Biber auf dem Vormarsch

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Viele heimische Gewässer hat sich der Biber zurückerobert, nun scheint er auch am obersten Flusslauf der Alz unterhalb von Seebruck wieder ansässig zu sein. Westlich von Stöffling hat zuletzt mindestens ein Exemplar des monogam lebenden Pflanzenfressers eine große, gesunde Pappel gefällt.

Seebruck - Wenige hundert Meter nördlich der Alzbrücke hat ein Biber in den letzten Tagen Schwerstarbeit verrichtet. Ein 20 Meter hoher Baum fiel am oberen Flusslauf ins Wasser.

Mit seinem unglaublich kräftigen Gebiss und seinen scharfen Zähnen machte sich der Riesennager auf Höhe des Weilers Stöffling - dort befindet sich auch das bekannte Keltengehöft - am naturnahen Ostufer der Alz an einer etwa 40 Jahre alten gesunden Pappel zu schaffen und ließ den zirka 20 Meter hohen Baum mit einem Stammumfang von 130 Zentimetern am Ende ins Wasser fallen. Eine gewaltige Leistung für ein eher plump und "unsportlich" wirkendes Tier, das bei einer Kopf-Rumpf-Länge von 80 bis 102 Zentimetern bis zu 30 Kilo auf die Waage bringen kann.

War es Hunger, Langeweile, Wut, eine ausführlichere nächtliche Zahnpflege oder spielt er oder sie sogar mit dem Gedanken, sich dort einen neuen Bau zu errichten? Um das Wasser ein wenig aufzustauen, wäre der erste Schritt schon einmal getan.

"Bisher habe ich noch keinen Biber gesehen", erzählt der Stöfflinger Landwirt Max Freiwang junior, doch wiesen auch viele kleinere ab- und angenagte Bäume auf dessen Existenz hin. Ihm und seinem Vater seien Biberpopulationen bisher eigentlich nur viel weiter flussabwärts bei Truchtlaching bekannt gewesen.

Die Rückkehr des größten europäischen Nagers zeigt auf jeden Fall, so die Naturschützer, dass die Flora und Fauna im Landschaftsschutzgebiet "Obere Alz" noch in bester Ordnung ist. Auch andere Tierarten der Flussauen wie Fischotter, Schwarzstorch und Amphibien- und Libellenarten würden mittel- und langfristig vom vegetarisch lebenden Neuankömmling profitieren, da er ihnen quasi kostenlos "neue Lebensräume zimmert", so der Bund Naturschutz in Bayern.

Nachdem der dämmerungs- und nachtaktive Biber erst vor wenigen Jahren den westlichen Chiemsee über die Prien erreicht hatte und sich an deren Mündung niederließ, könnte er nun schon bald über die Alz ans nördliche Seeufer gelangen. Von seinem letzten gefällten Baum ist es ja nur noch ein Katzensprung, besser gesagt Bibernachmittagsausflug bis Seebruck.

Im Jahre 1867 war auch der letzte freilebende bayerische Biber dem Jagdtrieb des Menschen zum Opfer gefallen. Der Übermacht derer, die ihr im wahrsten Sinne des Wortes auf den Pelz rückten, war die friedliebende Tierart nicht gewachsen. Anschließend galt der Biber in Bayern rund hundert Jahre als ausgerottet.

Dasselbe Schicksal war 1835 auch dem letzten bayerischen Braunbären widerfahren. Während Meister Petz - das Beispiel des "Problembären" Bruno sprach 2006 Bände - in Bayern wohl noch viele Jahre vergeblich auf "Asyl" warten muss, kann sich der Biber seit geraumer Zeit auch zwischen Inn und Salzach wieder ungestört ausbreiten. An anderen Orten Bayerns nimmt sein Bestand mangels natürlicher Feinde sogar so stark zu, dass schon von einer Biberplage die Rede ist und eine Lockerung des Naturschutzes gefordert wird. Soweit ist man im Chiemgau noch nicht.

Die Wiedereinbürgerung der Biber begann bereits 1966, als Hubert Weinzierl und andere namhafte Naturschützer eines der erfolgreichsten deutschen Projekte starteten. Dem Bund Naturschutz zufolge sind mit Genehmigung der Behörden bis 1980 bayernweit etwa 120 Biber angesiedelt worden. Der derzeitige Bestand betrage "schätzungsweise 12.000 Tiere in etwa 3000 Biberrevieren".

mmü/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser