter, geschützt vor Wind und Wetter, ihre Tickets kaufen können.

Draußen gibt es einen Infoschalter und drei Kassen, eine mehr als am alten Kassenhäuschen auf der Nordseite der Hafenanlage. Die Firma Feßler hat sich gegen Kassenautomaten entschieden, weil der Beratungsbedarf auch an den Kassen erfahrungsgemäß sehr groß sei, erklärt Michael Feßler beim Rundgang mit der Chiemgau-Zeitung.

Im Verbund mit dem Flachbau für Kiosk und WC-Anlagen schafft der Neubau als Verlängerung dieser Achse eine Abgrenzung zur Werft für eine Art Promenade in Richtung Anlegeplätze, die gerade mit großen Schirmen weitgehend überdacht wurde.

Kein schöner Anblick ist auf diesem Weg linker Hand der alte hölzerne Bau mit Wartehalle, dessen Kern, der Lokschuppen, aus dem Jahr 1887 stammt, als die Bockerlbahn gebaut wurde. Auch im Innern sieht man dem Bau sein Alter an.

Seine Tage sind, ebenso wie die eines kleinen Baus entlang der neuen Promenade, gezählt. Im Winter sollen beide abgerissen werden und sich so der Blick für die Gäste auf den See schon von weitem öffnen. Danach soll der frei gewordene Platz, möglichst noch vor Beginn der Landesausstellung, neu mit großen Betonplatten gepflastert werden. Vor dem neuen Funktionsgebäude mit der Aussichtsterrasse ist das schon geschehen. Zudem ist zwischen Wartehalle und dem Platz vor den Stegen bereits eine überdachte Terrasse entstanden.

Wer sich von dort nach rechts, also Süden wendet, gelangt nun über eine Hängebrücke auf ein Baustellengelände. Denn zwischen Werft und Bootshütten entsteht gerade ein neues Lagergebäude. Dort werden nicht nur Kioskbetreiber ihre Waren lagern, sondern die Schifffahrt unter anderem auch Bulldog und Stapler. Auch eine Waschhalle entsteht dort, ebenso im Obergeschoss neue Mannschaftsräume mit Duschen und Sanitäranlagen.

Auf der West-, also der dem Wasser abgewandten Seite wird der Bau nur eingeschossig. Dort werden Lok und zwei Waggons der Chiemseebahn für Wartungen und Reparaturen Platz finden. Damit sie dorthin rollen können, wird zwischen Verwaltungsgebäude und Werft ein neues Gleis verlegt, das sich dann in zwei Schienenstränge teilt, die bis in die Halle verlaufen.

Wie die bestehenden Gleise umgebaut werden, steht laut Feßler noch nicht fest. Möglich scheint, dass die Fahrgäste künftig nicht mehr nach Norden, sondern nach Süden aus den Bockerl-Waggons aussteigen.

In diesen Tagen werden vier Fertiggaragen, die sich westseitig an den Verwaltungsbau anschließen, ab- und hinter dem Hotel "Luitpold II" (ehemals "Feldhütter") wieder aufgebaut. Die frei werdende Fläche soll künftig als Hauptweg vom Parkplatz zu den Schiffen und zurück dienen.

Vor der Landesausstellung soll außerdem der Parkplatz 2 der Schifffahrt jenseits der Osternacher Straße nach Westen um 230 Stellplätze erweitert werden (wir berichteten). Die Ein- und Ausfahrten sind bereits fertig, das Areal muss Feßler zufolge nur aufgekiest und die Stellflächen markiert werden.

Der Bau der neuen Lagerhalle ist die letzte größere Maßnahme im Rahmen der Umgestaltung des Hafenareals. Begonnen hatte sie 2002 mit dem Funktionsbau, der WCs und Kiosk beherbergt. In den Folgenjahren entstanden eine neue Werft, zwei neue Bootshütten (beide Bauten mit großen Fotovoltaikanlagen bestückt) und der Parkplatz 2.

Im Endstadium geht es jetzt auch noch um gestalterische Fragen. Neben anderen alten Schifffahrtsgegeständen wie Steuerrad und Glocke lagern über der Werft zum Beispiel Eisenbahnmodelle vom Hafen und vom Priener Bahnhof. Die Schifffahrt hat sie von einem passionierten Modelleisenbahnbauer aus dem Stuttgarter Raum bekommen. Sie sollen wahrscheinlich in der neuen Wartehalle ausgestellt werden.

Das Bahnhofsmodell hat nur einen Fehler - es ist spiegelverkehrt. Sein Erbauer hätte es sonst nicht in seiner Mansardenwohnung untergebracht. Jetzt steht ein breiter Spiegel dahinter und in ihm sieht der Betrachter den Priener Bahnhof, wie er wirklich einmal war.

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