Ringen um Hallenneubau

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Im Oktober wurde die 60 Jahre alte Halle im Sportboothafen Stippelwerft samt SCPC-Clubheim abgerissen, weil sie akut einsturzgefährdet war.

Prien - Hinter dem Neubau der Halle 1 in der Stippelwerft stehen immer noch einige Fragezeichen. Jetzt geht es um die Frage, inwieweit der Verein bereit ist, sich an den Kosten für den Neubau zu beteiligen.

Der 60 Jahre alte Bau war akut einsturzgefährdet. Die Gemeinde hatte ihn deshalb im Oktober vergangenen Jahres abreißen lassen müssen - samt Vereinsheim des Segelclubs Prien (SCPC). Jetzt geht es um die Frage, inwieweit der Verein bereit ist, sich an den Kosten für den Neubau zu beteiligen. Derweil lockt die Bayerische Sportförderung die Gemeinde mit einer Spende von 450.000 Euro für ein Wassersportzentrum.

690.000 Euro hat die Marktgemeinde im Haushalt 2010 für den Hallenneubau eingeplant, ein kleinerer Betrag soll als Rest der Gesamtkosten in den Etat 2011 einfließen. Bisher war angedacht, heuer das Fundament zu bereiten, um dann 2011 den eigentlichen Bau hochzuziehen.

Wie der aussehen wird, ist allerdings immer noch nicht klar. Schon im Frühjahr 2009 hatte es einen ersten Entwurf gegeben, der aber durchfiel. Nun liegt eine Planung für eine Halle vor, die 822.000 Euro kosten würde. Ein Teil der Räumlichkeiten ist für den Segelclub vorgesehen. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Atzinger Vereinshaus sollte kurz vor Weihnachten die Schmerzgrenze für eine finanzielle Eigenbeteiligung des Vereins ausgelotet werden.

Im Raum stand eine Summe von 288.000 Euro, die rein rechnerisch den Teil des Gebäudes abdecken würde, den der Verein nach aktueller Planung nutzen würde, insbesondere für einen Clubraum mit 96 Quadratmetern und ein Lager mit 145 im Erdgeschoss sowie einen Jugendraum und ein Büro im ersten Stock.

Die 288.000 Euro würden die Möglichkeiten des Vereins wohl übersteigen. Das jedenfalls war der Tenor bei der Versammlung in Atzing, bei der mehrheitlich auch Beitragserhöhungen beschlossen wurden, weil der Clubbetrieb laut Vorstandschaft mit den Einnahmen durch die seit 20 Jahre unveränderten Sätze in der jetzigen Form sonst nicht mehr aufrecht zu erhalten wäre.

Der SCPC würde vom Bayerischen Landessportverband (BLSV) bei Verwirklichung der aktuellen Planung einen Zuschuss von 100.000 Euro und ein zinsgünstiges Darlehen über weitere 50.000 bekommen. Die Gemeinde hat ohne den Verein keine Zugriffsmöglichkeit auf die Fördergelder. Deshalb sieht der Club dieses Pfund als Trumpf für die weiteren Verhandlungen, falls der Marktgemeinderat auf einer finanziellen Beteiligung besteht. Denn am liebsten wäre es dem SCPC, er müsste sich gar nicht beteiligen. Dies gaben die Mitglieder der Vorstandschaft mehrheitlich als erste Verhandlungsoption mit auf den Weg.

Im Gegenzug für den 150.000-Euro-Beitrag (Zuschuss plus Darlehen), der alternativ als zweite Option abgesegnet wurde, fordert der SCPC einen langfristigen Mietvertrag über 30 Jahre und den Erlass der Miete für diesen Zeitraum, weil er durch die Rückzahlung des 50.000-Euro-Darlehens jährlich mit 3000 Euro belastet wäre.

In Atzing betonte die Vorstandschaft um Präsident Lothar Demps auch mehrfach, dass sich der SCPC generell eine bessere Unterstützung durch die Kommune wünscht. Schließlich leiste der Club hervorragende Jugendarbeit - ein Kriterium, das maßgeblich ist, wenn es um finanzielle Unterstützung von Vereinen durch die Gemeinde geht. Unter den 351 Mitgliedern des SCPC sind 127 junge Leute.

In der Versammlung klang auch durch, dass es zuletzt Irritationen zwischen Gemeinde und SCPC-Spitze gegeben hatte. Sportreferent Alfred Schelhas, selbst SCPC-Mitglied, sprach von einer "lückenhaften und irritierenden Verhandlungsweise des SCPC gegenüber der Gemeinde".

Schelhas war es auch, der die Diskussion durch eine eigentlich gute Nachricht um eine neue Variante bereicherte. Am Tag der Versammlung hatte er von der Vorsitzenden Petra Kalix per Brief erfahren, dass die Bayerische Sportförderung der Marktgemeinde 450.000 Euro spenden würde - für ein "Wassersportzentrum Prien". Bedingung wäre wohl, auch die Handicap-Sparte in den Neubau zu integrieren, die der SCPC in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Versehrtensportverband (BVS) 2008 eingerichtet hatte. Dafür wären voraussichtlich acht Zimmer mit Übernachtungsmöglichkeiten in die Planung einzubeziehen. Sollte der Markt Prien diese Option ziehen, müsste wohl zumindest im Teilen noch einmal neu geplant werden.

Zunächst muss nun aber der Marktgemeinderat darüber befinden, ob er auf einer finanziellen Beteiligung des Vereins am Neubau besteht und ob es ihm dann genügen würde, wenn der SCPC über Zuschuss plus Darlehen 150.000 Euro als seinen Anteil beisteuern würde. Danach wird sich dann wieder der Verein bei seiner turnusmäßigen Hauptversammlung im März erklären müssen.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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