„Schöne“ Ferien für Mitarbeiter-Kinder

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Prien - Sechs Wochen dauern die Sommerferien – für Kinder schön, für Eltern immer öfter ein Problem. Erst recht, wenn beide berufstätig sind oder die Mutter allein erziehend ist.

Trotzdem waren die Schön Kliniken selbst überrascht, dass ihre Priener Mitarbeiter über 110 Mädchen und Buben für die Ferienbetreuung angemeldet haben, die die Klinik-Gruppe erstmals in der Marktgemeinde für ihr Personal organisiert hat.

Elisabeth Veit erntet in ihrem Bekanntenkreis zurzeit oft neidische Blicke, wenn sie erzählt, dass ihr Fünfjähriger in der firmeneigenen Ferienbetreuung untergebracht ist. „Das ist ein Luxus, den ich sehr schätze.“ Ihre Kollegin Birgit Stepputat, deren zwölf- und zehnjährigen Söhne auch dabei sind, fügt hinzu: „So etwas ist leider die Ausnahme.“

Frauenanteil am Personal sehr hoch

Aber dass ein Unternehmen seinen Mitarbeitern solche Zusatzangebote heutzutage und erst recht in Zukunft machen muss, liegt für Geschäftsführer Mani Raffi auf der Hand und hat einige gute Gründe. Zum einen ist der Frauenanteil am Personal gerade im Klinik-Bereich sehr hoch (Schön hat am Stammsitz Prien nicht nur seine zentrale Verwaltung mit rund 200, sondern auch die Klinik Roseneck mit über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbei-

tern). „Wenn wir Mütter für uns gewinnen wollen, müssen wir familiengerechte Angebote bieten“, verweist Raffi auch auf den Fachkräftemangel.

Personalengpass wird vermieden

Zum anderen habe die Erfahrung gezeigt, dass mit einem solchen Angebot personelle Engpässe in den Ferien, weil zu viele Mitarbeiterinnen gleichzeitig Urlaub nehmen müssen, vermieden werden können. Und schließlich verweist der Geschäftsführer wie selbstverständlich auf die Firmenphilosophie. Schön versteht sich als Familienunternehmen im doppelten Sinn. Die Gruppe mit bundesweit 15 Klinken hat ihren Ursprung und Stammsitz in der Marktgemeinde, der Heimat der Inhaberfamilie. Und sie sehe sich trotz ihrer Größe als familiäres Unternehmen. Dass drei der Geschäftsführer allesamt berufstätige Frauen und insgesamt neun Kinder im relevanten Alter haben, spielte bei der Entscheidung keine Rolle.

2010 war die erstmalige Ferienbetreuung am Standort Vogtareuth auf eine großes und positives Echo gestoßen. Heuer nun hat Schön erstmals ein solches Angebot für Drei- bis Zwölfjährige über vier Wochen in Prien auf die Beine gestellt. Aber schon im Oktober vergangenen Jahres waren die Mitarbeiter informiert worden, damit sie Planungssicherheit für die langen Sommerferien haben, berichtet Natalie Schult von der Personalabteilung, die die Betreuung federführend organisiert hat. Mit Susanne Holzmüller aus Augsburg engagierte sie eine Fachkraft, die schon seit fast zehn Jahren Erfahrung mit Kinderbetreuung speziell in Unternehmen hat.

Grundlage für die Angebote über vier Wochen war eine Bedarfsabfrage beim Personal, bei der gewünschte Kernzeiten und Programmpunkte erkundet wurden. Bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten wurden Schult und Holzmüller in der Waldorfschule fündig. Seit 8. August belegen die Schön- Kinder dort das Erdgeschoss des Neubaus mit Beschlag. Oft wird in altersgerecht aufgeteilten Gruppen die Umgebung erkundet – von der Prien über den Bauernhof und die Priener Feuerwehr bis zum Lehrbienenstand in Eggstätt.

Vier Wochen lang jeden Tag Programm

Aber auch in der Waldorfschule rührt sich vier Wochen lang jeden Tag etwas. Als die Chiemgau-Zeitung die Ferienbetreuung besucht, lachen die Mädchen und Buben gerade nebenan über den Mitmachzirkus von „Signora Pepina“ alias Uta Mewes.

Bis zu 30 Kinder von Mitarbeiter-Kindern kommen an Spitzentagen. Die Betreuungszeiten wurden so gelegt, dass sie sinnvoll an die Schichtdienste im Pflege- und Betreuungsdienst anschließen. Zwei Euro pro Stunde müssen die Eltern zahlen, bei Geschwistern nur 1,70 Euro. Den Großteil der Kosten deckt das Unternehmen. Es hat aber bewusst einen geringen Eigenanteil eingefordert, um Verbindlichkeit zu schaffen und damit Planungssicherheit für das Programm und das Personal.

Der sogenannte Betreuungsschlüssel ist Schult zufolge mit Absicht hoch angesetzt worden – auf jeweils fünf Kinder kommt eine qualifizierte Betreuungsperson. Dadurch soll die Qualität des Angebots gesichert werden. Das Mittagessen liefert der Chefkoch der Schön Klinik

Roseneck. Der zwölfjährige Niclas spricht wohl für alle, wenn er erzählt, dass es schmeckt – ganz gleich, ob es Fleischbällchen oder Geschnetzeltes mit Spätzle und Soße gibt.

Ausweitung auf alle Standorte geplant

„SCHÖNe Ferien“, wie das Angebot doppeldeutig heißt, hat sich absolut bewährt, bekräftigten Firmensprecher, Mütter, Kinder und Betreuerinnen. Eine große Zahl an Nachmeldungen von Eltern, die wohl erst einmal abgewartet hatten, spricht dafür und konnte Schult zufolge nur berücksichtigt werden, weil von Anfang an „mit Luft“, also organisatorischem Spielraum, geplant worden war. Schon jetzt scheint festzustehen, dass die Ferienbetreuung nächsten Sommer auf alle Standorte der Klinik- Gruppe ausgeweitet wird.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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