"Des einen Freud, des anderen Leid"

Bauträger beklagt Verhalten der Gemeinde Seebruck

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An der sogenannten „Reimer Kurve“ in Seebruck würde die Trasse für eine neue Brücke über die Alz verlaufen und am Minigolfplatz wieder an die Staatsstraße anbinden. Die neue Trassenführung würde aber ein Grundstück durchschneiden, auf dem drei Häuser gebaut werden sollen.

Seebruck - Die Gemeinde gewinnt durch die Aufhebung des Bebauungsplanes wertvolle Zeit.  Der Bauträger hingegen beklagt das Verhalten der Gemeinde. Wie es in der "Reimer Kurfe" weiter geht:

Sollte die Alzbrücke in Seebruck flussabwärts im Bereich des oberen Alztals realisiert werden, müsste der Bauwerber auf seine Bauvorhaben verzichten. Der Bauträger aus Chieming hat das über 7000 Quadratmeter große Grundstück für teures Geld erworben, um darauf ein Ein,- Zwei- und Dreifamilienhaus zu bauen

Mit der Aufhebung des Bebauungsplanes „Seebruck Ortsmitte Ost“ gewinnt die Gemeinde Seeon-Seebruck Zeit für das laufende Vegetationsgutachten, um die Kernzone des Ortes im Rahmen der Städtebauförderung (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept, kurz ISEK) als Sanierungsgebiet auszuweisen. Der Bauwerber, der in dem betreffenden Bereich ein Ein,- Zwei- und Dreifamilienhaus bauen möchte, verliert hingegen weitere kostbare Zeit und Geld. Auslöser für ein Sanierungsgebiet war die Diskussion um einen Neubau der Alzbrücke in Seebruck, deren Neutrassierung durch das Baugrundstück führen würde.

Wie berichtet, hat ein Chieminger Bauträger in der sogenannten „Reimer Kurfe“ ein über 7300 Quadratmeter großes Grundstück für einen fast siebenstelligen Betrag erworben und noch bevor sich die Gemeinde dafür entschieden hatte, den Bereich als Sanierungsgebiet auszuweisen, die Bauanträge bei der Gemeinde eingereicht. Durch das eingeleitete ISEK-Verfahren wurden die Bauanträge aber vom Landratsamt wegen des öffentlichen Interesses zu Gunsten der Gemeinde zurückgestellt. Dagegen hat der Bauträger auch Klage eingereicht.

Im Zuge dieser Klage hat sich bei einer Prüfung des Bauantrags nun herausgestellt, dass der Bebauungsplan „Seebruck Ortsmitte Ost“ mit Fehlern behaftet und damit unwirksam ist. Nach Angaben von Bürgermeister Bernd Ruth sei der Rechtsanwalt der Gemeinde bei der Überprüfung des Bebauungsplans darauf gestoßen, dass dieser gegen „höherrangiges Recht“ verstoße und damit unwirksam sei.

Der Gemeinderat wurde in der März-Sitzung davon in Kenntnis gesetzt und hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, den Bebauungsplan aufzuheben. Solange das ISEK-Verfahren läuft, soll nach Angaben des Bürgermeisters kein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Für den Bauwerber bedeutet dies eine weitere Blockierung der Bauvorhaben. „Wir werden ständig blockiert und angelogen. Die Gemeinde ist nicht offen und ehrlich“ , beklagt Petra Mayer von der PS Bauträger Robert Schroll GmbH. Sie vermute, dass sich die Gemeinde dadurch mehr Zeit für das laufende Vegetationsgutachten verschaffen wolle. Sie werde das „unfaire Zeitspiel“ nicht länger hinnehmen und alle juristischen Mittel einsetzen und ausschöpfen“, sagte sie.

Maßlos enttäuscht sei sie auch vom Verhalten des Gemeinderats, dem es offensichtlich an unternehmerischem Verständnis fehle. „Bei der Abstimmung über die Aufhebung des Bebauungsplans wurde mit keinem Ton erwähnt, was mit uns wird.“ Für den Bauwerber, der bereits die nötigen Ausgleichsflächen an der Alz abgetreten hat, heißt es jetzt weiter abwarten.

Die ersten mündlichen Gespräche zwischen dem Bauwerber und der Gemeinde liegen bereits knapp zwei Jahre zurück. Ursprünglich wollte der Bauwerber Barriere freie Wohnungen für Familien und ältere Menschen bauen. Dies wurde jedoch von der Gemeinde abgelehnt, gleichzeitig aber „Grünes Licht“ für eine Bebauung nach dem bis dato vermeintlich rechtsgültigen Bebauungsplan gegeben.

Mayer: „Wir haben alles fertig gehabt und wollten ursprünglich gleich los legen weil uns die Gemeinde auch eine Freistellungsbescheinigung zugesichert hat.“ Sollte der betreffende Bereich als Sanierungsgebiet ausgewiesen und dort eine neue Brücke realisiert werden, wird es sich definitiv auf ein Enteignungsverfahren hinauslaufen. „Für die Gemeinde kann das teuer werden“, kündigt Mayer an.

Unterdessen macht sich auch in der Bevölkerung Unmut breit. Die Seebrucker wollen sich ihren Ort mit einem neuen massiven Bauwerk nicht kaputtmachen lassen. Das Brückenbauwerk würde einen massiven Einschnitt in das Obere Alztal bedeuten, beklagt Anneliese Plenk. „Es wäre ein Wahnsinn, wenn dort so ein massives Bauwerk entstehen würde.“ Wie wiederholt berichtet, hatten Studenten der Technischen Universität München im Auftrag des Staatlichen Bauamtes im Rahmen der Diskussion um einen geplanten Neubau der Alzbrücke einen Alternativvorschlag erarbeitet.

Die bestehende Alzbrücke könnte demnach zu einer reinen Fußgänger und Radfahrerbrücke umgebaut und Autos, Motorräder und Lastwagen durch einen Brückenneubau weiter flussabwärts umgeleitet werden. Die Staatsstraße würde in diesem Fall nördlich des Gasthofs Hotel Post wieder auf den bisherigen Straßenverlauf treffen. Damit ließe sich sogar eine kleine Umgehung realisieren, da man den motorisierten Durchgangsverkehr ein Stück weit aus dem Ortskern heraushalten könnte. Dieser Alternativvorschlag brachte letztendlich auch den Stein ins Rollen, das Vorhaben über das sogenannte Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) des Städtebauförderungsprogramms abzuwickeln.

Der Tipp, das Vorhaben als städtebauliche Sanierungsmaßnahme zu behandeln, kam von der Regierung von Oberbayern. Der betreffende Bereich, der als Sanierungsgebiet ausgewiesen werden soll, umfasst den Ortsteil Graben und die Kernzone des Ortes. Das sind rund zwei Drittel des gesamten Ortes. Im Zuge des Verfahrens muss aber zunächst eine ganze Vegetationsperiode abgewartet werden. Das bedeutet, dass vor August/September keine konkreten Aussagen zum weiteren Verfahren gemacht werden können. „Bevor nichts Greifbares vorliegt, sind das für mich Phantome“, erklärte Florian Kirchmaier.

Dass eine neue Brücke gebaut werden muss, steht für ihn außer Frage. „Mir würde aber eine Brücke mit Geh- und Radweg am angestammten Platz reichen.“ Eine neue Brücke flussabwärts würde aufgrund der Steigung im Gelände einen riesigen Betonklotz bedeuten (ein Gefälle von 10 bis 15 Metern müsste ausgeglichen werden). „Das wird nichts Schönes.“ Außerdem würde der Neutrassierung auch der Minigolf-Platz zum Opfer fallen. Als betroffener Anlieger wollte er sich aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht näher äußern und zunächst die Pläne der Gemeinde abwarten.

Pressemitteilung BPL Seebruck Ost

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