"Ohne Parkhaus wird es nichts"

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Prien - Die Gemeinde erhofft sich die Förderzusage des Freistaats für eine siebenstellige Summe. Den Planern stünde dann zuerst ein Parkhaus am Bahnhofsareal im Sinn.

Bis Mitte nächsten Jahres erhofft sich die Gemeinde die Förderzusage des Freistaats für eine siebenstellige Summe im Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren".

Als Erstes hat sie dann die Umgestaltung des Bahnhofsareals auf ihrer Agenda. Dieses Paket enthält auch ein Parkhaus. Die Einzelhändler sehen dessen Bau als unabdingbare Voraussetzung für alle weiteren möglichen Umgestaltungsmaßnahmen.

"Ohne Parkhaus wird es nichts." So fasste Andreas Kaiser, Vorsitzender der "PrienPartner", den Tenor der Diskussion im gut zweistündigen "Workshop Ortsentwicklung" für Einzelhändler im "Yachthotel" zusammen. Zuvor hatten mehrere Ladeninhaber ihre Unterstützung für die Planung an die Bedingung geknüpft, dass neue, möglichst zentrale Parkflächen entstehen müssen, bevor möglicherweise an anderer Stelle welche wegfallen. Bürgermeister Jürgen Seifert hatte eingangs in einem "Impulsreferat" einen Schwerpunkt auf das Bahnhofsareal gelegt. Er berichtete von fortgeschrittenen Gesprächen mit einer Tochtergesellschaft der Bahn über den Bau eines Parkhauses. Denn ohne Investor werde dies nicht zu stemmen sein. "Wir sind uns in vielem einig", umschrieb Seifert den Stand der Verhandlungen. Knackpunkt sind offenbar die Parkgebühren, die einerseits für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlich wären und andererseits zu den bestehenden Gebühren passen müssen. Und die seien in Prien "enorm günstig" im Vergleich zu anderen Kommunen.

Schon vor zirka drei Wochen hatten Einzelhändler bei einem nichtöffentlichen Treffen, deren Diskussion Kaiser jetzt als "ziemlich zündend" umschrieb, unter anderem Kritik an den ihrer Meinung nach zu kurzen Parkzeiten auf den überwachten Flächen geübt. Über eine Verlängerung wird der Hauptausschuss des Marktgemeinderats in seiner öffentlichen Sitzung am Mittwoch, 12. Dezember, ab 18 Uhr im Rathaus diskutieren.

Im Konzept des Arbeitskreises (AK) Ortsentwicklung, der unter ehrenamtlicher Leitung von Professor Wedig Pridik, Wahlpriener und früherer Städtebaufachmann, in fast zweijähriger Arbeit zehn Leitlinien für die langfristige Entwicklung Priens erarbeitet hatte (wir berichteten wiederholt), ist ein Parkhaus mit 150 Stellplätzen auf dem Areal südlich der Sparkasse eingezeichnet. Es dient auch heute schon als ebenerdige Stellfläche.

Der Vorschlag des AK ist, wie alle anderen Ideen, zum jetzigen Zeitpunkt noch reines Gedankenspiel und unverbindlich. Das betonte unter anderem Seifert wiederholt. Vor wichtigen Entscheidungen würden die Bürger beteiligt. Das Gemeindeoberhaupt machte kein Hehl daraus, dass der Bahnhof samt Umfeld, "das Eingangstor" nach Prien für Bahnreisende, in einem "erbärmlichen Zustand" sei. Die Gemeinde hatte über drei Jahre schrittweise zwei Immobilien (Jugendtreff und Kinderhort) und über 10000 Quadratmeter Grund gekauft, um Planungshoheit zu gewinnen (wir berichteten wiederholt).

Für den Streifen vom Busbahnhof bis zur Spitzsteinunterführung entlang der Gleisanlagen habe er den Kaufpreis "fast halbieren" können, als dem Voreigentümer, der Bahntochter "Aurelis", die feindliche Übernahme durch einen spanischen Investor drohte und sie dringend Geld brauchte, verriet Seifert, ohne Zahlen nennen zu dürfen.

Der AK Ortsentwicklung stellt in seinem Verkehrskonzept ein zweites, kleineres Parkhaus am Friedhofweg zur Diskussion, sodass im Verbund mit dem Beilhackparkplatz und einem Parkhaus an der Hochriesstraße eine Art Dreieck in fußläufiger Entfernung um den Ortskern entstehen könnte. Dieses zweite, nördliche Parkhaus sahen aber einige Einzelhändler wegen seiner Lage in einer Nebenstraße skeptisch.

Die Schaffung zentraler Parkflächen mit dem Ziel, die Zahl der Stellplätze im Herzen Priens zu verdreifachen, wie Seifert ausführte, geht einher mit dem Wunsch, an anderen Stellen vor allem sogenannte Senkrechtparkplätze, also solche, bei denen Autofahrer im rechten Winkel von der Straße ein- und ausparken müssen und so Staus verursachen, zu streichen. So soll auch mehr Platz für Gehwege und damit für Fußgänger geschaffen werden.

Zwei weitere Punkte kristallisierten sich im "Yachthotel" als Wunsch vieler Einzelhändler heraus: ein effektives Parkleitsystem, um den Suchverkehr zu reduzieren, und ein Einbahnstraßenring im Zentrum. Diese Idee, die für Pridik alternativlos ist, ist nicht neu, erinnerte Wirtschaftsreferent Klaus Löhmann an solche Überlegungen in der vorigen Legislaturperiode aus einem Bürgerbeteiligungsverfahren heraus. Damals war ein solcher Einbahnring sogar kurzzeitig erprobt worden.

AK-Leiter Pridik appellierte mit Verweis auf die Erfolgsaussichten eines Förderprogramms an die Haus- und Ladenbesitzer, in diesem und anderen Punkten "möglichst einhellig in der Meinung Stellung zu beziehen. Dann sind sie stark".

Das Gebiet, in dem Prien die Ortsentwicklung gefördert haben möchte, umfasst nicht nur den Ortskern, sondern auch die Seestraße und das Hafenareal. Durch eine Umwidmung ist die 1,6 Kilometer lange Verbindung zwischen Marktplatz und Stock jetzt vom Landkreis in die Verantwortlichkeit der Gemeinde übergegangen. Die war ohnehin durch einen Vertrag mit dem Landkreis schon seit Jahrzehnten für den Unterhalt aufgekommen, wie Seifert erinnerte. Jetzt hat die Kommune Planungen in eigener Hand.

Wie der Markt Prien diese Möglichkeit nutzt, ist noch völlig offen. Erklärtes Ziel ist es aber, die Seestraße wieder attraktiver zu machen. Als eine Art "Verbundpromenade" zwischen Zentrum und See sieht sie der AK, formulierte Pridik.

Seifert ließ im "Yachthotel" durchblicken, dass er auch in Verhandlungen mit dem Staatlichen Bauamt in Rosenheim wegen der Bernauer Straße stehe. Sie obliegt als Staatsstraße bisher der Planungshoheit dieser Behörde. Zumindest der Teilbereich zwischen Marktplatz und Geigelsteinstraße spielt aber in den Gedankenspielen zur Ortsentwicklung eine Rolle.

Zunächst hängt nun alles vom Antrag für das Förderprogramm ab, den die Gemeinde kürzlich bei der Regierung eingereicht hat. Spätestens Mitte nächsten Jahres soll eine Entscheidung fallen und klar sein, ob weitergeplant werden kann.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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