Kronasthaus bald wieder auf?

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Das Kronasthaus am Marktplatz - hier von der Nordseite aus gesehen - gehört zu den schönsten Gebäuden Priens. Seit Februar ist es ungenutzt.

Prien - Das Kronasthaus am Marktplatz gehört zu den schönsten Gebäuden im ganzen Ort. Seit Februar steht es leer. Im Erdgeschoss soll nun eine Vinothek eröffnet werden, im ersten Stock eine Puppenausstellung.

Der Bauausschuss hatte den Antrag dieser Tage wegen ungeklärter Fragen zurückgestellt. Nach einem Ortstermin mit Bürgermeister und neuer Pächterin scheint aber zwischenzeitlich Licht ins Dunkel zu kommen. Schon in der Gemeinderatssitzung übernächsten Mittwoch könnte es grünes Licht für das Vorhaben geben.

Kunstsammler Hans-Georg Lohr hatte einen Traum. Er wollte einen Großteil der Dinge, die er über Jahrzehnte zusammengetragen hatte, in einem Museum der öffentlichkeit zugänglich machen. Das Kronasthaus am Marktplatz schien ihm dafür ideal. 2003 kaufte der Priener das denkmalgeschützte Gebäude neben der Pfarrkirche für rund 300.000 Euro.

Rund eine Million Euro steckte Lohr in die aufwändige Restaurierung des über 400 Jahre alten Hauses. Zusammen mit Freund und Architekt Willi Keßler, dem örtlichen Architekten Heiner Sedlmeir und weiteren Mitstreitern erweckte er das Kleinod in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde aus dem Dornröschenschlaf. Denn seit die Familie Kronast, der das Gebäude seit dem Kauf durch Kistler Johann Georg Cronast 1709 seinen Namen verdankt, 1990 nach rund 100 Jahren ihren Laden mit Antiquitäten, Tabakwaren und Spirituosen geschlossen hatte, stand das Haus leer.

Lohr war es nicht vergönnt, sein Werk selbst zu vollenden. Er starb in der Neujahrsnacht 2004. Noch während der Restaurierung hatte sich der Plan zerschlagen, das Museum über eine Stiftung zu betreiben. Erbe Wolfgang Schwaiger stand nach der Fertigstellung im Frühjahr 2004 vor der Herausforderung, das Schmuckstück ohne Eingriffe in Fasasade und historische Innenausstattung mit Leben zu füllen.

Ende des gleichen Jahres war es soweit. Mit "Kalabash", einem Anbieter exklusiver Möbel und Accessoires aus Asien und Afrika, war ein Mieter gefunden, dessen Vorstellungen mit den sensiblen Räumlichkeiten zu vereinbaren waren. In die Möbelausstellung wurden Vitrinen mit Teilen von Lohrs Sammlung integriert.

Im Februar dieses Jahres hat "Kalabash" geschlossen. Seitdem sollen dem Vernehmen nach eine Reihe von Interessenten angefragt haben - von der Pizzeria über Physiotherapeuten bis zum einem Betrieb für Hundezubehör. Aber das Haus mit seinen alten Holzdecken, engen Treppen und barocken Dielenböden verträgt nicht jede Art von Nutzung.

Jetzt scheint eine Lösung in Sicht. Linda Hackel, die in Osternach eine Galerie mit exklusiven Puppen und Teddybären betreibt, will als neue Pächterin einen Teil ihrer Stücke im ersten Stock ausstellen und zum Verkauf anbieten. Das Erdgeschoss soll an eine Vinothek untervermietet werden. Eine Papeterie und Büros im ersten Stock sowie ein Seminarraum und einer für eine Ausstellung mit Stücken aus Lohrs Glassammlung im Dachgeschoss vervollständigen das Konzept. Möglicherweise wird im Parterre noch ein kleiner Laden für Geschenkartikel udn Schmuck entstehen.

Der Bauausschuss hatte den Antrag auf Nutzungsänderung in seiner jüngsten Sitzung zurückgestellt. Drei Punkte waren es im Wesentlichen, die das Gremium im Vorfeld geklärt sehen wollte: die Bestuhlung der Vinothek vor dem Haus im Hinblick auf Veranstaltungen wie das Marktfest, die Ablöse notwendiger Stellplätze und das Werbekonzept.

Eineinhalb Tage nach der Ausschusssitzung zeichnete sich dann aber schon ein anderes Bild ab. Linda Hackel stellte Bürgermeister Jürgen Seifert vor Ort ihr Konzept vor. Die Erkenntnis: Wären die Vorstellungen der Pächterin dem Bauausschuss bekannt gewesen, hätte es vielleicht schon dort einen positiven Bescheid geben können.

Seifert, der anschließend auf Anfrage von einem "verträglichen Konzept" für das sensible Objekt sprach, will den Antrag mit ergänzenden Informationen nun auf die Tagesordnung der Marktgemeinderatssitzung am Mittwoch, 1. Juli, setzen.

Hackel schilderte im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, dass die Bewirtung der Vinothek im Freien voraussichtlich auf der Südseite, also zwischen Kronasthaus und Pfarrkirche, erfolgen soll. Die Werbung der einzelnen Nutzer soll im Wesentlichen auf den vorhandenen Säulen neben dem Haupteingang dargestellt werden. Werbeanlagen an der Fassade dürften ohnehin am Widerspruch der Denkmalschutzbehörde scheitern.

Hackel zufolge sind für das Haus bisher drei Stellplätze nachgewiesen. Sollten wegen der Vinothek weitere erforderlich sein - bei gastronomischer Nutzung wird der Bedarf nach einem festgelegten Verfahren errechnet, in das unter anderem die Zahl der Sitzplätze einfließt - würden diese abgelöst, sagte Hackel. Das heißt, sie müssen bezahlt werden, weil sie am Marktplatz nicht geschaffen werden können. Die entsprechende Satzung der Marktgemeinde sieht dafür einen Mindestbetrag von 7500 Euro pro Parkplatz vor.

Wenn die Nutzungsänderung bald genehmigt wird, möchte Hackel möglichst Anfang August eröffnen.

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