Kommentar über Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte

"Nehmt den Vereinen nicht die Sporthallen!"

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Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte. Bleiben die Sportvereine auf der Strecke?

Prien - Flüchtlingshilfe - ja. Aber das Vereinsleben mit seiner so wichtigen gesellschaftlichen Komponente darf nicht auf der Strecke bleiben... Ein Kommentar:

Vorneweg eine ganz klare Aussage: Wir dürfen die Flüchtlinge nicht vor der Tür stehen lassen und müssen uns um sie kümmern und ihnen eine geeignete Unterkunft zur Verfügung stellen. Aber müssen es unbedingt immer die Sporthallen sein?

Aktuell steht die Aussage im Raum, dass auch die Sporthalle des Ludwig-Thoma-Gymnasiums in Prien noch im September als Notunterkunft für Flüchtlinge gebraucht wird. Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim, bestätigte auf Nachfrage von rosenheim24.de, dass es sein könne, dass die Turnhalle ab dem 22. September als Notunterkunft dienen müsse. Die LTG-Halle könne 170 Asylbewerbern Platz bieten.

Eine Aussage, die Oberstudiendirektor Günther Madsack Kopfzerbrechen bereite, wie er gegenüber der Chiemgau-Zeitung zugab. Für den Sportunterricht hoffe er auf Ersatzzeiten in anderen Hallen, wie zum Beispiel der Franziska-Hager-Mittelschule in Prien. Aber was ist mit den Sportvereinen?

Über 50 Prozent der Sportarten finden in der Halle statt und die Sportvereine der Region sind auf Hallenzeiten angewiesen. Die LTG-Halle ist werktags bis 22 Uhr von den Priener Vereinen belegt. An den Wochenenden findet dort ein geregelter Spielbetrieb statt.

Besonders hart würde es hier zum Beispiel die Handballabteilung des TuS Prien treffen, deren "Heimat" die LTG-Halle ist: Etwa 200 Aktive in drei Senioren- und acht Jugendmannschaften bereiten sich teilweise seit Juni auf die Saison 2015/2016 vor. Saisonstart wäre der 27. September mit drei Heimspielen in der LTG-Halle. Die Saisonplanung ist abgeschlossen. Dauerkarten für 82 Heimspiele bis April kommenden Jahres wurden bereits verkauft. Wo die entsprechenden Hallenkapazitäten für Training und Spiele herkommen sollen, steht in den Sternen.

Chefredakteur Martin Vodermair sieht die Zukunft der Sportvereine in Gefahr.

Darüber hinaus bereitet jede Änderung im Trainingsbetrieb große Probleme. Da müssen Trainer, die händeringend gesucht werden, aufhören, weil sich die neuen Trainingszeiten nicht mit ihren Arbeitszeiten vereinbaren lassen. Da hören Jugendspieler auf, weil sie zu den neuen Trainingszeiten bereits andere Verpflichtungen haben. Andere Spieler - meistens die guten und ehrgeizigen - wechseln zu anderen Vereinen, wo sie bessere Bedingungen vorfinden. Es kommt so weit, dass einzelne Mannschaften vom Spielbetrieb abgemeldet werden müssen.

Dass dadurch die Motivation, sich im Verein einzubringen und mitzuhelfen, auf den Nullpunkt sinkt, ist verständlich. Vor allem, weil Trainer, Schiedsrichter, Betreuer, Pressewart und Vorstandschaft ehrenamtlich tätig sind. So vergrault man noch den letzten Ehrenamtlichen und die Zukunft des Vereins steht auf dem Spiel.

Und es ist ja nicht so, als würde es in Prien keine Alternativen geben: Da steht eine ehemalige Jugendherberge leer, da steht der ehemalige Chiemsee-Center leer.

Flüchtlingshilfe ja, aber das Vereinsleben mit seiner so wichtigen gesellschaftlichen Komponente darf nicht auf der Strecke bleiben!

Apropos gesellschaftliche Komponente: Die Priener Handballer haben sich in der Vergangenheit bereits mehrfach bei der Integration von Flüchtlingen beteiligt und würden dies auch gerne wieder tun. Aber wie, wenn die nötigen Hallenzeiten für Training und Spiele gestrichen werden?

Kommentar von Martin Vodermair (martin.vodermair@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

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